Berichte

Weltdiabetestag im bcc Berlin

Geschätzt 5.000 Menschen waren der Einladung zur zentralen Veranstaltung zum Weltdiabetestag am 14.11.2010 nach Berlin gefolgt. Von 10 bis 15 Uhr wurde vieles geboten – interessante Vorträge zu allen Aspekten des Lebens mit Typ 1- und Typ 2-Diabetes, Mitmach-Aktionen, Autogrammstunde mit Prominenten, Schaukochen, Industrieausstellung und vieles mehr. Zielgruppe waren Diabetiker jeden Alters und ihre Familien.

„Diabetes kann jede Familie gefangen nehmen. Diabetes ist die einzige nicht infektiöse Krankheit, die die WHO zur Epidemie erklärt hat“ so Prof. Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE, in seiner Eröffnungsrede.

Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), stellte in seiner Eröffnung den einzelnen Menschen mit seiner Erkrankung in den Mittelpunkt. Die Vermeidung von Folgeerkrankungen und Nachteilen aufgrund des Diabetes und die volle Teilhabe seien oberstes Ziel des DDB. Heute ist es wichtig, dass Patienten ihre Interessen als starke und kompetente Partner in der Gesundheitspolitik vertreten. Dabei ist ein partnerschaftliches Miteinander von Patient und Arzt notwendig und deshalb wird eine enge Zusammenarbeit mit diabetesDE angestrebt. Vieles ist zu tun, um eine qualitativ hochwertige Versorgung im ambulanten und stationären Bereich bundesweit zu gewährleisten. „Wir versuchen, den Betroffenen durch diesen Dschungel zu lotsen, zu coachen und nehmen in diesem Gesundheitssystem die Funktion des Notars und Wächters wahr, damit die Diabetiker keinen Nachteilen ausgesetzt sind.“

Nach den Eröffnungsreden starteten parallel in vier Sälen Vorträge zu unterschiedlichsten Themen. Es ging um Rechtliches (z.B. Führerschein), Lebensqualität, viele Ernährungsthemen (z.B. Ernährungsquiz, Etikettenschwindel, Diäten oder BE-Schätzen), Folgeerkrankungen wie Diabetischer Fuß oder Impotenz, Bewegung und Sport und viele Themen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer - auch der ewige Dauerbrenner „Diabetes in Kindergarten und Schule“ war dabei.

Was auch immer wieder thematisiert wurde: Diabetes kann jeden treffen! Eine Prävention des Typ 1 ist gegenwärtig nicht möglich, anders beim Typ 2: Durch Lebensstiländerung, mehr Bewegung, Vermeidung bzw. Reduzierung von Übergewicht können gefährdete Personen Diabetes verhindern bzw. hinauszögern. Oft bleibt der Typ-2-Diabetes lange unbehandelt und setzt in dieser Zeit schon Spätschäden. Durch sie entstehen die meisten Kosten im Diabetesbereich!

Dieter Möhler referierte zum Thema „Versorgungsqualität ist Lebensqualität“. Die Gesundheitspolitik interessiert sich für zwei Aspekte: „Wie hoch dürfen die Gesundheitskosten sein, ohne soziale Unruhen herauszufordern?“ und „Leistungsinhalte“: Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet, welche Therapien weiter verordnungsfähig bleiben, anhand von Studien, die nicht dem geforderten Studiendesign entsprechen und die Lebensqualität der Betroffenen viel zu wenig einbeziehen. Der Patient hat das Nachsehen – ganz besonders gilt dies für nicht organisierte und deshalb schlecht informierte Diabetiker. Deshalb müssen wir unsere Interessen gegenüber Ärzten und Krankenversicherung – die wir finanzieren – abgrenzen und in der Gesundheitspolitik vertreten. Der DDB leistet hier gute Arbeit, ist als themenbezogener Vertreter für Diabetes im GBA dabei, leider ohne Stimmrecht. Wir als Betroffene wissen, wie es mit der Versorgung wirklich steht, wo es Probleme gibt. Dabei ist nicht die Behandlung des Diabetes teuer sondern die Behandlung der Folgeerkrankungen. Die Angst davor kennen alle Diabetiker und ihre Angehörigen! Deshalb können Betroffene erfühlen, wie es anderen Betroffenen geht. Und deshalb müssen Betroffene selbst für ihre Interessen kämpfen. Wir müssen zusammen stehen, unsere Interessen formulieren und vertreten.

