Berichte

Fr1da-Studie – erste Zwischenbilanz

Am 29. Juli legte das Forscherteam um Prof. Dr. Anette-G. Ziegler in der Pressekonferenz erste Zwischenergebnisse der<link http: www.typ1diabetes-frueherkennung.de> Typ 1-Diabetes-Früherkennungsstudie, an der alle 2-5-jährigen Kinder in Bayern teilnehmen können, vor.


Fr1da startete am 1. Januar 2015. In den ersten knapp sieben Monaten wurden fast 14.000 Kinder untersucht. Bei 49 Kindern wurden die entsprechenden Antikörper nachgewiesen – das entspricht etwa der vorher prognostizierten Zahl von 0,3 %.


0,3 % sind auf dem Weg zum Diabetes


Die betroffenen Familien wurden vom betreuenden Kinderarzt an eines der wohnortnahen Diabetes-Schulungszentren überwiesen. Sie werden dort vom Diabetesteam und Psychologen betreut und geschult: „Wir holen die Familien dort ab, wo sie stehen“ erklärte Frau Dr. Warncke von der Kinderklinik Schwabing, eines dieser Zentren. Dabei geht es um die Aufklärung zum Typ 1-Diabetes, dessen Frühsymptome, Therapiemöglichkeiten und Zukunftsprognosen. Dies soll den Eltern trotz des Wissens um die sich anbahnende chronische Erkrankung ihres Kindes Zuversicht und Sicherheit für die Zukunft geben. Außerdem findet ein oraler Glukose-Toleranztest statt, auch der HbA1c wird gemessen – sind alle Werte im Normalbereich, befindet sich das Kind im Stadium 1 der Erkrankung. Diese Tests werden hier alle sechs Monate wiederholt. Sobald sich im Glukosetoleranztest auffällige Werte ergeben, verkürzt sich das Intervall auf drei Monate. Das Kind ist jetzt im 2. Stadium. Die Eltern/Kinder werden jetzt in der Blutzuckermessung geschult und führen diese zuhause nach vom Schulungsteam festgelegten Rhythmus durch.


So wird sichergestellt, dass eine dramatische und lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung zu Beginn der manifesten Diabetes-Erkrankung vermieden werden kann. Man startet die Insulin-Therapie früh und mit kleinen Dosen.


Bei allen 49 Kindern wurde die Autoimmunerkrankung Typ 1-Diabetes in einem sehr frühen Stadium erkannt. Keines der bisher positiv getesteten Kinder benötigt derzeit eine Insulintherapie.


Zwei betroffene Familien berichteten


Für die Eltern von Aaron, 4 Jahre, ist das Thema Typ 1-Diabetes neu, die Diagnose war anfangs ein Schock. Die Mutter, in der Pflege tätig, hatte große Sorgen, wie die Zukunft aussehen könnte. Nach der Schulung fühlt sich Familie Kümmerling gut aufgefangen und schaut mit Zuversicht in die Zukunft.
Die Eltern von Eva, ebenfalls 4 Jahre, kennen Typ 1-Diabetes schon – die Mama ist selbst seit über 30 Jahren betroffen, trägt eine Insulinpumpe. Die Möglichkeit zum Test ergab sich bei der U9, das mögliche Risiko war immer schon im Hinterkopf. Dennoch war das positive Ergebnis ein Schock: „Ich hätte ihr das gerne erspart. Aber wir haben im Unglück viel Positives erfahren.“ so Frau Sondermeier.


Für beide Familien geht der normale Alltag weiter. Wann der Diabetes ihrer Kinder manifest werden wird, lässt sich nicht voraussagen. Im besten Fall dauert dies noch viele Jahre, in denen die Forschung möglicherweise große Schritte nach vorne macht.


Die Studie geht weiter!


Die Fr1da-Studie, die zunächst bis zum Jahresende 2015 angelegt ist, geht voraussichtlich weiter, bis eine Gesamtzahl von 100.000 Teilnehmern erreicht wird! Neben dem bisherigen Erkenntnisgewinn, dass sich das Diabetesrisiko in der Gesamtbevölkerung im vermuteten Rahmen bewegt, hat die Studie noch viel mehr gebracht: Durch die teilnehmenden Kinderärzte wurden alle Eltern für Typ 1-Diabetes sensibilisiert. Außerdem wurden allen U-Heften der Kinder „Diabetes-Check“-Einlageblätter beigelegt - es enthält die wichtigsten Informationen zum Typ 1-Diabetes inkl. der wichtigten Symptome.