Während der DDG-Tagung (Deutsche Diabetes-Gesellschaft e.V.) im Mai 2012 beschloss die Delegiertenversammlung von diabetesDE die Gründung einer bundesweit selbstständigen Patientenorganisation „Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes e.V.“. Das ist eine klare Kampfansage gegenüber uns, dem DDB, der Patientenorganisation, die die Interessen der Diabetiker, Ihre Interessen, vertritt.
Die Organisation DiabetesDE besteht aus
- der DDG – Ärzteorganisation
- dem VDBD - Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V.
- und Betroffenen/Interessierten
Das hört sich zunächst gut an, auch die Präambel fördert diesen Eindruck:
Präambel diabetesDE
In Deutschland leiden mehr als sieben Millionen Menschen an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus; die Dunkelziffer wird auf weitere drei Millionen Betroffene geschätzt. Im Laufe der Jahre haben sich Selbsthilfegruppen, medizinische Fachgesellschaften und Organisationen gebildet, um einen wirksamen Austausch untereinander, die Aufklärung der Öffentlichkeit zu Erscheinungsweisen und Folgen dieser Erkrankung sowie die Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Therapien voranzubringen. Um durch Bündelung der gemeinsamen Kräfte eine wirksamere Arbeit leisten zu können, wird auf Initiative der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und des Verbandes der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) die gemeinsame Allianz diabetesDE entwickelt.
diabetesDE ist die Vereinigung aller Menschen mit Diabetes, aller auf dem Gebiet des Diabetes mellitus tätigen Ärzte und Forscher, aller Angehörigen von Heilberufen und Berater sowie aller Personen, die an den Problemen des Diabetes mellitus und der von dieser Krankheit Betroffenen interessiert sind.
Das ist das, was der Öffentlichkeit ins Auge sticht, denn VIELE beschäftigen sich nicht intensiver mit den Details. Es fällt auf: Wo in der Präambel Aufzählungen zu finden sind, stehen die Patienten an erster Stelle, was vermuten lässt, dass Betroffene das Wichtigste sind – anders sieht es weiter unten in der Satzung aus: Bei Entscheidungsbefugnissen (Delegiertenversammlung und Vorstand) sind Patienten unterrepräsentiert und haben gegenüber den Profis DDG und VDBD keine reelle Chance – und von einer solchen Organisation sollen sich Diabetiker vertreten lassen?
Es gibt Beispiele von funktionierenden gemeinsamen Organisationen, z.B. diabetesUK in Großbritannien oder ADA, die große amerikanische Diabetes-Organisation – der wesentliche Unterschied aber ist das Gleichgewicht der Kräfte und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Das ist bei diabetesDE nicht gegeben.
Das war auch der Grund, weshalb der DDB kein Bündnis mit diabetesDE eingegangen ist. Viele Verhandlungen wurden geführt und vom DDB als Patientenorganisation Satzungsänderungen gefordert, die das Gleichgewicht der Kräfte hergestellt hätten. Ein Zweikammermodell wie in Großbritannien lehnten die Delegierten von diabetesDE mit ihrer Übermacht professioneller Stimmen aber ab. Dabei waren wir einmal nahe dran: Im Januar 2010 trafen sich die Vorstände und Geschäftsführer von diabetesDE und DDB in Meiningen zu konstruktiven Gesprächen. Ergebnis waren die Meininger Erklärungen (s. Kontakt 02/2010, Download im internen Mitgliederbereich).
Präambel der Meininger Erklärungen (Januar 2010):
Gemeinsamkeit zum Wohle der Patienten
Trotz aller Bemühungen ist es in Deutschland nicht gelungen, eine Gesamtorganisation im Bereich Diabetes wie in Großbritannien zu schaffen. Aus diesem Grunde streben der Deutsche Diabetiker Bund e.V. und diabetesDE e.V. eine enge Zusammenarbeit an, um gemeinsam für eine möglichst gute Versorgung, Prävention und Forschung zu arbeiten. Die Organisationen DDG, VDBD und DDB bleiben dabei erhalten.
