Hochinformativer Vortrag auf dem Ansbacher Diabetikertag im Klinikum Ansbach
Der Diabetikerbund Bayern e.V. war erneut mit zwei Vorstandskollegen (Thomas Sommer, Klaus Walter) vor Ort und am eigenen Stand, um über die größte Interessensvertretung der Diabetiker in Bayern zu informieren und dessen wichtige Arbeit darzulegen.
Bekanntlich ist jeder Diabetiker Hauptverantwortlicher für den eigenen Diabetes. Die Rahmenbedingungen dagegen, unter denen wir als Diabetiker leben, können vom Einzelnen wenig beeinflusst werden. Hier ist ein schlagkräftiger Verband, eine starke Interessensvertretung - ähnlich einer "Gewerkschaft" der Diabetiker - wichtig, die die Anliegen der Betroffenen politisch umsetzt - eben der Diabetikerbund Bayern e. V.
Hauptreferent der Veranstaltung, die auch eine Industrieausstellung beinhaltete, war der langjährige Oberarzt des Nürnberger Klinikums Süd, Herr Dr. med. Helmut Walter (Nephrologe, Diabetologe DDG), der mittlerweile das Ruhestandsalter erreicht hat und Teilzeit in zwei Schwerpunktpraxen arbeitet. Sein Thema "Blutzuckeranstieg nach dem Essen und seine Folgen" war hochspannend und brachte durchaus Neues, das für alle Diabetiker (ob Typ 1 oder Typ 2) wichtige Erkenntnisse offenlegte. Ein wenig schockierend wirkte die Aussage, dass der Zucker im Blut geeignet ist, andere Organe nachhaltig zu schädigen - Originalaussage: "Zucker ist toxisch" (= giftig). Kein Wunder, dass der Körper des Stoffwechselgesunden den Zuckerbereich des Blutes in sehr engen Grenzen hält und das in die Pfortader abgegebene Insulin, schnell wirksam, breite Schwankungen verhindert. Da sind die Diabetiker natürlich im Hintertreffen, denn entweder ist kein natürliches Insulin mehr vorhanden, oder es wirkt nicht richtig aufgrund der Insulinresistenz. Zudem spritzen wir das Insulin ins Unterhautfettgewebe, wo es (im Sommer schneller als im Winter, der Wärme wegen) erst langsam in die Blutbahn und bis zur Leber gelangt.
Anschauliche Belege
Anhand von Untersuchungsergebnissen konnte Herr Dr. Walter belegen, dass große und kleine Blutgefäße durch auf sie einwirkende hohe Zuckerkonzentrationen beeinträchtigt und geschädigt werden. Das könnte einen natürlich deprimieren: einerseits wirkt unser Insulin verzögert, andererseits schädigt ein hoher Blutzucker Gefäße und Organe. Wie kann man aus dieser Kiste rauskommen?
Der "Spritz-/Ess-Abstand" ist hier immens wichtig - entgegen der häufig geäußerten Auffassung, bei schnell wirkenden Analog-Insulinen sei dieser zu vernachlässigen. Denn da das Insulin an der "falschen" Stelle eingesetzt werde, dauert es eben geraume Zeit, bis es im Blut wirkt und damit der Leber meldet: BITTE KEINEN ZUCKER MEHR AUSSCHÜTTEN! Wer einen solchen Abstand wählt, vermindert den übergroßen Blutzuckeranstieg nach dem Essen (pp = postprandial) deutlich. Ideal ist es, wenn der Blutzuckerwert zwei Stunden nach dem Essen (pp) 140 mg/dl nicht übertrifft.
Hilfreich ist es auch, den überlangen Wirkzeitraum des Insulins einzuschränken. Da bekannt ist, dass das Medikament bei hoher Abgabe an einer Stelle lange wirke, sei es sinnvoll die Insulineinbringung auf mehrere Depots zu verteilen, eben zu "splitten". (In diesem Zusammenhang darf auch darauf hingewiesen werden, dass U40 natürlich schneller wirkt als U100-Insulin, da es bereits 2,5 mal höher verdünnt ist - empirisch nachgewiesen durch Professor Ernst Chantelau, Düsseldorf - Anm. des Verfassers).
Beeindruckend waren die präsentierten Untersuchungsergebnisse, die nachwiesen, dass auch die Durchblutung der Herzkranzgefäße umso besser ist, je niedriger der Blutzuckerspiegel sich darstellte. Da zudem hohe Blutzuckerkonzentrationen die Ablagerungen (Plaquebildung) an allen Blutgefäßen ungünstig beeinflussen, spricht es auch aus diesem Grund dafür, hohe Blutzuckerkonzentrationen zeitlich sehr kurz zu halten und mit den dargelegten Methoden vorzugehen.
"Insulin ist a remedy..."
Herr Dr. Walter griff das geniale Zitat Dr. Joslins auf: "Insulin is a remedy – primarely ...." Er übersetzte es sinngemäß: "Insulin ist eine Medizin, hauptsächlich für die Klugen, nicht für die Dummen - mögen sie Patienten oder Ärzte sein." Er forderte somit intelligente Vorgehensweise von beiden.
Es war ein sehr engagierter und überzeugender Vortrag, der mit großem Applaus durch das Auditorium gewürdigt wurde. (Klaus Walter)

