Berichte

Insulinimpfung in Primär- und Sekundärprävention, duale Antikörpertherapie in der Tertiärprävention

Frau Dr. Opitz informierte die Besucher des Diabetestages in der vhs Dingolfing über die im Versuchsstadium seiende Impfung gegen Typ 1-Diabetes in der Primär*– und Sekundärprävention.

 

Grundlage ist die vom Institut für Diabetesforschung (IDF) München unter Leitung von Frau Prof. Anette-G. Ziegler durchgeführte FR1DA-Interventionsstudie - eine vom Gesundheitsministerium unterstützte großangelegte Screeninguntersuchung auf Typ 1-Diabetes für Kinder im Alter von 2–5 Jahren. Kinder, die hier antikörperpositiv getestet wurden und einen normalen oralen Glukosetoleranztest aufweisen, können an der FR1DA-Insulin-Studie teilnehmen. Sie erhalten eine Kapsel Insulinpulver pro Tag, unter regelmäßigen Laborkontrollen. Damit erhofft man sich eine Zunahme der regulatorischen T-Zellen, die den Autoimmunprozess verhindern oder das Fortschreiten verzögern sollen. Die PrePointearly Studie, eine Primärpräventionsstudie, lässt diesbezüglich hoffen. Eine stoffwechselbeeinflussende Wirkung ist bei Zufuhr von Insulin als Pulver nicht zu erwarten.

In der Frühphase des Diabetes, bei noch erhaltener Insulinrestsekretion, gibt ein Versuch an der IDDM-Ratte, deren Pankreas dem menschlichen sehr ähnlich ist, berechtigten Grund zur Hoffnung für die Tertiärprävention. An der Universität Hannover, unter Leitung von Prof. Lenzen, gelang es durch die Gabe von zwei unterschiedlich wirkender Antikörpern, den Autoimmunprozess des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) zu stoppen, die leukämischen Infiltrate des Pankreas waren nicht mehr nachweisbar, die Stoffwechsellage im Normbereich. Unerwünschte Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten. Voraussetzung ist die noch 20–30% erhaltene Restfunktion der Bauchspeicheldrüse. Außer der bekannten Inselzelltransplantation und der optimierten Insulinzufuhr konnte Frau Dr. Opitz in der Spätphase der Tertiärprävention nichts berichten.

 

Der 2. Teil des Nachmittags war dem Typ 2 Diabetes gewidmet. Wie kann ich den Schlaf zum Fettabbau nutzen und so neben der Berücksichtigung der Energiebilanz effektiv agieren? Frau Dr. Opitz stellte in diesem Zusammenhang das Melatonin und das Wachstumshormon vor. Die Rezeptoren von Melatonin, einem Hormon, das vornehmlich nachts in der Zirbeldrüse und im Darm produziert wird, sind auf den ß-Zellen lokalisiert und stimulieren Insulin umgekehrt proportional, d.h. nachts gering, tags hoch, was, zusammen mit der Wirkung des Wachstumshormons (= Insulingegenspielerhormon) zur Gewichtsreduktion führt, sofern nicht Schichtarbeit den Rhythmus stört und die Schlafdauer mindestens 6,5 Stunden beträgt. Beim Abendessen sollte bei Wunsch nach Gewichtsabnahme auf eine Verringerung der Kohlenhydrate geachtet werden. Kohlenhydratzufuhr führt sechs Stunden lang zur Insulinfreisetzung, was den Fettabbau um 30% reduziert. Je früher das Abendessen eingenommen wird, umso kürzer ist die Zeit des reduzierten Fettabbaus in der Nacht. Frau Dr. Opitz berichtete über die beim Übergewichtigen auftretende Insulinresistenz als Folge der gestörten Sekretion der Fettgewebshormone, die zu einer Endlos-Entzündung des Fettgewebes führt mit fehlender Regulation wichtiger Körperfunktionen. Auch der neu erkannten regulativen Funktion des Gehirns im Zusammenhang mit dem Energiehaushalt, dem Glukosehaushalt und dem Essverhalten wurde Rechnung getragen.

 

Es war eine angenehme Veranstaltung mit überaus interessierten Besuchern, was in den jeweiligen Fragen und Diskussionsbeiträgen zum Ausdruck kam. (Dr. Florentine Opitz)

 

* Primärprävention: Sie hat das Ziel, die Entstehung der Erkrankung zu verhindern. Das Kind ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig gesund und hat auch keine Antikörper.
Sekundärprävention: Hier sind schon Antikörper vorhanden – sie soll das Fortschreiten des Autoimmunprozesses und somit der Ausbruch des Diabetes verhindertn.
Tertiärprävention: Das Kind ist jetzt schon an Diabetes erkrankt – jetzt geht es um den Erhalt der Restfunktion der Insulinproduzierenden Zellen.