Berichte

Dialyse - eine lebenserhaltende Therapie

Zwiesel - Am 19. April besuchte die Diabetiker-Selbsthilfegruppe Regen-Zwiesel die Dialysestation am Krankenhaus Zwiesel. Gruppenleiter Josef Lallinger und der Leiter der Dialysestation Dr. Martin Kammerl begrüßten 20 Besucher in der Cafeteria des Krankenhauses.

Dr. Martin Kammerl erläuterte zu Beginn seines Vortrages den Nierenaufbau. Jede Niere hat ein Gewicht von 120 – 200 g und ist ca. 12 cm lang. Bei Nieren ist die Durchblutung sehr wichtig, die Durchflussmenge beträgt ca. 1,2 l/min, das entspricht 25 % der Blutmenge, die das Herz pro Minute pumpt. Die Nieren produzieren am Tag 180 l Primärharn, welcher zu 1,8 l Urin am Tag eingedickt und ausgeschieden wird.

 

Ursachen für Dialysepflichtigkeit

 

Dr. Martin Kammerl zeigte mit einer Folie, welche Ursachen es für Dialysepflichtigkeit gibt:

  • 24 %   Diabetes Typ 2
  • 4 %     Diabetes Typ 1
  • 16 %   Gefäßveränderungen
  • 19 %   Entzündungen an den Gefäßknäuel der Nieren
  • 7 %     Zystennierenerkrankungen
  • 10 %   unbekannte Diagnosen

Bei Diabetikern tritt eine Nierenschädigung durch erhöhten Blutzucker auf, dies betrifft bis zu 45 % der Diabetiker. Ein erhöhter Blutdruck schadet zusätzlich.

Die Niere besteht aus vielen kleinen Knäuel, diese können bei Zuckerkranken „verklumpen“. Erster Hinweis auf eine Nierenschädigung durch Diabetes ist häufig eine erhöhte Albuminausscheidung im Urin. Dieser Test heißt Mikroalbuminurie-Test und kann vom Hausarzt durchgeführt werden.

Ein hoher Blutdruck, welcher ab Werten von 140/90 mmHg vorliegt, schädigt die Nieren zusätzlich: Durch mechanische Belastung können die Gefäße in den Nieren sich zunächst verdicken, dann verschließen, es kann eine Schrumpfniere auftreten. Es sollten bei Diabetikern daher möglichst Blutdruckwerte unter 140 mmHg systolisch und diastolisch ein Zielblutdruck von 80 mmHg erreicht werden.

Außerdem sollten bei Nierenschwäche nierenschädigende Medikamente wie z.B. das Schmerzmittel Ibuprofen vermieden werden. Die Trinkmenge und Kalium- und Phosphat-Aufnahme sollte an die Nierenfunktion angepasst werden.

Bei zunehmender Verschlechterung der Nierenfunktion ist eine Nierenersatztherapie (Dialyse) erforderlich. Diese dient der Entfernung von:

  • harnpflichtigen Stoffen
  • überschüssigem Wasser, Blutsalzen, wobei eine „Waschlösung“ eingesetzt wird

Die erste erfolgreiche Dialysebehandlung am Menschen wurde 1945 von Willem Kolff in Holland bei Frau Sophia Schafstadt durchgeführt, welche dadurch ein Nierenversagen überlebte.

 

Bauchfell- und Hämodialyse

 

Heute stehen prinzipiell 2 verschiedene als gleichwertig einzustufende Dialyseverfahren zur Verfügung:

