Berichte

Viel-Gipfel-Touren in den Alpen - 150 Gipfel im Jahr 2014 bestiegen

Erfahrungsbericht von Karl-Heinz Rasch (Typ 1-Diabetes seit 1974, ICT mit Humalog® und Lantus®)


Der Anfang des letzten Jahres verlief ähnlich wie in den Vorjahren: Den Jahreswechsel verbrachte ich mit Skitouren am Julierpass, die Faschingstage im Stubaiertal, im Frühjahr lockten nochmals Ski-Hochtouren am Julierpass und in Osttirol.


Das ganze Jahr aktiv in den Bergen


Ab Mai luden die Berge in meiner Allgäuer Heimat und dem Tannheimer Tal zum Wandern, Klettern und Begehen von Klettersteigen ein. Mit jeder neuen Sportart muss ich mich als Diabetiker wieder langsam an einen neuen Bewegungsablauf und auch an ein anderes Schuhwerk eingewöhnen, ohne gleich ins Volle zu gehen und die Haut zu verletzen. Hier ist große Sensibilität gefragt, damit man länger Spaß und Bewegung haben kann. Das Wetter war den gesamten Sommer sehr regnerisch. Deshalb waren Mehrtagestouren ohne Regenkleidung fast unmöglich. So führte ich viele Tagestouren mit mehreren Gipfel durch, um die wenigen Sonnentage in meiner Freizeit voll ausnutzen zu können.


Oft war ich in Kleingruppen von zwei bis fünf Personen unterwegs. Alle liefen am Berg und im Klettersteig sportlich und relativ sicher. Nur wenige Male startete ich alleine mit langen 8–10-Stunden-Bergtouren. Dies soll KEINE Aufforderung an andere Wanderer mit und ohne Diabetes sein, dies genauso zu machen!! Sinnvoll und sicherer ist das Gehen im Gebirge mindestens zu zweit mit Karte und Handy im Rucksack.


Wie auch bei meinen letztjährigen Unternehmungen in den Bergen ist einiges Wichtiges vorauszusetzen, um das Gefahrenpotenzial einer Unterzuckerung, einer Erschöpfung und einer Falscheinschätzung zu minimieren.


Gute Vorbereitung hilft Risiken zu minimieren


Für Ersteres gilt es, das Messgerät mit Pens und Streifen mitnehmen und engmaschig zu messen, um Hypos zu verhindern oder rechtzeitig zu bekämpfen. Cola, Zuckergels, Bananen und ähnliches sind ausreichend mitzuführen. Erschöpfung entsteht durch „schlechtes Training“, falsches Weg- und Zeitmanagement und/oder durch zu wenig mitgenommene oder eingenommene Kohlenhydrate und Getränke. Falscheinschätzung: Die Dauer und die Schwierigkeit der Tour müssen vorab ermittelt und auf die Teilnehmer-Gruppe angepasst werden - die Wanderung sollte gegebenenfalls verkürzt werden können.


Am 28. Juni startete ich zur „Hintersteiner-10-Gipfel-Grenzgänger Tour“ in Hinterstein. Sie führte über Iseler (1.876 m) - Kühgundkopf (1.872 m) - Kühgundspitz (1.909 m) - Bschießer (2000 m) - Ponten (2.045 m) - Zererköpfle (1.946 m) - Geishorn (2.249 m) - Rauhhorn (2.240 m) - Kugelhorn (2.126 m) - Knappenkopf (2.071 m) am Schrecksee vorbei zum E-Werk nach Hinterstein. Hier müssen 9–12 Stunden reine Gehzeit eingeplant werden. Wochen zuvor haben wir zu zweit eine Teilstrecke abgelaufen, um das Zeitmanagement zu verbessern.


