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Modellprojekt in Hessen und Brandenburg beweist: Schulgesundheitsfachkräfte sind wertvoll!

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„Schulgesundheitsfachkräfte sind ihr Geld wert“ war eine Headline in der Ärztezeitung vom 10. Januar 2022.

Der Artikel stellt das Ergebnis des länderübergreifenden Modellprojekts „Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) in Brandenburg und Hessen“ dar, das von der Arbeiterwohlfahrt, Bezirksverband Potsdam initiiert, vom Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen ausgewertet und vom Institut für Gesund- und Pflegewissenschaft der Charité Berlin sowie der Leuphana-Universität Lüneburg evaluiert wurde.

In der gutachterlichen Stellungnahme kommen Frau Prof. Dr. Catharina Maulbecker-Armstrong und die weiteren Autoren zu einer klaren Empfehlung für die Implementierung von Schulgesundheitsfachkräften an allen Schulen. Sie empfehlen einen Schlüssel von 1:700 - d.h. eine Schulgesundheitsfachkraft pro 700 Schülerinnen und Schüler.

„Super“ – leuchtete es gleich in Verenas (Hädrich) und meinen Augen auf. Unser Traum wird endlich wahr! Voller Hoffnung blieben wir an dieser Nachricht hängen. Und weiter?

Auch in anderen Regionen gab und gibt es Projekte mit Schulgesundheitsfachkräften, z.B. in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mainz. Überall wurde positiv Bilanz gezogen.

Seit vielen Jahren sind wir, der Diabetikerbund Bayern, auf der Suche nach Lösungen für die selbstverständliche Inklusion von Kindern mit Diabetes in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. An verantwortlichen Stellen wurden wir über die Jahre immer mal wieder teils angehört, aber wirklich voran kamen wir bisher nicht. Das Problembewusstsein war auf der Gegenseite nicht groß genug! Dies führte schließlich zur Entwicklung unseres Schulungsprogramms DiaFoPaed für Lehrkräfte und Betreuungspersonal in Schulen sowie Kitas usw., mit dem wir wenigstens denjenigen, die Inklusion „leben“, mit alltagstauglichem Knowhow unter die Arme greifen wollen.

Nichtsdestotrotz muss eine richtige Lösung her. Schulgesundheitsfachkräfte sind in skandinavischen und einigen anderen Ländern schon lange eine Selbstverständlichkeit. Sie leisten viel: z.B. Prävention, Gesundheitsförderung, Akutversorgung, Früherkennung, Unterstützung von chronisch kranken Kindern, Aufklärung, usw. Sie sind oft erste Ansprechperson von Schülern und Schülerinnen, Eltern und Lehrkräften – sie sind einfach für alle der sichere Hafen im Hintergrund. Das sollte doch bei uns in Bayern auch wichtig sein, oder nicht?

Auch in unseren Gesprächen mit der Politik über die Nöte von Kindern mit Diabetes, deren Eltern, Lehrkräfte und ErzieherInnen wird von uns immer wieder die Einführung einer Schulgesundheitsfachkraft angesprochen! Dieser Vorschlag wurde meist direkt als nicht umsetzbar abgeschmettert – zu teuer, nimmt der Pflege wichtige Ressourcen. Nur ein einziges Mal war dies auch der mögliche Lösungsansatz von Seiten der Politik: Es war im Gespräch mit Landtagsabgeordneten von den Grünen, kurz vor dem 1. Corona-Lockdown. Weitere schon vereinbarte Termine mit Politikern anderer Parteien wurden von deren Seite aufgrund der Corona-Situation abgesagt.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) forderte zum Weltkindertag im September 2021 den „Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften auch in Deutschland“ – gemeinsam in einer Allianz mit diesen Fachgesellschaften wurde ein Positionspapier veröffentlicht: Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG (AGPD), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ), Berufsverband Kinderkrankenpflege (BeKD) und diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe.

Die Ergebnisse dieses länderübergreifenden Modellprojekts beweisen, dass auch Deutschland einen Mehrwert durch Schulgesundheitsfachkräfte haben kann – sogar einen monetären. So kam es an den Projekt-Schulen u.a. zu weniger Rettungswageneinsätzen, weil z.B. kleinere Verletzungen direkt versorgt werden konnten. Besonders beeindruckend: Für ein Kind mit Diabetes wurde durch den Einsatz einer Schulgesundheitsfachkraft eine Kosten-Nutzen-Relation von 1:35 für die Gesellschaft berechnet! (Quelle und weitere Daten: Ärztezeitung und Gutachterliche Stellungnahme)

Wie ging es in dem Projekt weiter?

Brandenburg hat es zum Jahresende 2021 trotz positiver Ergebnisse beendet. Es fehlt einfach am nötigen Geld! Ein Lichtblick: Einzelne Kreise waren so überzeugt, dass sie selbst die Finanzierung für die Weiterführung an den regional beteiligten Schulen übernommen haben. In Hessen hat man das Projekt ausgedehnt: zehn weitere Schulgesundheitsfachkräfte sind seit dem Schuljahr 2021/22 im Einsatz.

Petition in Brandenburg

Für den Erhalt und die Ausweitung des Projekts auf weitere Schulen in Brandenburg läuft gerade eine Petition, die Sie noch bis zum Ende der Zeichnungsfrist am 01. April 2022 unterstützen können.

Und in Bayern? Leider gab es bisher kein Projekt. Jedoch: Die Projekte in anderen Bundesländern zeigen den Nutzen ganz eindeutig. Der Kritikpunkt der meisten bisherigen Gespräche hierzu „Pflegekräfte, die in Schulen eingesetzt werden, fehlen anderswo“ wurde in den Studienauswertungen insoweit entkräftet, als gezeigt wurde, dass die aktuellen Schulgesundheitsfachkräfte der ambulanten bzw. stationären Pflege aus verschiedensten Gründen eh schon den Rücken gekehrt hatten. So gesehen ist es doppelt sinnvoll, ihr Knowhow sowie ihre Erfahrung aus dem früheren Berufsalltag hier sinnvoll zu nutzen und nicht ganz zu verlieren. Und: Sie sind ihr Geld wert, das zeigen die Ergebnisse.

Wir bleiben am Thema Inklusion unserer Kinder mit Diabetes dran! Steter Tropfen und diese wertvollen, aussagekräftigen Ergebnisse müssen einfach irgendwann zum Erfolg führen. Eins ist klar: Von Schulgesundheitsfachkräften profitieren nicht nur die in der Relation wenigen Kinder mit Diabetes, sondern alle Schülerinnen und Schüler! Prävention, Gesundheitsbildung und alles drumherum – das ist ein Benefit für die gesamte Gesellschaft, jetzt und für die Zukunft!


Unterstützen Sie uns!
 

Können Sie uns Kontakte zu Landtagsabgeordneten herstellen, damit wir mit unserem Traum für unsere Kinder mit Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen endlich weiterkommen? Bitte scheuen Sie sich nicht, hier mitzuhelfen! Wir brauchen Sie! (Marion Köstlmeier, Verena Hädrich)