Zum 13. Mal hielt der Diabetikertag in Bad Königshofen für alle Betroffenen und Angehörige viele Informationen, die das Leben mit Diabetes erleichtern können, bereit.
Veranstaltet vom Diabetologen Dr. med. Friedrich Oehm und der VHS Rhön und Grabfeld werden an den Diabetikertagen jeweils spezielle Themen aufgegriffen, Wissen rund um die Krankheit vermittelt und Erfahrungsaustausch möglich gemacht. Dazu kommt der Kontakt mit der örtlichen Selbsthilfegruppe, die neben den Infoständen von BRK und mehreren Firmen im Foyer zu finden war.
In seinen Grußworten hieß Kurdirektor und Hausherr Werner Angermüller die zahlreichen Teilnehmer im kleinen Kursaal willkommen und wies auf den wichtigen Aspekt der Bewegung hin. Tanzen, Schwimmen und vieles mehr kann man in der FrankenTherme. Stadträtin Erika Idriss, die den Bürgermeister vertrat, nannte den Diabetes eine Krankheit, mit der es sich leben lässt, wenn man sie nicht vergisst. Sie hoffte, dass dieser Bildungsnachmittag allen Anwesenden mehr Wissen und Lebensfreude vermittelt. Der Landesvorsitzende des Diabetikerbund Bayern, Bernd Franz, berichtete über Ziele und Erfolge dieser Interessenvertretung, die sich für eine Million Diabetiker in Bayern einsetzt.
Für die rund 150 Teilnehmer mussten noch zusätzliche Stühle herbeigetragen werden, dann hielt Dr. Reinhard Schaupp den ersten Vortrag des Nachmittags. Sein Thema: „Auswirkungen des Diabetes auf Körper und Gehirn“. Die Japaner liegen bezüglich der Lebenserwartung an der Weltspitze, besonders auf der Insel Okinawa. Wenig Fleisch, viel Gemüse und Fisch werden dort verzehrt, inneren Frieden holen sie sich in der Meditation. Während die Japaner nur sehr geringe Gesundheitskosten haben, sind diese in Deutschland mit mehr als 250 Milliarden Euro wesentlich höher. Ungefähr ein Drittel davon sind auf falsche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zurückzuführen, berichtete der Referent. Rund acht Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland, mit eingerechneter Dunkelziffer 10 Millionen. Die überwiegende Mehrheit davon Typ 2, auch „Alterszucker“ genannt.
20 bis 40 Prozent der Diabeteserkrankungen seien genetisch bedingt, informierte Schaupp. Dabei müsse die Veranlagung nicht unbedingt zum Ausbruch kommen – dies wäre durch eine gesunde Lebensweise teilweise vermeidbar. Nach neuen Erkenntnissen stelle die Ernährung der Mutter vor und während der Schwangerschaft und die des Vaters vor der Zeugung bereits wichtige Weichen für ein Leben des Kindes ohne Diabetes. Als eine „sehr komplexe Krankheit, die noch nicht hundertprozentig erforscht ist“, bezeichnete Schaupp den Diabetes, der hohe Risiken für Begleit- und Folgeerkrankungen mit sich bringt. Dazu gehören Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen (Polyneuropathie) besonders an den Füßen, Schlaganfall, Demenz, Depressionen, Inkontinenz und Parodontitis (Zahnfleischentzündung).
Wichtig sei deshalb, Über- und Unterzuckerung zu vermeiden, um die Lebensqualität zu steigern und langfristig zu erhalten, so Schaupp. Neben Schulungen über den Umgang mit der Krankheit spielen die richtige Ernährung und körperliche Aktivitäten eine entscheidende Rolle. Diabetiker erkranken häufiger an Demenz als der Durchschnitt, berichtete der Diabetologe. Die Entwicklung der Krankheit ist fließend. Momentan sind fast 35 Prozent aller Menschen über 90 Jahren dement, mehr als die Hälfte davon haben Alzheimer, andere Ursachen sind vaskulär (beispielsweise durch einen Schlaganfall) bedingt oder haben andere Ursachen. Die Ernährung hat nicht nur Einfluss auf das Gewicht, wobei Übergewicht zu den Risikofaktoren für Alzheimer gehört, sondern auch auf die Versorgung von Körper und Gehirn mit notwendigen Mikronährstoffen. Schaupp empfahl eine „mediterrane Ernährung“ mit wenig Fleisch, viel Gemüse und Fisch (Kaltwasser-Meeresfische). Koffeinhaltiger Kaffee trägt zur guten Durchblutung bei, berichtete er. Der Verzehr von Früchten zeigte in einer Studie keinen Einfluss auf das Demenzrisiko.
Im zweiten Vortrag befasste sich Diabetesberaterin Heike Dressel mit der Möglichkeit, Blutzuckerwerte per Computer an den Arzt weiterzugeben. Angesichts der Tatsache, dass es zukünftig immer weniger Ärzte auf dem Land geben wird - auch Dr. Oehm wird sich demnächst ganz oder teilweise zur Ruhe setzen – erhält dieser Kommunikationsweg eine große Bedeutung und erspart Wartezeiten und lange Wege. Im letzten Vortrag zeigte Dr. Friedrich Oehm die neuesten Entwicklungen bei der medikamentösen Behandlung des Diabetes auf, außerdem beantwortete er die Fragen der Zuhörer.
Ein sehr positives Resümee zogen die Veranstalter nach dem 13. Diabetikertag in Bad Königshofen, zu dem auch viele Interessenten aus der Region gekommen waren. Ob die Veranstaltung in dieser Art weitergeführt oder zukünftig in einen allgemeinen Gesundheitstag eingebettet wird, wollen die Verantwortlichen noch entscheiden.
© Regina Vossenkaul, Mainpost