Eine Woche später startete ich mit Moni zur „Alpinen Vilsalpsee-Umrundung“: Ausgangspunkt Tannheim/Schmieden, Aufstieg über die Ussenalpe zum Neunerköpfle. Auf dem Höhenweg Richtung Süden die Sulzspitze und die Schochenspitze bestiege, bis zur Landsberger Hütte abgestiegen und den Lachenspitz-Klettersteig zum Gipfel durchstiegen, danach nach Westen querend über die Steinkarspitze zum Kirchendachsattel. Jetzt nach Norden abdrehend übersteigen des Knappenkopfes, des Kugelhorns, des Rauhhorns und zum Geißhorn, zum höchsten Punkt der Tour mit 2.240 m. Nun nordseitiger Abstieg über die Roßalpen nach Tannheim. Hierfür sind 11–14 Stunden Gehzeit nötig.


Am 6. August überstiegen wir zu zweit sechs Berge á 3.000 m in Südtirol ab der Sesvenna Hütte in 9–14 Stunden: Sesvenna Hütte - Sesvenna Scharte – Schadler (2.948 m) - Piz Rims (3.092 m) - Piz Cristanas (3.092 m) - Piz d`Immez (3.033 m) - Lajet da Lischana - Piz Cotschen (3.030 m) - Piz daI`Aua (3.002 m) - Piz Lischana (3.105 m) - Alp Sursass - Schliningpass - Sesvenna Hütte.


Am 18. September machte ich mich alleine auf den Weg zur „10-Gipfel-Hindelanger-Klettersteig-Überschreitung“, Zeitbedarf 9–12 Stunden: Parken am Grüebplätzle in Hindelang - mit dem Bike übers Rettenschwangertal bis zum Abzweig Haseneckalpe, zu Fuß weiter über hintere Entschenalpe zum Gängele-Queren zum Geisfuß, dem Grat über Gundkopf zum Nebelhorn folgen, Einstieg in den Hindelanger Klettersteig, über Westlichen und Östlichen Wengenkopf, weiter über den Gratkopf zum Großen Daumen, Kleiner Daumen, Heubatspitze, Rotspitze-Abstieg ins Rettenschwangertal, mit dem Bike nach Hindelang.


Nun möchte ich noch eine letzte schöne 6–10-Stunden-Bergtour in den Lechtaler Alpen vorstellen: Rauth - Rotbachalpe - Ehenbichler Alpe – Abendspitze (1.964 m) – Galtjoch (2.109 m) - Vordere Steinkarspitze (2.181 m) - Hintere Steinkarspitze (2.215 m) - Wetterkreuz (2.265 m) – Knittelkarkopf (2.315 m) – Knittelkarspitze (2.378 m) - Raaz-Galt Alpe – Rauth.


Mit guter Vorbereitung ist alles möglich


Dies waren nur einige Beispiele von sehr langen Tages-Bergtouren, die zur erfolgreichen Bewältigung die eingangs genannten Vorbereitungen und Voraussetzungen unbedingt erfordern. Für mich war es bei jeder Unternehmung wichtig, auf viele Berge zu steigen, aber auch mal abbrechen und absteigen zu können, wenn der Körper nicht mehr mitmachen wollte oder konnte. Mein Blutzucker hat mir bei keiner dieser Touren ernsthaft Probleme gemacht. Leichte Hypos sind an der Tagesordnung – sie werden von mir konsequent „bekämpft“, um keine Gefahr aufkommen zu lassen.


Liebe Leser: Es scheint so, als ob meine „Abenteuer“ zunehmend noch eine Steigerung erfahren. Mag sein – aber nur, weil ich meinen Körper fordere, im Einklang mit Ernährung, Flüssigkeits-, Kohlenhydrat- und Insulin-Zufuhr, kann ich eine sehr gute Leistung erbringen. Der Mensch, der seinen Körper suboptimal nutzt oder sogar verkümmern lässt, kann keine „normale Leistung“ mehr erwarten.
Tun Sie Ihrem Körper ständig etwas Gutes, er wird Ihnen Vieles wieder zurück geben. Viel Erfolg beim Ausloten Ihrer Möglichkeiten und dem Angehen neuer Herausforderungen.


Mehr zu diesen und weiteren Bergtouren finden Sie hier: www.bergtour.ch/gipfelbuch/touren/seite/ oder www.gipfelbuch.ch - jeweils in linker Spalte unter Stichwort „bergbuab“ eingeben und bei „Nach Autoren suchen“ Haken setzen – auf „Suchen“ klicken. (Karl-Heinz Rasch)