Der Diabetesinformationsdienst hatte mit einem interessanten Programm aus Forschung und Praxis ins Klinikum Rechts der Isar eingeladen und die Besucher strömten! Schon im Vorfeld war aufgrund der Voranmeldungen klar – das Interesse ist groß, der bisher vorgesehene Hörsaal würde nicht reichen. Kurzfristig organisierte man einen größeren Hörsaal und auch dieser war mit bis zu 250 Personen gut besetzt.
Die Themen waren breit gefächert: Von neuen Forschungsansätzen in der Prävention von Typ 1 Diabetes über neue Risikofaktoren in der Entstehung des Typ 2 Diabetes, neue Wirkstoffe für Typ 2 Diabetiker, Folgeerkrankungen, Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, die „richtige“ Ernährung bei Diabetes, Informationen zum Diabetesinformationsdienst bis hin zu Diabetes in der Schwangerschaft spannte sich der Bogen. Wissenschaftler aus der Forschung und Praktiker aus dem Klinikum waren sehr kompetente Referenten. Durch den Tag führte Ulrike Koller vom Helmholtz Zentrum München.
Impfung gegen Typ 1 Diabetes
Der Info-Tag startete mit dem Vortrag „Gibt es bald eine Impfung gegen Typ 1 Diabetes?“ mit Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler. Sie zeigte am Beginn, dass die Neuerkrankungsraten gerade bei Kindern bis 14 Jahren weltweit steigen – die jährliche Zuwachsrate liegt derzeit bei 4,5 %. Neue Untersuchungsmethoden schon ab Geburt eines Kindes können heute das Erkrankungsrisiko näher eingrenzen. Zwischenergebnis der laufenden PRE-POINT-Studie – hier wird Insulin als „Schluckimpfung“ verabreicht: Bisher entwickelten sich bei keinem der teilnehmenden Kinder Antikörper oder ein Typ 1 Diabetes! Sie ging auf weitere Risikofaktoren ein und stellte weitere Studien vor, z.B. ImmunDiabRisk
Es folgte „Umwelt, Lebensstil und Gene – Risikofaktoren für die Entstehung von Typ 2 Diabetes“ von Prof. Dr. Anette Peters. Auch sie stellte neueste Erkenntnisse und Zahlen vor - besonders überraschend: Rauchen und auch Passiv-Rauchen erhöhen das Risiko für Typ 2 Diabetes beträchtlich! Die Forscherin erwartet sich hier vom Rauchverbot zukünftig positive Entwicklungen, wie sie auch bei Herzinfarkten zu finden sind – hier führte das Rauchverbot zu einem klaren Rückgang.
Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes
„Neue Wirkstoffe in der Therapie des nicht-insulinabhängigen Diabetes“ stellte Dr. Dorothee Baur vor – die Ärztin erwartet neben den vorgestellten neuen Medikamenten im laufenden Jahr noch weitere Markteinführungen interessanter Innovationen. Aber auch sie ging kurz auf die Problematik der Erstattungsfähigkeit aufgrund der frühen Nutzenbewertung ein. Direkt im Anschluss sprach Dr. Iakoubov mögliche Folgeerkrankungen des Diabetes an.
Neues für Kinder und Jugendliche
Nach einer kurzen Mittagspause mit der Möglichkeit, die Referenten persönlich anzusprechen, waren besonders Eltern gespannt zu hören, was es Neues zum Thema Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen aus Forschung und Praxis gibt. Auch Dr. Warncke ging noch einmal auf die steigenden Diabetes-Zahlen ein: 1990 erkrankten 12,9 von 100.000 Kindern pro Jahr an Diabetes, 10 Jahre später zur Jahrtausendwende waren es 20,9! Etwa 3 bis 5 von 1.000 Kindern sind an Typ 1 Diabetes erkrankt! Die Zahlen steigen ganz besonders bei den Jüngsten bis 5 Jahren! Heute werden 40 % aller Kinder und Jugendlichen mit Diabetes mit der Insulinpumpe behandelt. Sie ging auch auf die neuen Möglichkeiten des Kontinuierlichen Glukosemonitorings ein. Wichtig in der Behandlung von Kindern sei, diejenige Therapieform für das Kind/den Jugendlichen zu finden, die zum individuellen Alltag am Besten passt. Bisher sei noch keine Heilungsmöglichkeit des Typ 1 Diabetes in Sicht, es laufen aber Studien, die versuchen, die noch nicht zerstörten Insulinbildenden Zellen länger zu erhalten. Die Stoffwechsellage ist bei noch vorhandener Insulineigenproduktion stabiler.
