Sind Sie so langsam auch der Hektik der Zeit und der schlechten Nachrichten überdrüssig?
Um den Jahreswechsel herum erst große Aufregung um die Finanzen der USA mit der Bedrohung auch für uns: Rettung in allerletzter Sekunde, aber nicht nachhaltig, sondern nur aufgeschoben – für nur zwei Monate! Also wahrscheinlich jetzt zum Erscheinungstermin des Kontakt wohl wieder die gleiche Aufregung und hoffentlich für uns alle wieder eine Lösung in letzter Sekunde – aber bitte diesmal längerfristig! Oder doch der Super-Gau für die USA und die Weltwirtschaft? Ich hoffe doch, dass die Vernunft am Ende über die einzelnen Machtinteressen der beteiligten Lager siegt – sonst ist uns allen nicht mehr zu helfen und der Maya-Kalender hat in einem Teilaspekt doch noch Recht!
Mir geht die Hektik und das allgemeine Chaos so langsam wirklich an die Substanz und oft überlege ich, mich aus dem Alltagsnachrichtengeschäft zurück zu ziehen. Wäre doch viel schöner, es würden mal gute Nachrichten in den Vordergrund rücken – das gäbe uns allen auch viel mehr Auftrieb als diese Negativ-Spirale. Das wäre mein Vorschlag für eine Themen-Woche in den Medien! Vor lauter schlechten Nachrichten übersieht man das Gute nur allzu oft!
Medien, Internet, schnelle Fernverkehrsmittel machen alles schnell, aber nicht wirklich besser, denn, so mein Eindruck, in der Schnelligkeit bleibt die Gründlichkeit auf der Strecke: Siehe die vielen Rückrufaktionen der Autohersteller. So etwas gab es früher selten, heute ist es normal. Aber warum kann man ein Produkt nicht fertig entwickeln und anständig testen und dann ausgereift auf den Markt bringen – wäre das nicht viel besser für das Image, anstatt diese unfertigen Schnellschüsse, deren wir immer überdrüssiger werden?
Dieses System zieht sich durch unser ganzes Leben – nichts wird von Anfang bis Ende in allen seinen Facetten fertig gedacht - unsere Selbsthilfegruppenleiter, die berechtigte Förderanträge stellen, wissen ein Lied zu singen ob der Kompliziertheit und erst unser Vorstand, der sich zudem noch mit der Nichtvereinbarkeit der Regelungen im Hinblick auf Vereins- und Finanzrecht herumschlagen und eine Lösung finden muss! Die Installation der gesetzlichen Förderung der Selbsthilfe über die Krankenkassen war eine gute Sache von der Bundesregierung. Leider wurde die Umsetzung bis hinunter zu denjenigen, die Selbsthilfegruppen organisieren und führen und damit vielen Menschen Hilfestellung bieten - die auch sehr wohl als sehr wertvoll auf Landes- und Bundesebene wahrgenommen wird - auch nicht zu Ende gedacht. So schlagen sich Verband und Gruppenleiter mit diesen Versäumnissen herum. Dabei gibt es Lösungen mit gesundem Menschenverstand, aber die Reparatur über alle Beteiligten und Ebenen hinweg ist im Nachhinein sehr schwierig. Von den „Verursachern“ des Durcheinanders fühlt sich niemand mehr zuständig, das ist sehr schade.
So langsam „stinkt“ das in der Gesamtheit vielen von uns und nicht umsonst entstehen Vereinigungen wie „Slow Food“ und ähnliche zur Entschleunigung der Zeit, auch den Begriff „Mut zur Langsamkeit“ hört man immer öfter.
Wir überholen uns selbst, sind im Dauerstress und haben nie das Gefühl, wirklich fertig zu werden – das schlaucht, auch wenn man versucht, sich heraus zu nehmen. Da nagt immer noch das schlechte Gewissen im Hintergrund: „Aber da wär ja noch ... wichtig gewesen“ usw. Ich denke, wir brauchen alle wieder mehr Mut, auch mal etwas gründlich reifen zu lassen und eine andere Sicht zu entwickeln - aller Neuanfang ist natürlich schwer.
Entwickeln wir alle wieder mehr Feingefühl für wirklich Wichtiges, nehmen Hektik heraus und gestalten unsere Gesellschaft mit Geduld und Umsicht lebenswerter als sie heute ist.
Ihre Marion Köstlmeier

