Berichte

Wintertriathlon mit Langzeitdiabetes – Karl-Heinz Rasch weiterhin Weltklasse

35 Jahre schon begleitet der Typ-1-Diabetes Karl-Heinz Rasch. Trotzdem oder gerade deshalb treibt er Sport. Mit diesem Beitrag möchte er Ihnen Mut machen, es ihm gleich zu tun und sich ebenfalls mehr zu bewegen. Auch mit Diabetes ist alles möglich!

Vor 13 Jahren begann ich, mich zunehmend an höheren Leistungen im Sport zu erfreuen. Der erste Versuch - ICT mit Alt- und Verzögerungsinsulin - führte fast regelmäßig zu Hypos, da ich kaum einen zeitlichen Spielraum mit geringer Insulinwirkung hatte, in der ich Sport treiben konnte. Erst seit der Analoginsulin-Ära mit, in meinem Fall, Humalog und Lantus, ist fast alles möglich. Auch im Beruf kann ich mir die störenden Unterzuckerungen mit daraus resultierendem Leistungsabfall oder gar kurzen Ausfällen nicht mehr leisten. Analoginsuline haben uns insulinspritzende Diabetiker den Leistungen der gesunden Mitarbeiter und Sportler näher gebracht, wenn nicht schon gleichgestellt oder rehabilitiert.

Seit 8 Jahren versuche ich, bei den Leistungen der Wintertriathleten im nationalen und internationalen Bereich mitzuhalten.
Am 18. Januar begann die Wettkampfsaison mit einem „Kaltstart“ zur Deutschen Meisterschaft in Freudenstadt im Schwarzwald, die Distanzen waren heuer enorm: 7,5 km Laufen – 15 km Biken – 10 km Langlaufen. Mit einem Blutzucker von 140 mg% und einer verspeisten Banane ging ich an den Start. Die Radstrecke führte im Waldstück durch knöcheltiefen Schnee und zwang jeden Teilnehmer zu unfreiwilligen Abstiegen oder sogar zu Stürzen. Es begann kräftig zu schneien, so dass beim finalen Langlaufen die Loipe nicht mehr als solche zu erkennen war. Der nasse Neuschnee bremste gewaltig und zehrte nicht nur bei mir die letzten Kraft- und Zuckerreserven auf. Mit gesüßten Tee vom Streckenrand erreichte ich nach 1 Stunde und 55 Minuten als Deutscher Vizemeister meiner Altersklasse das Ziel. Der aktuelle Blutzuckerwert lag bei 60 mg%.

Am 15. Februar fuhr ich mit meinen 8 Ostallgäuer Sportkameraden zur Weltmeisterschaft nach Gaishorn in die Steiermark. Dort angekommen war die Zufahrt zu unserem Quartier am Berg durch den Schneefall nicht möglich. Nach stundenlanger Suche fanden wir wenige Kilometer vom Wettkampfort ein Ersatzquartier. In der Abenddämmerung testeten wir die präparierten Langlaufskier und fuhren noch einmal die Radstrecke ab, die teilweise vereist war. Sonntagmorgen um 9:30 Uhr Massenstart bei ca. -5 Grad und eisigem Westwind. Wir mussten dreimal eine w–förmige Strecke auf der schneebedeckten Wiese passieren, bis wir das Bike in der Wechselzone holen durften - wieder 500 Meter gegen den Wind, dann 40 Höhenmeter steil bergauf, bevor es mit hoher Geschwindigkeit bergab in zwei weitere Runden ging. Beim Wechsel auf die Langlaufskier fühlte ich mich körperlich sehr gut. Auch das Wachs passte zum Schnee und zu den Temperaturen und ließ mich mit der viertbesten Langlaufzeit aller 117 Teilnehmer ins Ziel gleiten. Von 17 Teilnehmern meiner Altersklasse erreichte ich mit 90 Sekunden Rückstand zum Weltmeister als vierter das Ziel. Und das nach 35 Jahren Typ-1-Diabetes !!! Wären Sie, liebe sportinteressierten Leser und „Leidensgenossen“ mit dieser Leistung zufrieden?

Und damit ich im Sommer auch einen kleinen Wettkampfkick bekomme, nehme ich mit dem benachbarten Schützenverein Gestratz am Sommerbiathlon teil. Die Kombi-Sportart beinhaltet Laufen und Schießen. Das Gewehr wird im Gegensatz zum Winter-Biathlon nicht mit getragen, sondern nach dem Schießen wieder in den Gewehrständer gestellt. Auch hier gibt es den Sprint mit einmal liegend- und einmal stehend-Schießen, dazwischen muss jeweils ca. 1,5 km gelaufen werden. Beim Massenstart starten alle Teilnehmer gleichzeitig, es wird zweimal liegend und zweimal stehend geschossen und insgesamt 5 Runden gelaufen. Bei Schießfehlern müssen zusätzliche Strafrunden gelaufen werden.

Bei meinem ersten Wettkampf in der Bayerischen Meisterschaft 2008 konnte ich gleich, trotz 5 Fehlschüssen, einen Titel im Sprint gewinnen - Anfängerglück! Heuer reichte es beim gleichen Wettkampf in Bayerisch Eisenstein zum 2. Platz im Sprint (6 Fehlschüsse) und zum 3. Platz im Massenstart (12 Fehlschüsse). Das Schießen scheint nicht meine Stärke zu sein!

Liebe Leser, ich will Sie ermutigen, sich auch regelmäßig zu bewegen. Damit und mit Erreichen des Normalgewichts haben Sie schon halb gegen die diabetischen Folgeerkrankungen gewonnen! Viel Spaß bei Ihrem „Freizeitsport“!

Karl-Heinz Rasch, Lindenberg