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Typ 1-Diabetes entwickelt sich in verschiedenen Stadien

Gemeinsam mit der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) empfehlen führende Diabetesexperten, die bisherige Klassifikation und den Diagnosezeitpunkt von Typ 1-Diabetes zu verändern: Die Autoimmunerkrankung beginnt nach neueren Erkenntnissen lange, bevor sich Symptome zeigen.

Deshalb hat die Forschergruppe um Prof. Anette-G. Ziegler als deutsche Beteiligte zusammen mit internationalen Wissenschaftlern in der Zeitschrift Diabetes Care ein Drei-Stadien-Modell skizziert, mit dem sich Typ 1-Diabetes frühzeitig diagnostizieren lässt. Der Vorteil: Betroffene können mit Hilfe von Autoantikörper-Tests erfahren, ob sie an einem Prädiabetes, einer Vorstufe von Typ 1-Diabetes, erkrankt sind und möglicherweise an einer Präventionsstudie teilnehmen. „Wir wissen, dass Typ 1-Diabetes lange vor dem Zeitpunkt entsteht, wenn die Zuführung von Insulin unabdingbar wird. Die beste Zeit, um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, dürfte die Zeit vor dem Verlust der Insulin produzierenden Betazellen im Pankreas sein“, sagt Richard Insel, M. D., Wissenschaftlicher Direktor und Studienleiter der JDRF.


Heute wird Typ 1-Diabetes in der Regel erst diagnostiziert, wenn sich Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, starke Gewichtsabnahme oder Müdigkeit bemerkbar machen. Bei jedem dritten Krankheitsfall wird die Diagnose sogar erst gestellt, wenn der Patient als Notfall mit einer Ketoazidose (Stoffwechselentgleisung) ins Krankenhaus eingeliefert wird. Das müsste nicht sein: Jetzt haben die internationalen Wissenschaftler in einer Übersichtsarbeit drei Stadien des Typ 1-Diabetes klassifiziert - die Autoimmunerkrankung lässt sich bereits Monate oder Jahre vor Auftreten der ersten Symptome diagnostizieren.


Stadium 1
Im 1. Vorstadium sind zwei oder mehr Inselautoantikörper nachweisbar, welche für Typ 1-Diabetes spezifisch sind. Meist beginnt der Autoimmunprozess mit Autoantikörpern gegen das Insulin (IAA). In dieser Prädiabetes-Phase liegen die Blutzuckerwerte im Normbereich. Treten die ersten Autoantikörper bereits in jungem Lebensalter auf, liegen mehrere von ihnen vor oder kommen sie in einer höheren Konzentration vor ist mit einem schnellen Fortschreiten des Autoimmunprozesses hin zum Typ 1-Diabetes zu rechnen.


Stadium 2
Der Autoimmunprozess ist auf Grund der zunehmenden Zerstörung der insulinbildenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse mittlerweile so weit fortgeschritten, dass sich neben den Inselautoantikörpern eine Glukoseintoleranz oder eine Störung des Glukosestoffwechsels messen lassen.


Stadium 3
Die Erkrankung bricht aus: Typische klinische Symptome treten auf.


Enge Verwandte von Personen mit Typ 1-Diabetes haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko: Die Forschung kennt rund 50 Genvarianten, die einen Typ 1-Diabetes begünstigen. Allerdings haben 85 Prozent von 150.000 Individuen, bei denen ein Typ 1-Diabetes frisch diagnostiziert wurde, keinen Diabetesfall in der Verwandtschaft. Denn auch verschiedene Umweltfaktoren fördern den Krankheitsausbruch. Im Verdacht stehen eine Geburt per Kaiserschnitt, verschiedene Virusinfektionen, die Zusammensetzung der Darmflora und eine Antibiotika-Einnahme.


Was nützt das Wissen zum Prädiabetes?


Studienteilnehmer, bei denen vorab eine Vorstufe des Typ 1-Diabetes nachgewiesen wurde und die unter medizinischer Kontrolle standen, hatten nachweislich bei Auftreten der ersten Symptome seltener Stoffwechselentgleisungen und wiesen zum Diagnosezeitpunkt einen besseren Blutzuckerwert auf. Der Diabetes ließ sich besser einstellen, weshalb sie seltener oder kürzer im Krankenhaus betreut werden mussten als diejenigen Patienten, bei denen die Erkrankung vollkommen überraschend eintrat. Da die Insulinbehandlung bei den Studienteilnehmern frühzeitig aufgenommen werden konnte, mussten in den ersten zwölf Monaten der Therapie geringere Mengen an Insulin verabreicht werden.


„Diese Vorteile werden in Zukunft noch um präventive Behandlungsoptionen ergänzt werden“, so Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München. Ihre Forschergruppe prüft derzeit in mehreren Studien die Effektivität einer Schutzimpfung mit Insulin. Personen mit einem Prä-Typ 1-Diabetes soll die Teilnahme an einer Präventionsstudie offenstehen.


Weitere Informationen:
Institut für Diabetesforschung
<link http: www.helmholtz-muenchen.de idf>Helmholtz Zentrum München
Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Tel. 0800-828 48 68 (kostenfrei)
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de