Parallel zur Landesversammlung in Bad Windsheim fand am letzten Oktobersamstag der Dingolfinger Diabetestag statt.
Frau Dr. Opitz, Diabetologin und Veranstalterin, eröffnete das Vortragsprogramm mit dem Thema „Probleme im Rahmen der Insulintherapie – gestern und heute“. Der einst vorhandene Beschaffungsengpass beim tierischen Insulin wurde durch die gentechnische Herstellung von Insulin beseitigt. Die kurzwirksamen Insulinanaloga nähern sich der physiologischen Bolusinsulinwirkkurve an. Heute liegt die Problematik der Insulintherapie in den verfügbaren Basalinsulinen.
Neues Basalinsulin Tresiba®
Bislang ist es noch nicht möglich, Basalinsuline so zu verändern, dass sie mit der physiologischen Basalinsulinwirkkurve des Stoffwechselgesunden zur Deckung gebracht werden können. Die Folge dieses Umstandes sind Hypoglykämien (Unterzuckerungen). Je flacher die Wirkkurve des Basalinsulins, je länger deren Wirkung, je geringer die intraindividuelle Variabilität umso niedriger die Hypoglykämierate. Frisch auf dem Markt ist jetzt das neue Basalinsulin Tresiba® mit einer 24-Std.-Halbwertszeit, einer variablen Applikationsmöglichkeit und geringer intraindividueller Variabilität, das Frau Dr. Opitz in diesem Zusammenhang vorstellte.
Autonome Neuropathie
Professor Dr. Pehl, Diabetologe, Endokrinologe, Chefarzt der inneren Abteilung des Krankenhauses Vilsbiburg, berichtete über die im Rahmen des Diabetes auftretenden Funktionsstörungen des Magen-Darm-Trakts. Ursache ist die autonome Neuropathie, eine Nervenstörung des autonomen Nervensystems, ausgelöst durch schlechte Blutzuckereinstellung. Treten Funktionsstörungen im Magen-Darm-Trakt auf, müssen zunächst andere Ursachen (z.B. eine Krebserkrankung) durch Funktions- und weitere Untersuchungen ausgeschlossen werden. Handelt es sich um einen Reflux (Rückfluss von Magensaft) in die Speiseröhre, sollte eine Manometrie erfolgen. Bei Beeinträchtigung der Magenpassage, die zu 80 % verzögert, zu 20 % beschleunigt sein kann und verbunden ist mit den Symptomen Völlegefühl, Übelkeit und Schmerzen, sollte eine Messung der Magenentleerung mittels Szintigraphie erfolgen.
Was kann man tun?
Bestätigt sich als Ursache eine autonome Neuropathie, können bei beschleunigter Magenentleerung mehrere kleine Mahlzeiten, rasch resorbierbare Kohlenhydrate, Quellstoffe und Medikamente, die die Magenentleerung verzögern, von Vorteil sein, etwa DPP-4-Inhibitoren oder GLP-1-Rezeptoragonisten. Handelt es sich um eine verzögerte Magenentleerung, sind fett- und ballaststoffarme Mahlzeiten zu bevorzugen. Eine aufrechte Körperhaltung nach dem Essen, passierte und flüssige Kost sind hilfreich, manchmal auch der operative Einsatz von Neurostimulatoren im Magen. Bei einer Magenentleerungsstörung muss die Insulingabe zeitlich angepasst werden. Ist der Enddarm betroffen, leidet der Patient an der diabetischen Diarrhoe (Durchfall), die oft nachts auftreten kann und gekennzeichnet ist durch wässrige, voluminöse Stühle mit plötzlichem Stuhldrang, im Wechsel mit normalem Stuhl und Obstipation (Verstopfung). Auch hier ist eine sorgfältige Abklärung anderer Ursachen nötig. Quellstoffe wie Flohsamen neben Loperamid® sind von Nutzen. Insgesamt riet Prof. Pehl dringend, auf die konstant gute Blutzucker-Einstellung zu achten, denn nur durch eine gute Blutzucker-Einstellung können die Spätfolgen am Magen-Darm-Trakt vermieden werden.
