Kolumne Berichte

Jahreskreis

Jetzt ist es vorbei – das Gartenjahr 2012! Verstaut sind alle Gartenmöbel und -geräte, das Wasser ist abgestellt: Winterpause und Zeit zur Rückschau auf die Saison: Wie war das Wetter? Was ist gut gewachsen und was hat meine Erwartungen nicht erfüllt? Welche Versuchssorten haben in Geschmack und Wuchs überzeugt und sollten im nächsten Jahr unbedingt wieder angebaut werden, welche eher nicht? Welche alten Gemüsesorten könnte ich im nächsten Jahr probieren?

Eine solche Bilanz ziehen wir nicht nur im Garten, sondern bestimmt auch in anderen Lebensbereichen – das ist wichtig, denn die Analyse hilft uns aus den Erfahrungen für die Zukunft zu lernen.

Zurück zur Natur und ihren Rhythmen: Ein Gartler erlebt Jahr für Jahr intensiv die vier Jahreszeiten: Jetzt starten wir in die Winterruhe, mein Jahres-Tief. Ein bisschen was gibt es trotzdem zu tun: Die Vögel wollen regelmäßig gefüttert werden und im warmen Wohnzimmer steht die Gartenplanung für die nächste Saison an. Draußen ist es kalt, die Pflanzen haben ihre Aktivität „heruntergefahren“. Aber sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen die Erde erreichen und die Tage wieder länger werden, schwellen die Knospen an und die ersten Zwiebelblumen schauen hervor: Ein Fest, wenn die frühen Winterlinge in der warmen Winter-Sonne die ersten Bienen anlocken! Der Startschuss ist gefallen, der Frühling steht vor der Tür - täglich verändert sich die Natur! Nicht mehr lange, dann ist wieder Zeit zum Säen und Pflanzen! Bald sind alle Beete belegt, alles wächst und gedeiht. Der Sommer – mein Jahreshöhepunkt - ist da! Die Tage sind lang, die Ernte reichhaltig, die Teller aus eigenem Anbau gefüllt – man lebt buchstäblich von der Hand in den Mund. So könnte es weiter gehen – aber das tut es nicht, denn anfangs fast unmerklich und dann doch ganz schnell geht der Sommer in den Herbst über – die längeren und kühleren Nächte fordern ihren Tribut. Zeit ist es zum Beete abräumen, Büsche schneiden, Stauden teilen und mit Nachbarn tauschen, Geräte reinigen und vieles mehr. Jetzt schließt sich der Kreis – die nächste Winterruhe ist da!

Diese Rhythmen sind auf viele Lebensbereiche übertragbar, auch auf die Wirtschaft. Hier gaukeln uns zwar die großen AGs mit maßlosen Gewinnzielen die Möglichkeit des Dauerwachstums auf hohem Niveau vor, aber realistisch ist das bei gesundem Menschenverstand nicht. Werden die Gewinne nicht erreicht, dann wird konsequent eingespart und abgestoßen – auf der Strecke bleiben viele Mitarbeiter, die bisher für den Erfolg des Unternehmens gesorgt haben. Es zählt nur der Gewinn, der Mitarbeiter ist lediglich ein Kostenfaktor. Der Mittelstand ist da meist bodenständiger und weitsichtiger - hier weiß man das Kapital Fachkräfte noch mehr zu schätzen. Man will sie nicht verlieren.

Wieder eine Parallele zum Garten: Wenn ich etwas ernten will, muss ich es nach dem Sähen bzw. Pflanzen hegen und pflegen und dennoch: Eine Garantie für eine reichhaltige Ernte gibt es trotz all meiner Mühe nicht! Da kann viel passieren: Ein kurzer heftiger Hagel, eine Schneckeninvasion, eine hungrige Wühlmaus, Spätfröste usw.- die gute Ernte ist in der Natur keineswegs selbstverständlich, auch wenn uns das volle Supermarktregale immer suggerieren. Wir merken Ernteausfälle „nur“ an steigenden Preisen – ein großes Problem für Menschen mit geringem Einkommen hier bei uns, aber in anderen Teilen der Welt hungern für unsere vollen Regale Menschen.

Dankbarkeit und Achtsamkeit sind für mich deshalb wichtige Lehren aus der engen Verbindung mit der Natur!

Und dies lässt mich auch diese Jahreszeit mit den geschnitzten Kürbisgesichtern genießen - schade, dass sie nicht lange halten! Und bald erleuchten Kinder mit selbstgebastelten Laternen (Unikate sind immer schöner - bastelt mal wieder!) die Straßen und in wenigen Wochen läuten die vielen Weihnachtsmärkte den Advent ein! Genießen Sie die Vorweihnachtszeit und lassen Sie sich von der allgemeinen Hektik nicht mitreißen!

Ich wünsche Ihnen viele sonnige Gedanken im tristen November, einen besinnlichen Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familie.

Ihre

Marion Köstlmeier