Gehen Sie auf die Straße, demonstrieren Sie, beteiligen Sie sich an Unterschriftenaktionen. Wir brauchen eine neue Kultur des Protests. Lassen Sie nicht zu, was hier mit Gliniden, Glitazonen, Insulinanaloga usw. passiert! Die Informierten, die Starken wehren sich und die Schwachen gehen unter. Kommen Sie zum DDB, wenn Sie Ihre Interessen nicht durchsetzen können, wir helfen Ihnen!

„Der DDB setzt sich seit Jahren für Sie ein, damit Sie die Versorgung erhalten, die Sie brauchen. Organisieren Sie sich im DDB! Stehen wir zusammen:
Ich bin Du und Du bist Ich!“

Neben den Vorträgen war auch viel Praktisches geboten: Pep und Pepper, bekannt aus dem Fernsehen, brachten die Kinder spielerisch in Bewegung. Auch Erwachsene mussten nicht ständig stillsitzen und konnten erfahren, wie gut ein bisschen Dialekt-Aerobic und andere Bewegungsformen tun. Dazu luden auch Aktionsflächen außerhalb der Vortragssäle ein.

Nicht vergessen werden dürfen die Aktionen mit Prominenten: Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben und Typ 1-Diabetiker und Heide Ecker-Rosendahl, Olympiasiegerin mit Ehemann John Ecker (Typ 1-Diabetiker) berichteten von ihren Erfahrungen mit Diabetes. Matthias Steiner regte alle Diabetiker an, Sport zu treiben. Man solle sich eine Sportart suchen, die man gerne macht. 2-3 mal in der Woche dadurch ins Schwitzen kommen, sei das Ziel. Wenn es gut tut und man weniger Insulin benötigt, ist die richtige Dosis gefunden! Natürlich gab es auch eine heiß begehrte Autogrammstunde, auch für Fotos stand Matthias Steiner gerne und geduldig zur Verfügung.

Bastian Hauck berichtete im Vortrag und am Info-Stand von seinen Erfahrungen als Segler mit dem Diabetes auf hoher See – auch mit Diabetes ist bei richtiger Vorbereitung alles möglich! Um die Mittagszeit luden Fernsehkoch Tim Raue und Bestsellerautor Hans Lauber zur Koch-Show – die Plätze waren schnell restlos besetzt!

Rundherum gab es natürlich jede Menge Info-Stände von Industrie und Verbänden, bei denen man Rat holen oder verschiedene Messungen vornehmen lassen konnte. Auch das Hilfswerk für jugendliche Diabetiker war vertreten!

Zum Abschluss des Weltdiabetestages startete der 1. Weltdiabetestags-Walk, angeführt von Heide Ecker-Rosendahl und Harald Schmid. Walken kann jeder und überall - in der Gruppe macht das Walken gleich doppelt so viel Spaß! Deshalb: Nehmen Sie unsere Angebote oder Angebote von Volkshochschulen oder Sportvereinen wahr.

Fazit: Die Fahrt nach Berlin hat sich wirklich gelohnt. Es gab viele Vorträge, aber es war schwer, alles individuell Interessante mitzuhören, da sie parallel statt fanden. Auch konnten wir Kontakte knüpfen oder alte Bekannte wieder treffen. Die „Promis“ so hautnah und normal zu erleben – Matthias Steiner ist gar nicht so groß und breit, wie man ihn sich vorstellt! – war schön. Weniger gut gefallen hat mir die Koch-Show, weil das Essen schon vorbereitet war. Ich hätte mir eine Zubereitung von Anfang an gewünscht, damit Betroffene wirklich sehen, dass gesundes Essen auch einfach und schnell zubereitet werden kann. Weiterer Kritikpunkt: Obwohl dies eine gemeinsame Veranstaltung von diabetesDE und dem DDB war, wurde dies von diabetesDE nicht wirklich thematisiert – sieht so eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe aus? (mk)