Berichte

Jubiläumsgrat – Hochtour zwischen Fels und Himmel

Erlebnisbericht von Karl-Heinz Rasch, <link>SHG Lindenberg/Westallgäu (Diabetes Typ 1 seit 1974)

Im Sommer und Herbst gehe ich gerne und immer öfters in die Berge, meist mit dem Deutschen Alpenverein. Neben Wandern, Mountain-biken, Klettern und Klettersteige begehen, zieht es mich manchmal hin zu Hochtouren. Da ich als Allgäuer noch nie den Jubiläumsgrat (Jubi) begangen habe, hatte ich mir dies für den Sommer 2010 vorgenommen.

Der Jubi ist ein sechs Kilometer langer Verbindungsgrat zwischen Zugspitze (2962m) und Alpspitze (2628m), der sehr sicheres Wetter und ein wohl durchdachtes Zeitmanagement voraussetzt. Bergsportler müssen absolute Schwindelfreiheit und Erfahrungen im seilfreien Begehen von ausgesetzten Passagen verfügen. Der Grat ist zwischen Zugspitze und innerer Hölltalspitze teils nur einen halben Meter breit und bricht mehrere hundert Meter ins Höllental und zum Zugspitzblatt hin ab. Die konditionellen Anforderungen sind aufgrund der Länge des Grates und der 800 Höhenmeter hoch. Einige Stellen sind gesichert, teils mit Drahtseilen, teils nur mit Haken zur Selbstsicherung. Im Sommer herrscht hohes Gewitterrisiko.

Während meines Urlaub im Juli passte entweder das Wetter nicht oder meine geplanten Kameraden fielen aus - deshalb startete ich am 11. Oktober allein mit Herbert. Um 7:45 Uhr fuhren wir mit der ersten Seilbahn vom Eibsee zur Zugspitze. Bei etwas unter 0 Grad gingen wir warm bekleidet zum Gipfelkreuz der Zugspitze. Hier gab es nordseitig in den obersten 50 Höhenmetern noch unerwartet hart gefrorener Schnee. Mit äußerster Vorsicht bewältigten wir diese Passagen, bis wir dann auf reinen Felsgrat stießen. Wir passierten im eiligen Tempo die Innere und Mittlere Hölltalspitze. Außer sehr wenigen und lückenhaften roten Markierungen gab es auch keine Gipfelmarkierungen und -bezeichnungen zwischen Zugspitze und Alpspitze. Vor der Äußeren Hölltalspitze steht ein Biwak als Notunterkunft für 4-6 Personen zum Rasten bei Erschöpfung, Wetterstürzen oder für Winterbegeher. Jeder Schluck Wasser, der gebraucht wird, muss mitgenommen werden, da es dort oben nichts gibt. Nach drei Stunden gönnten wir uns eine 15-minütige Brotzeitpause. Meinen BZ hielt ich in sicheren Werten zwischen 60 – 200 mg/dl. Stündlich aß ich einen Riegel oder eine Banane/einen Apfel, während ich fotografierte und auf meinen Begleiter wartete. Das Wetter war sonnig und warm, aber windig. Manchmal konnten wir uns kurzärmlig fortbewegen.

Es folgten unzählige Felsgipfel, Fels- und Geröllgrate, wo teilweise bis zu Klettereien dritten Grades gefordert waren, teilweise ohne Sicherung hinauf und herunter. Vor der Vollkarspitze nehmen die Sicherungen zu, um die zwei Bergstürze sicher begehbar zu machen. Vor dem Hochblassen zweigt man links ab zur Grieskarscharte, dann geht es noch 150 Höhenmeter zur Alpspitze hoch.

Um 14:30 Uhr erreichten Herbert und ich nach 6,5 Stunden das vorläufige Ziel, die Alpspitze. Wir waren glücklich und erleichtert, so eine Powertour in Eigenregie durchgezogen zu haben. Zum ersten Mal begegneten uns wieder Wanderer und Klettersteig-Begeher.Nach ausgiebiger zweiter Brotzeitpause stiegen wir im Alpspitz-Klettersteig in einer Stunde bis zur Bergstation der Alpspitzbahn ab, um die letzte Talfahrt um 16:30 Uhr noch zu erreichen.