Berichte

1. Bayerischer Tag der Telemedizin in Ingolstadt

Unter dem Motto „Vom Projekt in die Praxis“ wurden am 6. März Vorteile der Telemedizin und heutige Anwendungsgebiete/Modellprojekte dargestellt.

Nach Grußworten von Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann, Heribert Fastenmeier, Geschäftsführer des Klinikums Ingolstadt, und Dr. Marcel Huber, Bayerns Staatsminister für Umwelt und Gesundheit folgten Live-Schaltungen zu Telemedizin-Projekten in verschiedene bayerische Regierungsbezirke. So wurde ein Telemedizin-Projekt zur „Fernbetreuung bei COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Heimbeatmung“ vorgestellt. Der Patient wird im häuslichen Umfeld kontinuierlich überwacht. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes wird schnell erkannt und somit ist eine frühzeitige Intervention möglich, die auch hilft, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen oder zu verhindern.

Herzinfarkt-Projekt in Augsburg

Eine weitere Live-Demonstration gab es zum Projekt: Herzinfarkt - Schnellere Rettung durch Telemedizin aus dem Krankenwagen“. Gerade beim Herzinfarkt ist schnelles Handeln wichtig für die Prognose des Patienten. Bei diesem Augsburger Telemedizin-Projekt wird das vom Notarzt und den Rettungskräften geschriebene 12-Kanal-EKG direkt vom Auffindeort des Patienten in die Fachabteilung der Klinik übertragen. Bestätigt sich die Diagnose, wird im Herzkatheter-Labor schon der Eingriff vorbereitet – die Zeit bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes wird so um 30 min verkürzt. Der Schaden am Herzen ist kleiner und der Patient hat bessere Überlebenschancen.

Weitere interessante Einsatzmöglichkeiten zeigte die Live-Schaltung zu Telemedizin-Projekten in München. Hier wurden Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz betreut. Es konnte gezeigt werden, dass es diesen Patienten, sofern sie innerhalb der ersten sechs Wochen nach Diagnosestellung in das Programm aufgenommen wurden, nach einem Jahr Nachbeobachtung besser geht als anderen. In einem weiteren Projekt wurden Patienten mit Bluthochdruck betreut. Durch die telemedizinische Überwachung kam es zu einer dauerhaft besseren Blutdruckeinstellung, von der ganz besonders Hochrisiko-Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck und „hypertensiven“ Krisen profitieren – dieses Projekt läuft schon seit vier Jahren.

Ausblicke in die Zukunft

Viele weitere Einsatzmöglichkeiten und Projekte wurden vorgestellt. Auch Live-Übertragungen von Operationen waren zu sehen. Am Nachmittag schlossen sich Workshops zu allen Themen rund um Telemedizin an, darunter auch zu Patientenrechten, Rechtssicherheit, Datenschutz und Finanzierung.

Ein Fazit: Es gibt viele interessante Einsatzmöglichkeiten der Telemedizin in Gegenwart und Zukunft. Möglich wurden und werden sie durch den Fortschritt in der Technik. Für den Patienten bringen sie in den bisher vorgestellten Modellen eine bessere, intensivere Versorgung ohne weite Wege und damit mehr Lebensqualität, ein klarer Vorteil. Aber auch den Kostenträgern bringen sie den Vorteil Kosteneinsparungen und bessere „Nutzung“ von Ressourcen – deshalb werden Telemedizin-Projekte jetzt intensiv gefördert. Was sie nicht ersetzen können und sollen, ist der persönliche Arztbesuch und -kontakt. Und deshalb ist auch weiterhin die Sicherung einer wohnortnahen ärztlichen Versorgung unumgänglich. (ts, mk)