Herzrhythmusstörungen bei Diabetes
PD Dr. med. Zrenner, Chefarzt der Medizin I am Krankenhaus Achdorf, berichtete über Ursachen von Herzrhythmusstörungen bei Diabetikern, die immer noch 80 % der Todesfälle ausmachen. Rhythmusstörungen, so PD Zrenner sind immer Folge einer Erkrankung. Der Diabetes kann eine Gefäßsklerose verursachen, den Herzmuskel direkt schädigen und das autonome Nervensystem befallen – es steuert die Herzfrequenz und kann im Falle einer Schädigung zu Tachykardien (beschleunigter Herzschlag) oder Bradykardien (zu niedrige Herzfrequenz) führen. Der Herzrhythmus kommt durch Reizbildung und Weiterleitung dieses Reizes zustande. Die Störung kann im Reizbildungszentren und in der Reizleitung liegen. Die Diagnostik erfolgt mittels Ruhe-, Belastungs- und Langzeit-EKG. PD Zrenner erläuterte Details im EKG, zeigte bradykarde Rhythmusstörungen, die mittels Schrittmacher zu behandeln sind, und tachykarde Rhythmusstörungen in Form von Kammerflimmern, Kammerflattern, Kammertachykardien, die zum plötzlichen Herztod führen. Bei der Erkrankung im Bereich des Vorhofs, dem Vorhofflimmern, kann die Therapie der Wahl eine Ablation des Reizbildungszentrums (Herzkatheter-Eingriff – Gewebe, das die Störung hervorruft, wird verödet) sein.
Dr. Hatzl, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Krankenhaus Achdorf, stellte zuerst den neuen Hybrid-Operationssaal des Krankenhauses Achdorf vor. Hier werden die Abläufe und Strukturen im Funktions- und Pflegebereich untereinander und miteinander bestens abgestimmt. Strengste Hygienestandards sind verbunden mit moderner Technik – Operationseinrichtungen, die sonst nur auf Universitätsebene vorhanden sind. Chefarzt Hatzl besprach die möglichen Gefäßoperationen und stellte die konventionellen Eingriffe und Katheterverfahren vor. Er reichte als Anschauungsmaterial ein Stent durchs Auditorium und gab Tipps zur richtigen Behandlung des diabetischen Fußes. Die Wunde muss gereinigt werden. Chefarzt Hatzl bevorzugt die chirurgische Abtragung des Debridement (geschädigtes oder abgestorbenes Gewebe). Wundursachen müssen beseitigt, Infektionen vermieden werden. Hierbei plädiert Chefarzt Hatzl für die lokale Behandlung mit Wundantiseptika.
Adipositas-Chirurgie in Deutschland
Adipositas-Chirurgie: Seit 2010 ist das Krankenhaus Achdorf Adipositas-Zentrum mit Diagnostik und Behandlung nach strukturiertem Ablauf. Die Krankenzimmer sind für übergewichtige Patienten konzipiert. Vor der Operation muss der Patient die konservativen Therapieverfahren wie Ernährungsberatung, Physiotherapie, Sportprogramme, psychologische Betreuung durchlaufen. Dabei fällt eine Eigenbeteiligung des Patienten von ca. 300 Euro an. Nach Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse kann der Patient der Operation zugeführt werden. In England, so Oberarzt Dechantsreiter, Krankenhaus Achdorf, ist das präoperative Prozedere wesentlich unkomplizierter. Offensichtlich werden in England die Kosten rund um die Operation im Vergleich zu den Folgekosten stark übergewichtiger Patienten gering geachtet. Operiert wird minimal-invasiv über kleine Schnitte, auch bekannt als Schlüssellochchirurgie. Mittels einer hochauflösenden Kamera wird der Zugangsweg in den Körper klein gehalten. Das ist für den Patienten weniger belastend und mit weniger Komplikationen behaftet. Magenband- oder Bypass-Operation sind nicht mehr Standard. Die besten Ergebnisse werden mit der Magenschlauch-Operation erzielt, wenn der Patient bei konservativen Abnehmverfahren Eigeninitiative gezeigt hat und die Schwierigkeit im Halten des reduzierten Gewichts lag, so Oberarzt Dechantsreiter. Mit diesem Vortrag endete der Dingolfinger Diabetestag 2014 gegen 13 Uhr.
Infostand mit Hans Kahle
Hans Kahle verzichtete zugunsten des Info-Stands in Dingolfing auf seine Teilnahme an der Landesversammlung in Bad Windsheim. Er beriet zahlreiche Interessenten zu allen Fragen zum Verband und rund um Diabetes, danke! Vielen Dank auch an Frau Dr. Opitz für die Einladung und diesen sehr informativen Tag. (Florentine Opitz)
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