Berichte

Vortragsreihe bei der SHG Mühldorf im Herbst 2008

Am letzten Donnerstag jeden Monats lädt die Diabetiker Selbsthilfegruppe Mühldorf Diabetiker, Angehörige und Interessierte zur Gesprächsrunde ein. An den Abenden in den Monaten September, Oktober und November hatten die Besucher die Möglichkeit, ihr Wissen über Diabetes und Niere, Gefäßerkrankung sowie Diabetes und Depressionen zu erweitern bzw. zu vervollständigen.

Bei den gut besuchten Vorträgen konnten die aufmerksamen Zuhörer viele Fragen stellen, die von den jeweiligen Referenten erschöpfend beantwortet, auch diskutiert wurden.

Im September hielt der Nephrologe Dr. R. Rauschhuber vom Nephrologischen Zentrum Mühldorf, zu dem Thema Diabetes und Niere einen überaus informativen Vortrag.
Die Aufgaben der Niere, wie Entgiftung, Entwässerung, Unterstützung und Kontrolle des Blutbildes sowie die Regulierung des Säure und Basenhaushaltes, stellte Dr. Rauschhuber übersichtlich und sehr verständlich in Wort und Bild dar.
Niere und Zuckerkrankheit, Diabetische Nephropathie - schon im Jahr 1936 erschien hierzu die erste wissenschaftliche Veröffentlichung. Eindrucksvoll gab der Referent Einblick in das Erkrankungsbild und sprach vom „Risiko Nephropathie“. Dr. Rauschhuber zeigte die erkennbare und über Jahre beständig voranschreitende Entwicklung der gefährlichsten Erkrankung bei Diabetes mellitus auf. Die rechtzeitige und beständige Überwachung der Nierenfunktion sei daher sehr wichtig, gab der Nephrologe zu bedenken, damit dem „Teufelskreis der diabetischen Nephropathie“, nämlich die Verhinderung der Dialysebehandlung, möglichst bald die Weichen gestellt werden könne. Leider, so seine die Erkenntnis, kommen 50 % der Nierengeschädigten zu spät zum Nephrologen in Behandlung.

Im Oktober machte der Internist, Diabetologe und Kardiologe in Mühldorf, Dr. Martin Prohaska, in seinem Vortrag „Diabetes und Gefäßerkrankung“ deutlich: „Diabetes mellitus ist eine Gefäßerkrankung“! Herzinfarkt und Schlaganfall seien bei Nichtbeachtung der Krankheit häufig vorprogrammiert. Die Todesfolge aller Infarkte liegt hier bei 76 %. Er resümierte, „Diabetes zerstört die Gefäße, Zucker spürt man nicht“.
Verständlich stellte Dr. Prohaska den schubweisen Vorgang und die Veränderungen bei Arteriosklerose dar. Er verdeutlichte die Auswirkungen des oxydierten Cholesterins, benannte die schädlichen Faktoren - Nikotin, Bluthochdruck, Cholesterin, Blutzucker - und zeigte auf, wie diese Risikofaktoren zu minimieren seien.
Er befürwortete und vertrat „Lifestile Modifikation“ d.h. körperliche Aktivität, gesunde Ernährung mit den Schwerpunkten Natriumreduktion und nur mäßigem Alkoholkonsum.
Unumgänglich sei hierbei die richtige Vorgehensweise zur Blutzuckersenkung. Selbstredend gehören ausreichende Bewegung, ausgewogene Ernährung, optimales Körpergewicht und die medizinische Versorgung mit Tabletten oder Insulin dazu.

Sehr praxisnah und einfühlsam referierte, Diabetesberaterin DDG Alexandra Haufellner im Monat November über das Thema „Diabetes und Depressionen - wenn das Leben sinnlos erscheint.“
Wie entsteht eine Depression stand zu Anfang des Vortrags. Ursache und Wirkung bei Diabetes stellte Haufellner ausführlich heraus und sprach von einem Teufelskreis, der zu durchbrechen sei. Ängste als Ursache der Depression führen nicht selten zu einer Folgeerkrankung. Das Spektrum ist erfahrungsgemäß hier sehr weit reichend.
Vorsichtsmaßnahmen und Aufgaben sind daher wichtig. Die Diabetesberaterin sprach hierzu auch über beiderseitige Wünsche, die des Behandelnden und die des Erkrankten. Sie verwies vor allem auf eine gute Blutzuckereinstellung und einem demzufolge entsprechenden HbA1c-Wert, schloss Patientenschulung, Ernährungsumstellung und gezielte Medikation mit ein.
Für gute Lebensqualität bei Diabetes sei Einsicht, Ruhe und Akzeptanz in der Partnerschaft, beim Arzt und den vielen, alltäglichen Situationen erforderlich.

Ein Bericht von Lidwina Wienold

Dr. R. Rauschuber
Dr. M. Prohaska
Alexandra Haufellner