Berichte

Im Angesicht des Mount Everest - Nepal Trekking zum Mera Peak (6470 m)

Unser Ziel halblinks - Mera Peak © Karl-Heinz Rasch

Sehr freundliche, interessierte Menschen - in der Mitte: Karl-Heinz Rasch © Karl-Heinz Rasch

Die Last der Träger: jeweils 20-30kg! © Karl-Heinz Rasch

Pass-Höhe auf 4600 m © Karl-Heinz Rasch

Basislager auf 5000 m Höhe © Karl-Heinz Rasch

Auf zum Gipfel! © Karl-Heinz Rasch

© Karl-Heinz Rasch

© Karl-Heinz Rasch

Karl-Heinz Rasch links, mit Bergfreund Karl auf dem Mera Peak, 6.470 m © Karl-Heinz Rasch

© Karl-Heinz Rasch

Mein Name ist Karl-Heinz Rasch. Ich habe seit 46 Jahren Typ-1-Diabetes, behandelt mit intensivierter Insulintherapie und seit Oktober nutze ich den Freestyle-Libre-2®. Nachdem ich vor fünf Jahren schon fünf Sechstausender in Chile und Bolivien erreicht hatte, ging es dieses Mal für drei Wochen ins Himalaya-Gebirge nach Nepal, in den Makalu-Barun-Nationalpark auf den Mera Peak.

Der Flug entgegen der Zeitzone war kein Problem, da man von seinem „Blutzucker-Wächter“ immer wieder „angepiepst“ wird. Zu meinem üblichen Diabetes-Equipment in ausreichender Menge hatte ich eine Solar-Ladestation und eine Powerbank im Gepäck, um das Lesegerät, das Handy und den Fotoapparat laden zu können.

Nach zwei kurzweiligen Tagen in der Hauptstadt Kathmandu fuhren wir mit einem Geländewagen, personell völlig überladen und mit offenen Fenstern des Fahrers und Fahrgastmanagers, bei kühlen fünf Grad zum Ausgangspunkt der Trekkingtour. Gut, dass ich meinen Rucksack mit in den Jeep gequetscht hatte, denn damit waren die wärmende Jacke, Mütze, Handschuhe, schnelle Kohlenhydrate und Trinken schnell zur Hand. Mein CGM (kontinuierliches Messsystem, hier Freestyle Libre 2®) meldete sich öfters mit low oder high. Pausen wurden nach Lust des Fahrers alle drei bis vier Stunden, gemacht. Wir fuhren zwei Stunden auf Teer und die restlichen zwölf Stunden über sehr schlechte, oft einspurige Schotterstraßen und durchquerten einige Bäche. Bei Nässe wären viele Passagen unbefahrbar gewesen! Auf der Fahrstrecke gesellte sich unser Träger dazu, der auf der gesamten Gehstrecke unser restliches Gepäck trug. Viele Nepalesen und die Träger sprachen im englischen Jargon, wodurch eine ausreichende Konversation stattfinden konnte.

Am Nachmittag des zweiten Tages kamen wir im Dorf Bung an, von wo aus wir zu Fuß nach drei Stunden Khiraule (2.500 m) erreichten. Alle Touristen wurden herzlich empfangen und bekamen Schlafräume zugewiesen, die oft ohne Licht und Steckdose waren. Auf dem Bett lag nur ein dünnes Polster und ein Kopfkissen. Darauf schlief man mit Daunenschlafsack und vielleicht noch mit einer Mütze, da die Raumtemperatur im November nachts nur 5–10 Grad erreicht. Mein Ritual vor dem Schlafengehen: Unters Kopfkissen legte ich die Stirnlampe, die Insulin-Pens, das Lesegerät für das CGM, schnelle BEs oder eine Glukose-Gel. Die Thermoskanne mit Tee, der über Nacht getrunken werden musste, stellte ich neben das Bett.

Innerhalb 24 Stunden tranken wir 3–4 Liter Flüssigkeit, um einer Höhenkrankheit vorzubeugen.
Jede Übernachtungsstätte hatte auch einen kleinen Laden, wo man fast alles bekommen konnte, was noch gebraucht wurde. Hier sind für uns Diabetiker besonders Cola, Riegel und andere Süßwaren zu erwähnen.

Die Toiletten waren sehr einfach und öfters in einem kleinen „Klohäuschen“ im Freien untergebracht. Zum Reinigen und Spülen stand eine Toilettenbürste und ein gefüllter Wasserbehälter bereit. Jeder Benutzer hatte sein eigenes Toilettenpapier dabei, da diesbezüglich nichts bereitstand.

Zum Frühstück gab es Toast, Omelett, Pancakes, Müsli mit Milch, Porridge, Tee, Kaffee und mehr, aber kein Schwarzbrot, Käse oder Wurst. Porridge war das einzige Frühstück, das ich in großen Höhen über 4000 m noch gut vertragen habe. Dennoch bewirkten diese Weißmehl-Produkte eine sehr schnelle Blutzucker-Erhöhung. Meine Devise lautete: Laufen, um die Blutzuckerspitzen zu verringern und bei Bedarf Blutzucker korrigieren.

Unsere Tagesetappen erstreckten sich über 6–8 Stunden. Das Gehtempo wurde zunehmend langsamer, je höher man unterwegs war. Die einheimischen Träger waren immer schneller unterwegs als die Touristen mit ihrem leichten Rucksack. Um die Mittagszeit wurde ordentlich gegessen, bei einheitlicher Speisekarte. Mittags standen Nudelsuppe, gebratene Nudeln, Kartoffeln oder Dal Bath, das nepalesische Nationalgericht mit Reis, Linsensuppe und Gemüse, auf dem Speiseplan. Ein Nachschlag zum Dal Bath ist obligato-risch! Ich könnte diese Mengen an Reis, die die Träger verspeisten, niemals essen!

