Berichte

Auf 200 Berggipfel in 2025 - Erlebnisbericht von Karl-Heinz Rasch

Es klingt natürlich verrückt, als 66-jähriger Typ 1-Diabetiker in einem Jahr 200 Berggipfel zu besteigen, aber es macht mich auch glücklich und zufrieden.

Mit 29 Jahren und einem HbA1C-Wert von 8,9 % wurde mir dringend regelmäßige Bewegung/Sport angeraten. Ich habe den Ratschlag befolgt. Für meine Gesundheit leistete ich damit große Dienste. Ich konnte mich die letzten Jahre zwischen 6,6 und 7,1 % einpendeln.

2025 war ein sehr erfolgreiches Bergjahr für mich. Da ich im Westallgäu wohne, habe ich für Bergtouren eine kurze Anreise. Hier stehen die Allgäuer-, Tannheimer-, Lechtaler- und Vorarlberger Berge zur Auswahl. Ich gehe sowohl im Winter mit Skiern zu Skitouren, als auch zum Wandern, Hochtouren oder Klettersteige, wenn kein oder wenig Schnee liegt. Zwischendurch mache ich auch Mountainbike Touren. Jede einzelne Tour muss ich mit meinem Typ 1-Diabetes vereinbaren können und dementsprechend vorbereiten und planen, sonst kann das schnell in die Hose gehen. Um die Risiken am Berg nicht zusätzlich zu erhöhen, sollen dabei Hypos vermieden, bzw. schnell behoben werden.

Meist Tagestouren

Ich plane am Vorabend das Ziel und den Verlauf - mit Dauer, Höhenmeter und Distanz. Falls das Ziel neu für mich ist, nehme ich Apps wie Komoot oder anderen Quellen zur Hilfe und speichere sie offline. Somit kann ich sie unterwegs auch ohne Netzverbindung zur Wegfindung und Orientierung nutzen. Oft plane ich Rundkurse mit mehreren Gipfeln, um den Tag voll auszunutzen zu können.

Als Diabetiker sollte ich an alles Wichtige denken: ausreichend Getränke, Riegel, schnelle Broteinheiten (BEs) wie 0,5-1 Ltr. Cola oder Honig und natürlich das gesamte Diabetes-Equipment. Bei mehrtägigen Touren zusätzlich noch einen Ersatzsensor. Ab dem zweiten Tourentag ist mein Körper sehr Insulin-empfindlich. Das heißt: solange ich zügig wandere, muss ich ständig Kohlenhydrate zu mir nehmen, ohne Insulin verabreichen zu müssen. Hier eignen sich Obst und Trockenobst, für mich gerne auch Bananen.

Beispiele:

  • 10-Gipfeltour mit Überschreitung des Hindelanger Klettersteig (Hike & Bike) (1970 Höhenmeter (HM) - 37 km – 9 Stunden)
  • Aufstieg zur Zugspitze von Hammersbach über die Hölltalangerhütte und den Höllentalsteig (Klettersteigset und Steigeisen!). Runter mit der Bahn und Zahnradbahn: 2300 HM - 15 km - 8,5 Std
  • Ehrwald (Hike & Bike), Seebensee, auf dem Klettersteig zu den Tajaköpfen, Abstieg zum Drachensee und Aufstieg zum Drachenkopf. Zurück mit Bike nach Ehrwald: 1700 HM - 24 km - 9,5 Std
  • Hochtour in Zermatt von der Schönbühlhütte zum Pointe de Zinal 3789 m (Gletscher- und Klettertour): 1200 HM-12 Km-8 Std
  • Bergtour Höfats (Hike & Bike): 1380 HM - 12 km - 7 Std.)
     

Hilflos und handlungsunfähig ohne einen intakten CGM-Sensor

Ein Beispiel von Hochtouren in Zermatt: Mit einem Bergfreund fuhren wir nach Zermatt. Schon auf dem Weg dorthin setzte mein Sensor mit „kurzes Sensor Problem“ für zwei Stunden aus. Dann zeigte er einen Wert von 50 mg/dl. Ich nahm 2 schnelle BEs zu mir. Dann setzte die Messung wieder um 90 Minuten aus, um dann nochmals unter 100 mg/dl anzuzeigen. Meine blutige Messung war dann 250 mg/dl. Das war erst der 5. Tag von einem 10-tägigen Messintervall.

Ich entfernte das defekte Teil und setzte mir den Ersatzsensor der gleichen Firma in gewohnter Weise. Leider kam kein Impuls am Lesegerät an und konnte deshalb nicht codiert werden. Somit war der neu gestochene Sensor nicht funktionsfähig. Einen 2. Ersatz hatte ich nicht dabei.

Ich hatte somit für vier Hochtouren Tage noch 5 Blutzucker-Teststreifen. Welch ein Desaster! Im Bergdorf Zermatt konnte eine Apotheke meine BZ-Streifen im Handel bestellen und bis spätabends besorgen. Währenddessen stiegen wir 2000 Höhenmeter auf das Mettelhorn mit 3406 m auf. Der Blutzuckerverlauf war den ganzen Tag über ein Blindflug. Durch die wenigen möglichen Messungen sah ich nur, dass ich trotz ständiger schneller BEs in der Hypo war, aber nicht, dass ich nicht auf Normalwerte hoch kam. Dabei hatte ich 2 Bananen, 4 Riegel und 1 Ltr. Cola zu mir genommen.

Mein eigenes Fazit: Als freizeitaktiver Langzeit Diabetiker mit Hypo-Wahrnehmungsstörungen bin ich auf ein funktionierendes CGM-System, ohne Ausfälle bei schnellen BZ-Anstiegen und -Abfällen, angewiesen. Hier ist zumindest das von mir genutzte aktuelle Modell meiner Erfahrung nach noch weit entfernt!

Fazit 2025

Da sich die Anzahl der Touren und Berggipfel nach viel anfühlte, habe ich doch mal zusammengerechnet, bzw. von meiner GPS-Uhr die App ausgelesen. Es waren 2025 über 200 Berggipfel mit 115.000 Höhenmeter – in ca. 500 Stunden habe ich 1750 km zurückgelegt.

Ich bin sehr dankbar, dass meine Gesundheit und Gelenke mir noch ermöglichen, so viele Berge zu Fuß erklimmen zu können. Meine Hüft-, Knie-, Schulter- und Wirbelgelenke melden sich auch immer mal wieder mit Schmerzen, aber es gibt viele Möglichkeiten, durch Dehnen, Gymnastik, Wechseln der Sportart oder öfters Mal mit Bienengift behandeln, um wieder schmerzarm oder sogar schmerzfrei zu werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen die Schönheit des Bergsteigens, aber auch die guten Chancen für Sie als Diabetiker, das auch machen zu können, schmackhaft machen konnte.

Kontakt-Adresse für Sportbegeisterte

Für Rückfragen oder evtl. neue Tourenpartner*Innen freue ich mich über eine E-Mail an:
karl.heinz.raschgmail.com

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Ein Gipfel erreicht © Karl-Heinz Rasch
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Blick von oben auf einen Bergsee © Karl-Heinz Rasch
Beeindruckend - Gletscher mit tiefen Spalten © Karl-Heinz Rasch