Vor einigen Jahrzehnten waren wir alle noch sehr auf der Hut, wenn es um persönliche Daten ging. Erinnern Sie sich an die vielen Proteste zur Volkszählung in den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts? Viel später als geplant konnte sie starten – einer der Gründe: Die Fragebögen mussten überarbeitet werden, damit die Anonymität der Befragten besser gewährleistet werden konnte. 2011 fand ein erneuter Zensus statt – an erhebliche Proteste hierzu kann ich mich nicht erinnern.
Ist uns die Erhebung persönlicher Daten heute egal? Haben wir uns so daran gewöhnt? Gibt es überhaupt noch eine Privatsphäre?
Heute hinterlassen wir – oft unbemerkt und unbewusst – unzählige Spuren, die andere gerne nutzen. „Big Data“ – so wird die Sammelwut unendlich vieler Informationen über uns alle bezeichnet. Sich dem zu entziehen, ist nahezu unmöglich. Ich kann an einigen Stellen mit bewusstem Handeln einiges an Informationen über mich vermeiden, mehr aber nicht.
Ein Bankkonto mit Bankkarte besitzt heute fast jeder – viele nutzen dazu noch Kreditkarten. Wo auch immer wir Geld abheben oder mit Karte zahlen – es wird registriert – gehe ich zum Discounter, Vollsortimenter, Bio-Laden? Interessiere ich mich für Technik oder für Bücher?
Viele nutzen auch sehr gerne PayBack- oder Kundenkarten – gelockt werden wir mit Rabatten oder anderen Vergünstigungen. Auch hier geben wir freiwillig Daten preis: Was kaufen wir wo und wann in welcher Menge? Die Anbieter ziehen aus allem ihre Schlüsse – welche, erfahren wir nicht.
Auch ein Handy nutzt heute fast jeder. Ist es angeschaltet, bucht es sich in die nächstgelegene Funkzelle ein – unser Bewegungsprofil ist grob nachvollziehbar. Noch genauer bestimmbar wird unser Aufenthaltsort mit GPS-fähigen Handys, meist Smartphones, sobald GPS aktiv ist.
Im Internet hinterlassen wir beim normalen Surfen viele Spuren, die abgegriffen und Big Data zugeführt werden. Google ist einer der fleißigsten Datensammler und doch rufen wir diese Suchmaschine gerne und freiwillig auf. Viele Websites nutzen Cookies, um aus unserem Surfverhalten zu lernen und uns das Surfen auf ihrer Seite bequemer zu machen.
Aber die Steigerung des Preisgebens von Persönlichem sind Soziale Netzwerke – hier sollten wir uns alle gut überlegen, was wir öffentlich machen. Erwachsene müssten beurteilen können, welche Auswirkungen drohen – unsere Kinder und Jugendlichen sind noch viel weniger lebenserfahren und bedenken oft nicht, welche negativen Auswirkungen hier Veröffentlichtes haben kann.
Die Aufzählung, über welche Wege wir Spuren hinterlassen, ist lange nicht vollständig. Vielem müssen wir uns unterwerfen, manches können wir tun, aber meist nur mit Verzicht, z.B. Kartenzahlung ist für Kunde und Verkäufer sehr bequem und sicher – Barzahlung ist privat. Cookies kann ich bewusst nicht zulassen und/oder immer wieder löschen, usw.
Seien Sie wachsam und schärfen Ihre Sinne. Lesen Sie, auch wenn es lästig ist, AGBs und Datenschutzerklärungen – darin findet sich oft überraschendes. Ob Sie sich dem allen unterwerfen wollen oder eher Verzicht üben, müssen Sie selbst und ganz persönlich abwägen.
Ihre Marion Köstlmeier

