Kolumne

Abenteuer Leben

Hinter mir und meiner Familie liegen aufregende Monate: Unsere älteste Tochter hat im Wonnemonat Mai geheiratet!


Als Eltern denkt man in der Vorbereitungszeit natürlich an den eigenen Start zurück: Wir haben uns damals genau so mutig und entschlossen auf den gemeinsamen Weg gemacht, uns wenig dreinreden lassen und so manche Warnung in den Wind geschlagen. Auch für uns hing der Himmel voller Geigen, aber wir wissen es alle: Irgendwann kommt der Alltag und damit gilt es, die Höhen und Tiefen des Lebens gemeinsam zu meistern. Ich wünsche den beiden, dass ihnen dies gelingen möge – so, wie es ihren jeweiligen Elternpaaren bisher geglückt ist, in der heutigen Zeit alles andere als eine Selbstverständlichkeit.


In der Vorbereitung des Festes wurden eine Vielzahl Fotoalben und Bilderverzeichnissen durchkämmt – die Trauzeugen brauchten Material für so manche Überraschung, die dem Brautpaar und den Gästen noch lange in Erinnerung bleiben werden. Die bildlichen Dokumente ließen viele Erinnerungen hochkommen: Der erste Schrei, der erste Schritt, der Kampf um einen Kindergartenplatz, die Einschulung, positive und negative Lehrergespräche, Hausaufgabennöte, die Freude über den geschafften Übertritt und später den Schulabschluss. Alte und neue Freundschaften, Erfolge und Niederlagen, Krisen mit großer Seelennot - sehr dramatisch mittendrin, im Rückblick und mit dem Abstand alles halb so schlimm. Nicht zu vergessen die auf allen Seiten nicht einfache Phase der Pubertät, in der Eltern schwierig wurden und die Freunde im Mittelpunkt standen - Dynamit lag so manches Mal in der Luft.


Wo sind all die Jahre geblieben? Schnell sind unsere Mädels groß und selbstständig geworden, alle Schwierigkeiten längst überwunden.


Eines Tages stand sie da – mit ihrem Traumprinzen, der auch schnell das Herz der restlichen Familie, und besonders das des sehr kritischen Vaters, eroberte. Und jetzt war er da, der große Tag.


Nachdem am Abend zuvor noch Panik wegen eines Handtaschendefekts (Reißverschluss I.) aufgekommen war, der natürlich sofort behoben wurde, war die Braut am Hochzeitstag die Ruhe selbst. Sie aß sogar mit Appetit ihr Frühstück – die erste Sorge hatte sich von ganz alleine in Luft aufgelöst! Dafür kam Reißverschluss II.: Defekt am Kleid einer Trauzeugin! Zum Glück fand sich passender Ersatz im reichen Nähsortiment – die Brautmutter war sinnvoll beschäftigt. Parallel dazu wurden junge Damen und am Ende die Braut hübsch gemacht. Rechtzeitig trafen wir vor der Kirche ein, gespannt erwartet von beiden Familien, Freunden und Kollegen des Brautpaares. Doch wo war der Pfarrer? Stand er noch im Stau? Aufatmen – er war doch schon da und in einem unbemerkten Augenblick in die Sakristei gehuscht – alles gut!


Jetzt konnte es losgehen! Der stolze Papa führte die Tochter in die Kirche und übergab sie an den wartenden und vor Aufregung bibbernden Bräutigam – ein sehr emotionaler Augenblick, in dem nicht nur ich, die Mama, Tränen der Rührung und Freude in den Augen hatte.


Ein rauschendes Fest bei strahlendem Sonnenschein schloss sich an. Band und die Trauzeugen ließen niemals Stillstand aufkommen und ganz nebenbei wurde auch Reißverschlusspanne III. gelöst. Mögen sich alle Hindernisse, die sich den beiden zukünftig in den Weg stellen, so einfach bewältigen lassen.


Wieder hat sich ein junges Paar auf den gemeinsamen Lebensweg gemacht, voller Träume und Hoffnungen auf eine lange, glückliche Zukunft. Am Anfang stand das große Hochzeitsfest, das ihre beiden Familien zusammen führte. Sie und ihre Freunde bilden ihr soziales Netz, auf das sie sich in guten wie in schlechten Zeiten verlassen können.


So viel Glück wünsche ich allen Paaren. Möge ihr gemeinsames Projekt gelingen.


Ihre Marion Köstlmeier