Wir zogen weiter zum Inkhu-Khola-Tal. Wir schliefen auf knappe 4000 m. Hier spürte ich die Höhe nachts mit Übelkeit und Erbrechen. Zum Frühstück behielt ich das Porridge im Magen und alles war wieder gut. Auf der Hauptroute liefen wir nochmals sechs Tage, bis wir im Basis Camp auf 4850 m ankamen. Hier machten wir einen Akklimatisationstag.

Doch das angekündigte Schlechtwetter mit starkem Wind zwang uns, die Tour am selben Nachmittag fortzusetzen. Für die Gipfeltour mussten wir alles selbst bis ins Basis Camp auf 5000 m tragen. Nach zwei Stunden kamen wir dort an und es wurde uns ein Zelt zugewiesen. Es gab noch Porridge und Tee. Der Bergführer holte uns vier Stunden später, um 00.30 Uhr ab, um am gleichen Tag die Gipfeltour zu machen.

Es dauert gut 15 Minuten, bis man seine Kleidung mit vier Schichten angezogen hatte. Man hoffte, dass das auch wirklich warm genug ist. Meinen Blutzucker (BZ) versuchte ich unter 200 mg% zu halten, was mir auch weitestgehend gelang. Mein Insulin und mein Lesegerät trug ich am Körper bzw. unter zwei Jacken – beides war so vor Kälte gut geschützt.

Um 1 Uhr standen wir am Gletscherrand, wo wir uns noch die Steigeisen montierten und den Pickel zum Aufstieg für steilere Passagen einsatzbereit hielten. Wir drei Männer waren die Einzigen, die um diese Zeit starteten. Der Führer und die Stirnlampen zeigten uns den Pfad auf dem Gletscher, dem wir relativ langsam folgten. Ich hatte das Gefühl, fast zu stehen, und deshalb keine Wärme im Körper erzeugen zu können. Die Finger- und Zehenspitzen meldeten schon leichte Gefühlsstörungen, weshalb ich noch die Daunenhandschuhe überstreifte. Wenn noch eine stärkere Brise Wind dazu gekommen wäre, hätte das zum Scheitern der Hochtour führen können.

Nach drei Stunden erreichten wir das High Camp auf 5.800 m. Hier standen viele Zelte, die den Gruppen als kurze Schlaf- und Essgelegenheit dienten, bevor sie nachts um 2 Uhr zum Gipfel starteten. Hier erhielten wir nochmals Tee für die Thermoskanne und ein Porridge als letzte Mahlzeit für die nächsten Stunden. Für mich als Typ-1-Diabetiker sind diese nächtlichen Mahlzeiten sehr lästig und bedürfen einer ständigen BZ-Überwachung, um im sicheren BZ-Bereich zu bleiben. Eine schwere Unterzuckerung darf man sich auf dieser Höhe nicht leisten!

Um ca. 4:30 Uhr setzten wir den Weg fort. Der Führer hängte uns an das Seil, um uns im „Notfall“ zu sichern. Aber es gab kein Blankeis und keine schwierigen Stellen, die Karl und ich nicht selbständig hätten meistern können. Das Schönste auf dieser Höhe sind die Sonnenaufgänge, die einen wieder „puschen“ und dadurch neue Energie freisetzen können. Um 8.30 Uhr erreichten wir den höchsten Punkt des Mera Peak Central mit 6.470 m. Für mich war es die erste Tour und der erste 6000er in Himalaya-Gebirge/Asien. In diesem Moment vergisst man alle Strapazen, die erst kurz zuvor auf einen eingewirkt hatten. Gut so! Hier oben stehen die höchsten aller Achttausender in greifbarer Nähe, wie Cho Oyu, Mount Everest, Lothse, Makalu, Kanchenchunga und v.a.m. Es ist ein wahrer Genuss da oben stehen zu dürfen. Der nur zweistündige Rückweg zum Basislager fiel mir sehr leicht.

Es war wieder eine Wohltat, zwei bis drei Schichten an Kleidung ablegen zu können und die schweren Hochtourenschuhe gegen die leichten Wanderschuhe zu wechseln. Am selben Tag liefen wir zum letzten Lager zurück, um dort zu übernachten. Unser Träger nahm uns das Übergepäck gerne wieder ab.

In den folgenden sieben Tagen traten wir den Rückweg an. Die Tagesetappen fühlten sich leichter an, auch wenn wir nochmals hohe Pässe überschreiten mussten. Meinen Blutzucker hatte ich jetzt gut im Griff, obwohl ich beim Rucksack-Ablegen einmal meinen Sensor abstreifte. Jetzt kamen meine bewährten Blutzuckerteststreifen kurzfristig zum Einsatz. Doch ich konnte am gleichen Abend meinen Reserve-Sensor anlegen.

Wir legten in diesen 17 Gehtagen ca. 160 km und 12.000 Höhenmeter zurück, und das überwiegend in der Höhenlage von 3.000 bis 5.000 Meter. Es gab weder Blasen an den Füßen noch sonstige Verletzungen und auch keine anderen akuten Situationen. Vor viralen und bakteriellen Infektionen schützten wir uns mit Propolis, das ich in meiner eigenen Imkerei ernten und veredeln kann. Das Blutzuckermessgerät und der Sensor funktionierten in allen Höhen gut. Eine gut durchdachte Vorplanung ist dazu Voraussetzung! Viel Spaß beim Nachahmen. (Karl-Heinz Rasch)