Liebe Frauen, liebe Mädchen,
als ich 2004 meinen Mann Paul kennenlernte, hatte ich schon 21 Jahre Diabetes – Gott sei Dank bisher ohne Folgeschäden. Im Jahr 2006 heirateten wir und begannen, an die Kinderplanung zu denken. Mein Diabetologe riet mir zur Umstellung auf die Insulinpumpentherapie, weil damit die Diabetes-Einstellung in der Schwangerschaft und während Entbindung und Stillzeit besser gelingt. Im Herbst 2006 stieg ich deshalb auf die Insulinpumpe um - ganz so toll fand ich das anfangs nicht, und ich wurde auch gefühlt „ewig“ nicht schwanger - deprimierend. Und dann: Endlich ein positiver Schwangerschaftstest am 07.07.07! Schnapszahl und gleichzeitig Geburtstag meines Lieblings-Schwagers – welch ein Glück!
Von da an hieß es messen, messen, messen und aufpassen, aufpassen, aufpassen. Postprandiale Werte, die man sonst immer ein bisschen ignoriert, bekommen eine enorme Wichtigkeit. Jeden Monat zum Frauenarzt und Diabetologen und auch noch mehrfache Augenuntersuchungen – natürlich immer mit Kribbeln im Bauch, ob alles in Ordnung ist und bleibt! Am Schönsten war der große Ultraschall, bei dem man das Baby so schön betrachten und sehen kann, dass es ihm gut geht. Wir haben uns aber nie sagen lassen, ob es ein Bub oder Mädchen wird. Und dann ging es am 14.01.2008 mit dem Blasensprung um 3:00 Uhr nachts los - um 8:00 Uhr sind wir ins Klinikum gefahren. Ich sage Euch – wenn Euch das auch passiert, dann nehmt Euch Euren Partner mit, denn Hilfe braucht Ihr nicht nur wegen der Wehen, sondern auch für die Zuckereinstellung! Paul musste während der Entbindung ganz oft messen! Und gleich, wenn das Baby geboren ist, sinkt der Insulinbedarf stark – die Basalrate, die vor der Schwangerschaft funktionierte, muss jetzt wieder ausgewählt werden.
Magdalena wurde um 11:15 Uhr am 15.01.2008 geboren - wir waren überglücklich! Und als sie mir danach angelegt wurde und das Stillen klappte, war ich der glücklichste Mensch der Welt! Leider musste Magdalena fünf Tage in der Kinderklinik bleiben, weil sie mit einem Blutzucker von 27 mg/dl zur Welt kam. Sie wurde an eine Glukose-Infusion angeschlossen und ihr so die Anpassung erleichtert. Auch später gab es Höhen und Tiefen beim Stillen. Ein Tiefpunkt: Meine beste Freundin mit Mann und Kind besuchte uns Ende Januar und sie merkte gleich an der Tür, dass irgendwas mit mir nicht stimmt! Gleich danach musste ich mich übergeben, mein Magen nahm einfach den Traubenzucker nicht auf! Paul managte alles: Er kümmerte sich um mich, legte mir Magdalenchen an und versorgte die Gäste - einfach toll! Solche Tage gibt es auch und die sind nicht ganz so PRIMA. Eine dreimalige Antikörperuntersuchung im Klinikum Schwabing ergab, dass Magdalena kein erhöhtes Diabetes-Risiko hat!
Am 07.12.2009 wurde mein zweites Kind, Leonhard, geboren. Die Schwangerschaft mit ihm war schon viel einfacher: Ich wusste, wie ich meine Werte in den Griff bekomme und hatte nicht soviel Angst vor der Zeit nach der Entbindung. Die Geburt von Leonhard war viel rasanter ich musste meinen Paul ständig nötigen: bitte messen, bitte messen – dabei hatte er sich zuvor den Magen auf einer Nikolaus-Feier verdorben und war ganz und gar nicht fit. Leonhard wurde mit einem Blutzuckerwert von 72 mg/dl geboren, aber der Wert fiel noch im Kreißsaal auf unglaubliche 30 mg/dl! Deshalb wurde auch er wieder für fünf Tage in die Kinderklinik gebracht. Dieses Mal zerriss es mir nicht das Herz, denn ich wusste schon, was auf mich zu kommt.
Am 10.04.2013, mittlerweile bin ich 30 Jahre Diabetikerin, wurde unser drittes und letztes Kind Raphaela geboren. Bei ihr war die Schwangerschaft nicht ganz so einfach: Ich hatte anfangs Blutungen und es war mir immer schlecht – Essen wurde zum notwendigen Übel. Dadurch war mein Zucker dieses Mal nicht ganz optimal eingestellt, weil der häufige Sport fehlte. Aber sie war die Einzige, die mit einem Blutzucker von 41 mg/dl auf die Welt kam und mit mir aufs Zimmer durfte. Ihre Antikörper werden gerade untersucht und ich hoffe auch bei ihr auf ein gutes Ergebnis.
Kinder kriegen ist auch mit Diabetes möglich und schön, Ehrenwort!
Eure Simone Wagner

