Diese Frage habe ich mir im Juni 2009 gestellt - im Juli wollte ich sie mir selbst beantwortet haben! Unser DAV-Weiler (Deutscher Alpenverein, Sektion Weiler) veranstaltete am 20.Juni eine 24-Stunden-Wanderung über 24 Gipfel! Ich nahm teil und war überrascht, wie gut ich dies mit meinem Typ1-Diabetes meistern konnte!
Tourbeginn war am Samstag um 8 Uhr, das Ziel wurde Sonntagfrüh, ebenfalls um 8 Uhr erreicht. Am Vorabend reduzierte ich das Lantus-Insulin von 10 auf 8 IE. Das hatte zur Folge, dass ich morgens mit 215 mg% Blutzucker (BZ) ankam (das hätte mit einer Pumpe vermieden werden können!). Ich spritzte um ca. 6.30 Uhr 6 + 4IE Humalog fürs Frühstück und zur Korrektur. Beim Start um 8 Uhr nahm ich bei BZ 124 mg% eine Banane zu mir. Wir gingen 2 Stunden bergauf und danach 1 Stunde über einen anspruchsvollen Grat im kupierten Gelände weiter. Jede Stunde Marsch musste ich 1-1,5 BE (Obst, Riegel oder auch mal Schokolade) zu mir nehmen. Wenn wir eine Brotzeitpause von 15-20 Minuten einlegten, musste ich mich entscheiden, ob ich viel Hunger hatte und mehr essen (und spritzen) wollte, oder ob ich bei meinem bisherigen und gut funktionierenden Schema mit der stündlichen BE-Aufnahme bleiben wollte.
Um 11.30 Uhr lag ich bei 47 mg%, ich gönnte mir einen Löffel Honig und 2 BE Obst/Brot. Die Wanderung ging eine Stunde bergab, danach 1 Stunde wieder bergauf. Der BZ war trotz großer körperlicher Aktivität auf 238 mg% angestiegen. Ich korrigierte mit 2 IE und 1 IE für 2,5 BE Essen. Als wir nach weiteren 2 Wanderstunden an unserer Alpe zum Abendessen ankamen, war ich wieder bei 40 mg%. Hier stärkten wir uns mit Flädlesuppe, Nudeln mit Schinken und Rahm und einem Radler. Dafür gab ich ca. 30 Minuten nach dem Essen für ca. 8 BE 4IE Humalog ab - Normalinsulin wäre jetzt idealer gewesen! Nach einer weiteren Stunde strammen Fußmarsches fühlten sich die Füße und die Hände taub an und ich bekam leichte Gleichgewichtsstörungen - ich erkannte sofort meine Hypo von 33 mg%. Nach 2 Löffel Honig und einer Banane setzten wir ab 22 Uhr den Marsch über die Ofterschwanger Hörner bis nach Gunzesried mit einer Stirnlampe und einer zusätzlichen Jacke fort. Die zusätzliche stündliche Sport-BE nahm ich weiterhin ein, um möglichen Hypos entgegen zu wirken.
Um 2 Uhr erreichten wir 16 Wanderer unser Versorgungsauto, das uns mit warmem Kaffee, heißen Würsten, Kuchen und aufmunternden Worten belohnte. Nun setzte Dauerregen ein, der aus Sicherheitsgründen zur Routenänderung zwang. Es ging nun weiter über die Scheidwang-Alpe zum Hochgrat und Staufner-Haus – dem ersehnten Ziel. Dieser letzte Abschnitt war wegen unserer großen Müdigkeit eine enorme Herausforderung. Um 8 Uhr erreichten 13 (von 16) hartgesottene Dauerwanderer das Staufner-Haus am Hochgrat. Darunter war auch ich! Mit leichten Kapriolen des Blutzuckers hatte ich alle Strapazen - 60 km, 4150 Höhenmeter über insgesamt 19 Gipfel - gut bewältigt!
Mein Bedarf an Essen und Trinken dieser 24-Stunden-Wanderung:
- 6 Riegel á 1,3 BE
- 4 EL eigenen Bienenhonig
- 4 Bananen
- 140g Schokolade
- 2 BE belegte Brote
- 1,5 l Apfelschorle und 2,5 l Wasser
- 1 Tasse Kaffee und Tee
- Flädlesuppe und Nudelgericht, 8 BE
- Brot mit Käse und heißen Wienerle, 3 BE
- 2 Stück Handkuchen, 3BE
Der Bedarf an Insulin dafür: 9IE Humalog und 8 (Samstagabend) bzw 4IE (Sonntagabend) Lantus
Fazit dieses Versuchs:
- keine einzige Blase, nur leichte Fußsehnenreizung (Schuhwerk muss exakt passen und eingelaufen sein
- mehrere kleine Hypos, die ich innerhalb 10 Minuten wieder ausgleichen konnte (das geht auch während des Laufens mit Sport-Gel-Tuben z.B. 70 g Liquid Energy von Sponser mit wiederverschließbarem Deckel)
- sehr geringe Insulindosis, Insulin aber nur zum Essen mit mehreren BEs abgeben!
- viel und noch mehr trinken!
- Wanderer sind alle nett - Balsam für die Seele!
Ich hoffe, dass einige von Ihnen auch Interesse am Wandern bekommen haben. Bewegen Sie sich, solange Sie es gut können und es viel Spaß macht.
Karl-Heinz Rasch
Diabetiker-Selbsthilfegruppe Lindenberg im Allgäu