Unter Punkt 3, Prinzipien:
Die Organisationen werden in Zukunft zum gemeinsamen Nutzen zusammenarbeiten und sich informieren und abstimmen. Als Vorbild soll das englische Zweikammermodell mit einer Kammer aus Diabetesfachleuten (DDG und VDBD) und einer Kammer für Betroffene und Interessierte (DDB und gegebenenfalls andere) gelten. Diese Kammern sind gewählte Delegiertenversammlungen, aus denen ein gemeinsamer Vorstand gewählt wird. Diese gemeinsame Organisation soll den Namen diabetesDE tragen.
Dass daraus nichts geworden ist, liegt allein an diabetesDE und den darin organisierten Verbänden der Professionellen. Sie lehnten das gerechte Zweikammermodell mit Zusammenarbeit auf Augenhöhe ähnlich dem Vorbild diabetesUK ab.
Ein Vergleich:
Was würden Sie von einem Zusammenschluss von Arbeitgeberverband und Gewerkschaft halten? Vertreten nicht beide ganz unterschiedliche Interessen? Arbeitgeber brauchen Arbeitnehmer, Ärzte brauchen Patienten und umgekehrt – aber wer sitzt am längeren Hebel? Wer macht mit dem anderen Gewinn? Arbeitgeber und Ärzte oder Arbeitnehmer und Patienten? Doch wohl erstere – also: Warum sollten sich die eh schon Schwächeren von den Stärkeren unterbuttern lassen? Das macht doch keinen Sinn!
Warum gründet diabetesDE ausgerechnet jetzt eine neue Patientenorganisation? Die Gelegenheit ist günstig: drei Landesverbände des DDB – Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bremen haben ihre Mitgliedschaft im Bundesverband zum 30. Juni gekündigt. Die Gründe sind für uns in keinster Weise nachvollziehbar. Der Bundesverband ist in jeder Hinsicht besser aufgestellt denn je, vertritt uns kompetent in wichtigen Gremien (z.B. dem G-BA) und hat viele neue Mitgliederleistungen, die lange notwendig waren, auf die Beine gestellt – bald gibt es wieder Neues zu verkünden. Mehr wird erst verraten, wenn alles unter Dach und Fach ist.
DiabetesDE bzw. die Deutsche Diabetes-Hilfe wirbt mit vielem und bietet objektiv viel weniger für Betroffene, aber sie haben, finanziert durch die Ärzte, mehr Mittel für Öffentlichkeitsarbeit und Profis mit den richtigen Kontakten - so schaffen sie es in auflagenstarke Zeitschriften wie z.B. die Hörzu. Ziel ist primär nicht die Patientenvertretung, sondern die zahlenmäßig größte Organisation zu werden. Sie wollen nur Ihr Geld/Ihre Mitgliedschaft und sonst nichts!
Wir – der Diabetikerbund Bayern und der DDB setzen uns für Patientenrechte und Patienteninteressen ein – gemeinsam mit Ärzteorganisationen, aber auf Augenhöhe.
Die Mitglieder der ausgetretenen Landesverbände und natürlich weitere Betroffene und ihre Familien aus diesen Bundesländern finden offene Arme im Bundesverband. Seit Juli sind Landesbeauftragte aktiv: Sie werden nicht allein gelassen! Weitere Informationen hierzu und den Aufnahmeantrag erhalten Sie <link http: www.diabetikerbund.de seite mitgliedschaft>hier bzw. unter der Rufnummer der Bundesgeschäftsstelle 0561/7 03 47 70. Hier die detaillierte <link http: www.diabetikerbund.de presse ddb-selbsthilfe-und-patientenvertretung>Stellungnahme des Bundesverbands. (Marion Köstlmeier)

