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Kommentar zu „Diabetes bewegt uns!" „Risiko erkennen“ heißt noch lange nicht „Diabetes verhindern“

Früherkennung wird oft propagiert als das Mittel der Wahl zur Linderung oder Vermeidung von Leid. Auf den ersten Blick einleuchtend. Wenn man aber tiefer in die Materie einsteigt, zeigt sich auch die andere Seite. In der Krebsvorsorge, besonders bei Brust- und Prostatakrebs, häufen sich kritische Stimmen, Krebsvorsorge birgt auch die Gefahr von fehlerhaften Diagnosen und Übertherapien – beides für den betroffenen Menschen sehr belastend, teils unnötig und gefährlich.


Bei Diabetes soll ein einfacher Fragebogen das Diabetes-Erkrankungsrisiko innerhalb der nächsten zehn Jahre klären. Wissen viele der oft schwergewichtigen, aber offensichtlich vom Diabetes nicht betroffenen Redner, wie sich ein Mensch fühlt, wenn er in die Ecke „Diabetes mellitus Typ 2“ gestellt wird?


Aufklärungskampagnen zum Diabetes Typ 2 müssen den einzelnen Bürger und Betroffenen dort abholen, wo er oder sie steht. Eine „App“ zur Diabetes-Prävention erreicht sicher in der Altersgruppe und Bevölkerungsschicht der am häufigsten Betroffenen nur eine winzig kleine Minderheit, denn die überwiegende Mehrheit hat keinen Zugang zu diesem Medium.


Betroffenenverbände wissen, wie man die Zielgruppe erreichen und damit Geld wirkungsvoll einsetzen kann. Ein großes Anliegen ist uns daher, von Entscheidungsträgern wahrgenommen und von Anfang an mit einbezogen zu werden. Mit Sicherheit profitieren alle von dieser Betroffenenkompetenz. Doch - das geschieht heute leider viel zu selten, wie auch hier bei dieser Jahresschwerpunktaktion. Unsere Beteiligung mussten wir uns schwer erkämpfen. Uns Betroffenen fehlen anscheinend zu oft die erforderlichen Titel.


Zwei Diabetes-Stiftungen gibt es derzeit in Deutschland:

  • Die „Deutsche Diabetes Stiftung“ wurde vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB), der Patientenvereinigung, mitgegründet. Obwohl oft von Patientenseite gefördert, hat diese wenig Nutzen und Einfluss.
  • Die vom DDB gegründete Stiftung „Mittelpunkt Mensch“ kümmert sich ausschließlich um die Interessen der Betroffenen.

Wen will man fördern, mit wem will man kommunizieren? Das sollte man sich im Vorfeld überlegen. Für die Pharma-Industrie scheint erstgenannte Stiftung attraktiver, man ist näher an den therapeutischen Entscheidungsträgern. Und auf Regierungsebene?


Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die viele Familien betrifft. Eine Diabetes-Erkrankung kann in vieler Hinsicht schicksalhaft existenzbedrohend sein. Diabetes muss man ernst nehmen - Propaganda und Parolen sind hier nicht wirklich hilfreich. (Bernd Franz, Vorstandsvorsitzender  Diabetikerbund Bayern e.V.)