Unter der Schirmherrschaft von Landrat Trapp stand der Dingolfinger Diabetestag am 26. Oktober. Gekommen war auch Max Straubinger, MdB, um zum Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) Stellung zu nehmen. (Gesetz, mit dem unter anderem die frühe Nutzenbewertung eines Arzneimittels eingeführt wurde)
In der frühen Nutzenbewertung muss ein neues Medikament beweisen, dass es einen Zusatznutzen gegenüber einer Vergleichstherapie hat. Nach den bisherigen Entscheidungen stellt sich für Patienten und Ärzte die Frage: Ist personalisierte Therapie des Typ-2-Diabetes und das AMNOG mit den Vergleichssubstanzen Metformin (Erstzulassung 1947) und Sulfonylharnstoff (Erstzulassung 1955) vereinbar?
Ausführlich erläuterte Frau Dr. Opitz die zukunftsorientierte Therapie des Diabetes. Das Wissen um verschiedene Pathomechanismen (Zusammenhänge, die gemeinsam zum Typ-2-Diabetes führen) bei unterschiedlicher genetischer Veranlagung ermöglicht in Zukunft eine „Personenbezogene Therapie“, die Blutzucker-Senkung und Senkung des kardiovaskulären Risikos erreicht ohne das Risiko von Unterzuckerungen und ohne Gewichtszunahme.
Wie entsteht Typ-2-Diabetes?
Leber, Muskel, Bauchspeicheldrüse, Darm, Niere, Fettgewebe und Gehirn sind in die Wechselbeziehungen des Diabetes einbezogen. Frau Dr. Opitz berichtete über neueste Erkenntnisse der sogenannten „zentral-nervösen Insulinresistenz des Gehirns“. Sie zeigte, wie diese zur Ursache eines gestörten Zusammenspiels von peripheren und zentralen Signalen wird, mit der Folge eines gestörten Ess- und Bewegungsverhaltens, was zur Adipositas führt. Über Entzündungsreaktionen in den Zellen des Esszentrums im Gehirn, die biochemisch messbar sind, konnten insbesondere ungesättigte Fettsäuren als Verursacher der Entzündung erkannt werden. Eine Therapieoption könnte eine insulinsensitivierende Therapie des Gehirns sein. Faszinierende Aussichten für die Zukunft, wenn nicht AMNOG alles im Keim erstickte. Eine Nachjustierung dieses Gesetzes ist dringend geboten, insbesondere weil sich die Beurteilung des Gemeinsamen Bundesaussschusses (G-BA) zur Nutzenbewertung auf das Gutachten des IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), einer ausschließlich durch die gesetzlichen Krankenkassen finanzierten Einrichtung, stützt.
AMNOG, G-BA und IQWIG
Auch das Monopol der wissenschaftlichen Deutungshoheit sollte das IQWIG nicht behalten. Fachgesellschaften müssen sowohl bei der Festlegung der Vergleichssubstanz als auch des geforderten Zusatznutzens mindestens mit einbezogen werden. Max Straubinger konnte die Sorgen und Bedenken nicht ganz ausräumen. Er betonte in seinem Statement das gute Funktionieren des deutschen Gesundheitssystems und unterstrich die Möglichkeit einer Nachbeurteilung, sofern der Zusatznutzen eines neuen Arzneimittels nicht festgestellt wurde. Er schlug vor, die personelle Zusammensetzung des G-BA zu verändern.
Die „inkretinbasierten Therapieformen“ wurden von Frau Dr. de Heer, Klinikum München Großhadern, vorgestellt. Unerklärbar: Einigen Arzneimitteln derselben Gruppe wurde ein Zusatznutzen nicht bescheinigt, obwohl der ganzen Gruppe die Blutzucker-Senkung ohne Unterzuckerungsrisiko und ohne Gewichtszunahme eigen ist. Nur der Preis der neuen Medikamente verhindert es, dass diese als die Ideale schlechthin gesehen werden können. Als zweite neue Arzneigruppe stellte Frau Dr. de Heer die „SGLT2-Inhibitoren“ vor, die die Zucker-Rückresorption aus dem Primärharn in der Niere verhindern und ohne Unterzuckerungsrisiko zur Blutzucker-Senkung und Gewichtsabnahme führen.