Ernährung bei Diabetes
„Leben mit Diabetes – das leidige Thema Ernährung“ war das nächste Vortragsthema – ein Dauerbrenner in der Diabetes-Betreuung. Christine Schwartz, Diabetesberaterin, erklärte zuerst, warum es „DIE einzig richtige Diabetes-Ernährung“ nicht geben kann. Auch die Ernährung bei Diabetes ist wie die Therapie individuell, aber allen Ernährungsempfehlungen liegt eine gesunde Vollwertkost zugrunde, wie sie auch Gesunde essen sollten. Typ 1 Diabetiker müssen anhand der im Essen enthaltenen Kohlenhydrate ihr Insulin berechnen, das gilt für Typ 2 Diabetiker – bestimmte Therapieformen ausgenommen – heute nicht mehr. Auf die Kalorienbilanz müssen alle Übergewichtigen achten!
Abnehmen ohne Hunger
Wie man Kalorien sparen und damit abnehmen kann ohne zu hungern, zeigte sie mit vielen Beispielbildern – der Trick: Umstieg auf Nahrungsmittel mit geringerer Energiedichte – hier dürfen Sie richtig zuschlagen bis 100 Kalorien erreicht sind. Bei Nahrungsmitteln mit hoher Energiedichte ist das nur ein kleines Häppchen, von dem man nicht satt werden kann und deshalb nehmen viele Patienten, obwohl sie mengenmäßig nicht viel essen, trotzdem nicht ab. Essen Sie z.B. lieber ein Steak anstatt der Bratwurst, so die Empfehlung von Frau Schwartz.
Der Tag schloss mit dem Vortrag „Diabetes in der Schwangerschaft – was nun?“ von Dr. Hummel. Auch hier steigen die Zahlen – vermutlich durch die zunehmende Häufigkeit von Übergewicht schon vor der Schwangerschaft und das immer höhere Alter der Schwangeren. Endlich ist der Test auf Schwangerschaftsdiabetes im Mutterpass fest verankert. Zum Wohle von Mutter und Kind wird ein Diabetes in der Schwangerschaft jetzt seltener übersehen. Ist ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, wird die Schwangere vom Frauenarzt und Diabetologen eng überwacht. Die Blutzuckerwerte sollten im Normbereich liegen. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ein höheres Risiko, in den Folgejahren einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln. Präventiv wirkt möglichst langes Stillen des Kindes, sowohl für die Mutter wie auch für das Kind, denn Kinder, die lange gestillt werden, entwickeln bis zu der Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren seltener Übergewicht. Betroffene Frauen können an der PINGUIN-Studie teilnehmen – wir berichteten im Kontakt 02/2011.
Videos im Internet
Die Videoaufzeichnungen der Vorträge sind auf der Homepage www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de veröffentlicht. Dennoch lohnt sich der Besuch der nächsten Veranstaltung, denn die anschließenden Fragerunden mit den Referenten waren nur live zu erleben.
Mein besonderer Dank gilt Hans Kahle, der Ihnen und mir durch seine tolle Unterstützung am Info-Stand des Diabetikerbund Bayern diesen Bericht ermöglicht hat: Danke, Hans! (Marion Köstlmeier)


