Experten-Netzwerk will Zahl der Amputationen verringern
Jedes Jahr werden mehrere tausend vermeidbare Amputationen bei Diabetikern durchgeführt. Um dies zu ändern, tritt das Fußnetz München e.V. an – ein Netzwerk aus Fachärzten und Spezialisten, die Hand in Hand an der Versorgung der betroffenen Patienten arbeiten.
Die Zahlen sind erschreckend: Alljährlich werden in Deutschland 62.000 Amputationen vorgenommen – Hauptursache: Diabetes mellitus. Für viele Patienten sind die Folgen fatal: Mehr als ein Drittel der Diabetiker stirbt ein Jahr nach der Amputation, rund die Hälfte innerhalb von drei Jahren und etwa zwei Drittel innerhalb von fünf Jahren. Bei der Hälfte der Beinamputierten musste innerhalb der nächsten vier Jahre auch am anderen Bein amputiert werden. Nach Oberschenkelamputation muss mehr als die Hälfte dieser Patienten in einem Pflegeheim betreut werden, bei Unterschenkel-Amputierten sind 30 Prozent nicht mehr gehfähig. Die Reha-Maßnahmen und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind mit hohen Kosten für Gesundheitssystem und Rentenkassen verbunden.
Spezialisten oft nicht verfügbar
Eine der Ursachen für die hohen Amputationszahlen in Bayern und ganz Deutschland ist, dass für die Behandlung des sogenannten Diabetischen Fußsyndroms (DFS) eine ganze Reihe von Spezialisten notwendig sind. Doch die sind oft nicht verfügbar. Hinzu kommt, dass viele niedergelassene Hausärzte und Internisten nicht ausreichend in der Behandlung des DFS ausgebildet sind und eine gute ambulante Versorgung oft schon an den Abrechnungsmodalitäten des Gesundheitssystems scheitert.
Dass es auch anders geht, will das von Dr. Arthur Grünerbel (Foto) gegründete Fußnetz München e.V. beweisen – ein Zusammenschluss von über 50 Fachärzten und Spezialisten, der nach dem Vorbild des erfolgreichen Kölner Netzwerks Diabetisches Fußsyndrom die Versorgung von DFS-Betroffenen optimieren will. Das Ziel des Vereins: durch frühzeitige optimale Therapie möglichst viele Amputationen verhindern, viel Leid vermeiden und mittelfristig auch die Behandlungs- und Folgekosten senken. Das Fußnetz München e.V. ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, in dem sich Diabetologische Schwerpunktpraxen, Fußambulanzen, Kliniken, Angiologen, Radiologen und interventionelle Radiologen, Fußchirurgen, Gefäßchirurgen und plastische Chirurgen, Orthopäden, Orthopädieschuhmacher und Orthopädietechniker, Podologen und Pflegedienste zusammengeschlossen haben.
Hochwertige flächendeckende Betreuung
Mit abgestimmten Behandlungskonzepten, gemeinsamer Betreuung der Patienten und intensivem kollegialen Austausch will das Fußnetz München e.V. eine hochwertige, flächendeckende und wirtschaftliche Versorgung erzielen. Dazu sind auch intensive Gespräche mit den verschiedenen Krankenkassen nötig. Die sind zwar grundsätzlich an einer besseren Fußversorgung ihrer Mitglieder interessiert, viele halten sich aber vor dem Hintergrund des neu eingeführten Gesundheitsfonds mit Vertragsabschlüssen derzeit noch zurück. Die einzige Krankenkasse, mit der derzeit ein Versorgungsvertrag seit Erscheinen dieses Heftes in Kraft getreten ist, ist die KKH-Allianz.
Interessenten können unsere Mitglieder auf der Homepage www.fussnetz-muenchen.de finden. Eine Ausweitung in der Fläche und mit anderen Krankenkassen ist mittelfristig geplant. Denn eines ist sicher: Mit einer integrierten Versorgung nach den Vorstellungen des Vereins werden viele unnötige Amputationen verhindert werden.
Dr. Arthur Grünerbel, Diabetologe DDG



