Am ersten März-Samstag fand im Zeughaus wieder der jährliche Selbsthilfegruppen-Informationstag statt. 16 Selbsthilfegruppen stellten sich und ihre Arbeit an Info-Ständen vor. Ärzte, Psychologen, Pädagogen und Therapeuten hielten in Zusammenarbeit mit Betroffenen Vorträge.
Mit dabei war natürlich auch der Diabetikerbund Bayern, u.a. vertreten durch Johann Kahle, stellv. Landesvorsitzender. Das Vortragsthema von Dr. Dietlein „Neue Behandlungsmethoden bei Diabetes“ ergänzte Johann Kahle mit eigenen Erfahrungen aus dem täglichen Leben mit Diabetes und seinem Statement zur Selbsthilfe, die wir all denen, die nicht dabei waren, nicht vorenthalten möchten:
Warum Selbsthilfe?
„Das Wort „Selbsthilfe“ sollte die Grundlage für Jeden von uns sein. Was die Verbände, Vereine, Ärzte, Apotheken, Krankenkassen und Runden Tische leisten, ist Hilfe zur Selbsthilfe. Leider ist die Selbsthilfe - besonders die Selbsthilfeaktiven - stark im Abnehmen, denn der Einzelne ist immer weniger bereit, selbst etwas zu tun. Ich als Patient muss mich aber über meine Erkrankung schlau machen, damit ich so gut wie möglich mit ihr zurechtkomme - es ist meine Erkrankung!
Das heißt, ich als Diabetiker muss wissen, welche Medikamente ich erhalte, welche Wirkmechanismen die Medikamente haben, wann und wie ich sie einnehmen muss und wie das mit meiner Ernährung und meinem Tagesablauf vereinbar ist. Für all diese Fragen muss ich mir die Antworten zusammen suchen. Dazu frage ich meinen Arzt, meinen Apotheker, meinen Selbsthilfeverband oder die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe.
Wir vom Diabetikerbund Bayern informieren unsere Mitglieder mit dem „Diabetes Journal“, der Mitgliederzeitschrift „kontakt“, auf Veranstaltungen und in den Selbsthilfegruppen. Wir sind alle selbst betroffen und arbeiten ehrenamtlich - in allen Ebenen, vom Bundesvorstand über die Landesvorstände bis zu den Selbsthilfegruppenleitern. Ein Verband lebt von der Unterstützung seiner Mitglieder.
In Bayern leben 12 Millionen Menschen, davon sind 8 % Diabetiker. Demnach müsste der Diabetikerbund Bayern eigentlich 960.000 Mitglieder haben. Wenn das der Fall wäre, dann könnten die Politik und andere Gremien nicht ständig Einschränkungen im Gesundheitswesen beschließen. Leider verstehen viele Patienten nicht, was das für sie bedeutet.
„Wer keine Lobby hat, hat auch keine Unterstützung“.
Wir Patienten sitzen mit unseren Ärzten in einem Boot, nur die Interessen sind verschieden. Das Beratungsgespräch fällt aus, da die sprechende Medizin nicht bezahlt wird. Das Arzneimittel-Budget erschwert vieles und erfordert viel Bürokratie. Nur die technische Medizin wird honoriert und nur damit kann die Arztpraxis existieren. Das ist der Systemfehler!!! Die Krankenkassen zahlen nicht für Vorsorge, sondern nur für die Reparatur und die ist teuer. Wir erleben es täglich - über die Beiträge und Zuzahlungen.
Machen Sie sich Gedanken über meine Worte. Werden Sie Mitglied in Ihrem Gesundheitsverband und engagieren Sie sich, dann erreichen wir gemeinsam das große Ziel, die Hilfe zur Selbsthilfe.“
Johann Kahle, stellv. Landesvorsitzender

