Berichte

Diabetes in den 60er Jahren

Beim März-Treffen der <link>SHG Marktredwitz waren viele Jahre Diabetes in einem Raum zusammengekommen. 50 Jahre, 48 Jahre, 43 Jahre, 37 Jahre, 17 Jahre usw. Vieles hat sich in dieser langen Zeit für Diabetiker verändert und verbessert, wie man aus diesem Bericht ersehen kann.

 

Waltraud Rebhahn schilderte uns die Geschichte ihrer Diabeteserkrankung. Sie begann genau am Tag ihrer Firmung – es folgten drei Monate Aufenthalt in einer Kinderklinik. Eine Lehrerin hat ihr danach geholfen, die verlorene Zeit in der Schule nachzulernen. Aber auch Negatives hat sie in der Schule erlebt: Der nächste Lehrer machte sie vor allen Mitschülern lächerlich, räumte ihren Schulranzen aus und legte ihren Traubenzucker für alle sichtbar auf den Tisch.

Damals sollte keiner wissen, dass sie Diabetes hat. Es musste sehr geheim gehalten werden. Beim Schullandheimaufenthalt hat sie heimlich gespritzt, nur die dortigen Schwestern wussten Bescheid. Waltraud Rebhahn hatte große Angst vor Spritzen, aber trotzdem musste sie sich zweimal täglich, am Anfang noch von ihrer Mutter, die große Glasspritze geben lassen. Später hatte sie einen Spritzautomaten, aber die Nadeln waren immer noch riesig. Erst nach 14 Jahren gab es die Plastikeinmalspritzen mit der dünnerenNadel, jedoch immer noch nicht vergleichbar mit den heutigen feinen Nadeln.

Ein Tagesprofil im Monat

Testen war Aufgabe des Arztes. Meist wurde einmal im Monat ein Tagesprofil gemacht, wobei die Werte nicht gleich ablesbar waren – früher hat die Auswertung einfach gedauert. Aufgrund dieses Tagesprofils wurden Insulindosen festgelegt. Ihr erstes Blutzuckermessgerät erhielt sie 1987 bei einem Aufenthalt in Bad Mergentheim. Seither haben sich die Testgeräte sehr weiterentwickelt. Bei diesem Aufenthalt wurde sie auch zum ersten Mal geschult! Sie lernte viel über die Krankheit. Auch die Umstellung auf ein anderes Insulin und ICT war ein großer Fortschritt. Der Alltag wurde viel einfacher.

Auflage Geschwindigkeitsbegrenzung

Beim Antrag auf den Führerschein wurde die Frage nach Diabetes gestellt. Alle zwei Jahre musste sie ein teures Gesundheitszeugnis vorlegen und durfte laut Eintrag im Führerschein auf der Landstraße maximal 80 km/h und auf Autobahnen maximal 100 km/h fahren. Ein Oberarzt machte sie auf den Schwerbehindertenausweis aufmerksam, sie beantragte ihn. Zu Beginn war er für fünf Jahre befristet, seit 2009 gilt er unbefristet.

Im Großen und Ganzen ist sie mit dem Verlauf ihres Lebens mit Diabetes zufrieden. Die Entwicklung der Hilfsmittel über die Zeit hinweg erleichterten immer mehr das Leben mit Diabetes. Sie hat einiges davon gesammelt und uns gezeigt.

Was für eine Entwicklung über die Jahre hinweg – auch heute ist es ein großer Einschnitt, wenn ein Kind Diabetes bekommt. Dennoch ist ein Kinderleben mit Diabetes heute sicher einfacher und normaler als vor knapp 50 Jahren. (Renate Häußer)