  • Eine Bauchfelldialyse kann zuhause 4–5 mal am Tag und 7 mal in der Woche durchgeführt werden. Dabei wird übers Bauchfell mittels Katheter mit der Waschlösung der Körper entgiftet. Der Vorteil darin ist die zeitunabhängige, kontinuierliche Therapie und wenig Blutverlust. Die Nierenrestfunktion kann mit der Bauchfelldialyse oft länger erhalten werden. Die Nachteile der Bauchfelldialyse mittels Katheter durch das Bauchfell ist die Infektionsgefahr, Lagerung von Verbrauchsmaterial und Abfall, sowie die Häufigkeit des Wechsels der Waschlösung.
  • Bei der Hämodialyse erfolgt die Blutreinigung außerhalb des Körpers. Als Gefäßzugang dient ein spezieller Katheter oder ein häufig am Arm angelegter Dialyse-Shunt. Über den Gefäßzugang kann das Blut mit einem Fluss von 200-300  ml/min durch die Dialysevorrichtung gepumpt und gereinigt werden. Die Behandlung dauert meist 4–5 Stunden und wird in der Regel dreimal wöchentlich in einer Dialysestation durchgeführt. Es können solche Dialysen zum Teil auch zuhause durchgeführt werden.

Dr. Martin Kammerl zeigte einen Behandlungsablauf auf: Der Patient wird mit dem Taxi oder Krankenwagen gebracht, danach erfolgt eine Gewichtsmessung, um die Gewichtszunahme seit der letzten Behandlung zu erfassen. Man weiß dann, wie viel Flüssigkeit man dem Körper entziehen muss. Es werden noch verschiedene Überwachungsgeräte angeschlossen, bis der Patient mit dem Dialysegerät verbunden wird.

Während der Behandlungsdauer von 4-5 Stunden liegt man im Bett und kann Lesen, Fernsehen, Essen, Gespräche führen. Am Ende der Behandlung wird man vom Gerät abgehängt, nach einer erneuten Gewichtskontrolle darf man nach Hause gehen.

Auch die Nierentransplantation sprach Dr. Martin Kammerl an: Es müssen die Einverständniserklärungen der Angehörigen vorliegen und der Hirntod von zwei unabhängigen Ärzten festgestellt werden, um Organe entnehmen zu dürfen. Der Organempfänger muss nach der Transplantation ständig Medikamente gegen die Abstoßreaktion des Körpers einnehmen. Die eigenen Nieren werden nicht entfernt, sie verbleiben im Körper, die neue Niere wird ins Becken transplantiert.

 

2.500 Nierentransplantationen/Jahr

 

Es werden ca. 2.500 Nieren pro Jahr transplantiert – dem gegenüber stehen 9.000 Patienten, die auf eine Niere warten. Die Wartezeit beträgt daher ca. 5–6 Jahre. Es gibt vier Nierentransplantationszentren in Bayern: Würzburg, Erlangen, Regensburg und München.

Nach diesem ausführlichen Vortrag begaben sich die Teilnehmer unter Führung von Dr. Martin Kammerl auf die Dialyse-Station. Es sind sehr helle lichtdurchflutete Räume. Es gibt vier Behandlungsräume mit 18 Dialyseplätzen, in denen in drei Schichten jeweils Montag – Mittwoch - Freitag von 6 Uhr bis 23 Uhr gearbeitet wird.

 

Dialysestation - LIVE

 

Man konnte alles, was im Vortrag gesagt wurde, live erleben, und es waren auch Patienten zu einem persönlichen Gespräch bereit. Zum Schluss führte uns Dr. Martin Kammerl in den Keller, wo die Wasseraufbereitungsanlage installiert ist. Darin wird dem Stadtwasser mittels einer Enthärtungsanlage Kalk entzogen und durch die Umkehrosmoseanlage Salze entfernt, danach ist das Wasser mit destilliertem Wasser vergleichbar. Anschließend werden ihm noch benötigte Konzentrate beigemischt, die zur Dialyse notwendig sind. So wird die „Waschlösung“ erzeugt. Der Wasserverbrauch beträgt bis 1000 l pro Stunde.

Bei allen Teilnehmern hinterließen Vortrag und Besichtigung einen positiven Eindruck – sollte der Fall eintreten, weiß man nun, was kommt und wo man gut aufgehoben ist.

Nach der Führung bedankte sich Josef Lallinger bei Dr. Martin Kammerl für den Vortrag und die Führung durch die Dialysestation und überreichte ihm ein Geschenk.

 

Josef Lallinger