Kolumne

Willkommen in Deutschland

Deutschland schrumpft, Deutschland überaltert – die einzige Lösung sei ausreichend Zuwanderung von jungen, gut ausgebildeten Menschen. Das hören wir seit Jahren.


Seit Ende August rollt eine Flüchtlingswelle über uns. Zigtausende Menschen kamen allein bis Mitte September mit dem Zug in München an. Kurz zuvor füllten fremdenfeindliche Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte die deutschen Medien – jetzt kam es ganz anders: Neben den Einsatzkräften von Polizei und Behörden nahmen unzählige ehrenamtliche, freiwillige Helfer die Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof herzlich in Empfang und versorgten sie mit zahlreich eingegangenen Getränke-, Lebensmittel- und Hygieneartikel-Spenden! Es waren wieder facebook-Aufrufe, die dies möglich machten, wie schon vor ein paar Jahren beim Hochwasser. Die Helfer, ob professionell oder ehrenamtlich, meisterten diese Mammut-Aufgabe mit Bravour – nicht nur einen Tag, sondern viele in Serie! Hut ab!


Da halfen viele junge Menschen in der Mehrzahl ebensolchen, die ihre Heimat verlassen mussten oder wollten, um hier bei uns oder in einem anderen westeuropäischen Land ein Leben in Sicherheit bzw. ein besseres Leben als in der Heimat zu beginnen. Diese Menschen haben alles hinter sich gelassen, was ihnen bisher wichtig war.


Ein ähnliches Schicksal haben viele Deutsche im 2. Weltkrieg oder kurz danach erlebt – sie wurden vertrieben, kamen damals, anders als die Flüchtlinge heute, in einem Land an, das selbst am Boden war. Gemeinsam mit Einheimischen bauten sie Deutschland wieder auf und machten es zu dem, was es heute ist. Diese Menschen, damals von vielen auch argwöhnisch betrachtet und oft keineswegs herzlich aufgenommen, sind heute mit ihren Familien voll integriert.
Viele der derzeit ankommenden Flüchtlinge sind hochmotiviert und bereit, sich zu integrieren und zu arbeiten – wir müssen sie nur lassen. Das Handwerk, die Pflege, Kinderbetreuungseinrichtungen – sie alle suchen verzweifelt nach motivierten Mitarbeitern! Wieso nehmen wir jungen Menschen, die Ausbildungen in solchen Bereichen anstreben, nicht mit Handkuss auf und heißen sie herzlich willkommen bevor es ein anderes Land tut?


Aber wir dürfen und müssen auch ganz klare Bedingungen stellen: Wer bei uns leben möchte, muss schnell Deutsch lernen und unsere Grundrechte und Werte akzeptieren, ohne wenn und aber. Wer dies nicht möchte, passt nicht in dieses Land. Dass wir, die diese Bedingungen stellen, hier auch die nötigen Hilfen – Sprachkurse, aber eben auch Aufklärung über unsere Gesetze und Werte, woher sollen sie es denn wissen? – anzubieten haben und zwar gleich von Anfang an und nicht erst irgendwann, muss auch klar sein.


Es ist ein Wunder, wie im Moment aus dem Nichts schnell Notunterkünfte eingerichtet werden – wer hätte dies so für möglich gehalten? Dennoch ist klar: Auch unsere kurzfristigen Aufnahmemöglichkeiten sind begrenzt. Aber warum wollen überhaupt so viele gerade zu uns? Bessere Lebensbedingungen als Zuhause finden die Flüchtlinge in allen westeuropäischen Ländern!


Tja, das Problem ist hausgemacht – Deutschland „lockt“ mit langsamen Asylverfahren und höheren Geldleistungen als andere europäische Länder. Warum dauern Asylverfahren in den Niederlanden nur etwa zwei Wochen und bei uns mehr als vier Monate? Mal davon abgesehen, dass das Personal des zuständigen Bundesamtes schon lange wegen zu geringer Zahl am Limit arbeitet, sollten wir dringend schauen, was die Niederlande hier besser machen und daraus lernen! Wenn abgelehnte Asylbewerber aus sicheren Staaten zeitnah wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren, sehen andere Landsleute, dass sich die teure und teils gefährliche Flucht nicht lohnt. Wir müssen hier schnell deutliche Zeichen setzen.


Wir sind ein christliches Land, Weihnachten, das Fest der Liebe, ist nicht fern: Denken wir an Maria und Josef, wie sie von Haus zu Haus zogen und eine Herberge suchten. Menschen, die zurecht Asyl benötigen, müssen wir eine Herberge geben!


Ich wünsche uns allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein gesundes Jahr 2016, in dem wir die an uns gestellte Herausforderungen annehmen und mit gesundem Menschenverstand das beste daraus machen.


Ihre Marion Köstlmeier