Anhand von drei Studien, zeigte Chefarzt Neumann die Notwendigkeit der Berücksichtigung des Diabetesalters bei der Wahl des Insulinmanagements. Die ACCORD-Studie, deren Ziel die HbA1c-Absenkung um jeden Preis war, musste wegen vermehrter Todesfälle abgebrochen werden, ohne dass der Nachweis einer signifikanten Verbesserung der makrovaskulären Gefäßveränderungen (Risiko: Herzinfarkt, Schlaganfall) erbracht werden konnte. Ähnliches ergab die VADT-Studie. Im Fazit: aufgrund des Blutzucker-Gedächtnisses ist eine gute Blutzuckereinstellung besonders im jungen Diabetesalter (nicht zu verwechseln mit dem Lebensalter) wichtig. Später birgt eine zu strenge Einstellung mehr Risiken als Nutzen.
Low carb, low fat, eiweißreich - was ist die sinnvollste Ernährung?
In der Therapie des Typ-2-Diabetes wird gefordert: Gesunde, vollwertige Ernährung zur Senkung des Körpergewichts, Blutzuckers und des kardiovaskulären Risikos (Herzinfarkt, Schlaganfall). Dies ist nach Studienlage nur durch eine kohlenhydratreiche, fettmodifizierte Kost gewährleistet. Low carb-Diät, d. h. unter 30-Energie% Kohlenhydrate und eiweißreich, führt zu einer deutlichen Erhöhung des LDL-Cholesterins und damit zum Fortschreiten der Nierenschädigung, einer Zunahme der koronaren Herzerkrankung, einer Zunahme der Mortalität (Sterberate) und Morbidität (Erkrankungsschwere), und, da kohlenhydratreduziert zudem ballaststoffarm bedeuten kann, auch zur Erhöhung des Darmkrebsrisikos. All die genannten Diäten senken den Blutzucker gleich gut, bei der Körpergewichtssenkung liegen „low carb“ und „eiweißreich“ vorne.
Muss der Betroffene abnehmen, sollte er Medikamente, die zur Gewichtszunahme führen, meiden. Herr Chung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig die Beachtung der Wirkweise eingenommener Medikamente ist und wie vorsichtig man sein muss, um nicht unerwünschte Interaktionen (Wechselwirkungen) durch unkontrollierte Einnahmen zu erzielen. Was nützt es, wenn sich ein Fettfilm um die Darmwand legt, aber die Resorption notwendiger Medikamente dadurch behindert wird?
Medikament Bewegung
Am besten und nebenwirkungsärmsten ist, man bedient sich des „Medikaments Sport“, das Frau Dowrtiel mit ihrem Vortrag vorstellte. Trifft man als Diabetiker die notwendigen Vorkehrungen, sind Sport und Bewegung problemlos möglich – man tut etwas für Körper und Seele und hat auch noch Spaß daran!
Den ganzen Vormittag lang hatten die Besucher die Möglichkeit, sich in der breit besetzten Industrieausstellung zu informieren. Mit dabei waren u.a. Selbsthilfegruppen, der Diabetikerbund Bayern e.V., viele Firmen und auch die Bäckerei Radlbeck. Hier konnte man wohlschmeckende, kohlenhydratreduzierte Produkte – Brot und verschiedene Kuchen – probieren. Herr Radlbeck hatte sie im Rahmen der Vortragsreihe schon detailliert vorgestellt. Seine Produkte sind reich an einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und hochwertigen Eiweißen – sie stellen eine echte, gesunde Bereicherung in der täglichen Ernährung dar und können die Lebensqualität des Einzelnen erhöhen. (s. hierzu <link http: www.diabetikerbund-bayern.de berichte article diabetes-interessengemeinschaft-dingolfing-mehr-lebensqualitaet-durch-low-carb-produkte>ausführlicheren Bericht der <link>Diabetesinteressengemeinschaft Dingolfing) (Dr. Florentine Opitz, Marion Köstlmeier)
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