Berichte

EASD - Diabeteswelt zu Gast in München: DiabetesMarkt und Patiententag für Betroffene

Vom 11. bis 20. September traf sich die Diabetesfachwelt anlässlich des EASD-Kongresses (12.–16.September) und mehrerer Satelittenveranstaltungen in München und im weiten Umland.


Wissenschaftler präsentierten auf dem Kongress und vielen Tagungen neueste Erkenntnisse, Firmen ihre Neuentwicklungen – Zielgruppe waren hier Diabetes-Profis aus aller Welt. Am Rande wurden mit zwei Veranstaltungen auch an die Betroffenen gedacht: Zunächst am Mittwoch, 14. September, mit dem DiabetesMarkt auf dem Münchner Odeonsplatz und danach am Samstag, 17. September, mit dem Patiententag Diabetes im Klinikum rechts der Isar.


DiabetesMarkt Odeonsplatz


Vielleicht kennen Sie den jährlich einmal irgendwo in Deutschland ausgerichteten DiabetesMarkt? Er wird immer im Freien an einem prominenten Platz einer Stadt aufgebaut und richtet sich sowohl an Erkrankte, als auch an Menschen mit hohen Diabetes-Risiko – und an alle, die sich für das Thema Diabetes interessieren.

Wesentliche Ziele des DiabetesMarktes sind die Aufklärung der Bevölkerung rund um Diabetes, die Präventionsmöglichkeiten und die Früherkennung, denn allein in Bayern gibt es geschätzt etwa 200.000 Menschen, die zwar schon an Diabetes erkrankt sind, dies aber noch nicht wissen – eine erschreckend hohe Dunkelziffer!


Der Termin konnte gar nicht besser gewählt sein – München zeigte sich am 14.September mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen von seiner allerbesten Seite! Das zog doch viele Menschen ins Freie – und zu uns auf den Odeonsplatz.


In den einzelnen Kuppelpavillons stellten verschiedenste Organisationen ihre Arbeit und Unterstützungsangebote für Diabetiker vor, darunter die Organisatoren Deutsche Diabetes Stiftung mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und dem Diabetesinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München und Mitwirkende wie wir, die Fachkommission Diabetes in Bayern (FKDB), Berufsverband niedergelassener Diabetologen in Bayern (BNDB, das Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München, die Bayerische Landesapothekerkammer, das Ethno-Medizinische Zentrum und die Firmen NovoNordisk bzw. Beurer. Auch die Aktion „Gesünder unter 7“ von Sanofi war mit dabei und übernahm den Hauptpart der Früherkennung – sie bot den Passanten die Teilnahme am Diabetes-Risiko-Test an, inkl. Blutzucker-, Blutdruck, Cholesterin- und im Bedarfsfall HbA1c-Messung.


Der Besucherstrom hielt uns die ersten Stunden sehr in Atem, nachmittags hätte es gerne mehr sein können – aber so war genügend Zeit, sich intensiv um die Ratsuchenden zu kümmern und ihre individuellen Fragen detailliert zu beantworten – natürlich mit Hinweis auf unsere Angebote und den Sinn und Zweck der Mitgliedschaft in unserer Patientenorganisation.


Frau Bauer, Leiterin der Augsburger Typ 2-Diabetikergruppe, war extra nach München gekommen und sorgte mit ihren Luftballonfiguren für viele leuchtende Kinderaugen.


Patiententag Diabetes


Am Samstag, 17. September, waren dann Betroffenem, Familienangehörige und alle, die das Neueste rund um Diabetes erfahren wollten, in den Hörsaal D des Klinikums Rechts der Isar eingeladen.


Der Diabetesinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München hatte diesen Tag organisiert und ein Programm zusammengestellt, das für alle Diabetiker etwas zu bieten hatte. Es referierten durchwegs hochkarätige, weltweit vernetzte Wissenschaftler aus Münchner Uni-Kliniken und der Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München.


Durchwegs hochkarätige Referenten


Zunächst stellte Frau Prof. Dr. Anette-G. Ziegler, neueste Ergebnisse in der Prävention des Typ 1-Diabetes und die laufende Fr1Da-Studie vor, an der Kinder in Bayern im Alter zwischen 2 und 5 Jahren kostenlos teilnehmen können. Man versteht heute sehr viel besser, dass und wie sich diese Diabetesform sich in Stadien entwickelt. Ebenso stellte sie die PrePoint- PrePointearly- Studie vor, in der Hochrisiko-Kinder ohne Antiköper orales Insulin verabreicht bekommen, in der Hoffnung, so den Beginn des Autoimmunprozesses und damit den Diabetes verhindern oder hinauszögern zu können. Erste Ergebnisse sind positiv, weswegen nun mit der PrePointearly-Studie jüngere Kinder mit einbezogen werden.


Prof. Dr. Jochen Seißler berichtete zum aktuellen Stand und den Ansätzen der regenerativen Medizin: Künstlicher Pankreas, Zellersatz aus Stammzellen oder Transplantation von Schweinebetazellen. Er erklärte dabei die Möglichkeit der Gewinnung von Betazellen aus verschiedensten Stammzellen, erläuterte aber auch die Probleme und Grenzen, an die wir heute stoßen. Er warnte von aktuell angebotenen teuren Stammzelltherapien!


PD Dr. Füchtenbusch gab zunächst einen Überblick zum Diabetesmanagement gestern, heute und morgen und stellte die neuen Möglichkeiten der Glukosebestimmung vor. In Fallbeispielen zeigte er eindrucksvoll, wie man durch die neuen Möglichkeiten Blutzuckerprofile erheblich verbessern kann. Natürlich ging er auch auf die Kombination CGM und Pumpe ein. Auch Apps und mehr, die Patienten unterstützen können, sprach er an.


PD Dr. Michael Hummel sprach über das wichtige Thema Diabetes im Alter, die besondere Herausforderungen für alle Beteiligten bedeuten. Hier gilt es, die individuell passende Therapie für die Gesamtsituation des jeweiligen Patienten zu finden. Die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Krebs stellte Prof. Dr. Stephan Herzig her. Prof. Dr. Martin Halle erläuterte die Bewegung als wichtige Säule der Typ 2-Therapie. Zum Abschluss berichtete Prof.Dr. Rüdiger Landgraf, wie die leitliniengerechte Therapie und Ernährung bei Typ 2-Diabetes aussehen kann.


Zu fast allen Beiträgen finden Sie auf den Seiten des Diabetesinformationsdienstes die Präsentationen oder Interviews mit den Referenten. bit.ly/29gCaia. Dennoch sehr schade, falls Sie diese Veranstaltung verpasst haben, denn zu den Folien wird über das gesprochene Wort noch sehr viel mehr Information gegeben, das sicher so manche komplizierte Folie verständlicher macht.


Fazit zu beiden Veranstaltungen: Dies waren zwei überaus informative Patientenveranstaltungen. Hier haben sich in Organisation und an den Tagen selbst viele Menschen für andere engagiert – es wäre schön, wenn die Bevölkerung solche Veranstaltungen doch zahlreicher wahrnehmen würde, denn überall waren noch Kapazitäten frei. Internet kann viel leisten, aber nicht diese gerade hier gebotene Fülle von sich ergänzenden Informationen.