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Inklusion – geht es voran?

Am 5. Mai jährte sich der europaweite Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Die von der LAG Selbsthilfe Bayern initiierte Veranstaltung auf dem Münchner Marienplatz stand dieses Jahr unter dem Motto „Kein Sonderweg! Inklusion behinderter Menschen von Anfang an.“

Schon im April hatte die Fraktion der Grünen im Landtag behinderte Menschen zur Veranstaltung „Bayern Inklusiv“ eingeladen, an der auch viele Politiker anderer Fraktionen gespannt den kompetenten Rednern – Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte Bayern, Ottmar Miles-Paul, Behindertenbeauftragter Rheinland-Pfalz, und Klaus Lachwitz, Präsident „Inclusion International“/Geschäftsführer Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. – folgten. Sehr beeindruckend war der Vortrag von Ottmar Miles-Paul. In Rheinland-Pfalz wurde gleich nach Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention im März 2009 ein Programm aufgelegt, das gut voran kommt. Viele Projekte laufen schon, es bleibt trotzdem noch viel zu tun! Rheinland-Pfalz ist Bayern weit voraus: Dort genießt die Inklusion einen höheren Stellenwert, denn Irmgard Badura muss diese Arbeit ehrenamtlich leisten, während Ottmar Miles-Paul fest angestellt ist und sich voll und ganz dieser Aufgabe widmen kann.

Aber Bayern hat doch ein bisschen was voran gebracht: Am 29. März wurde ein von allen Fraktionen getragener Gesetzentwurf zur Inklusion an bayerischen Schulen vorgestellt, der am 1. August in Kraft treten soll. Und seit 3. Mai gibt es den Entwurf eines Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, ebenfalls getragen von allen Fraktionen. Leider waren die Behindertenverbände bisher nicht mit eingebunden, kritisierte Reinhard Kirchner, Geschäftsführer der LAG Selbsthilfe Bayern.

Alle Fraktionen waren in der Politikerrunde vertreten: Joachim Unterländer (CSU), Reinhold Strobl (SPD), Claudia Stamm (Die Grünen), Brigitte Meier (FDP) und Günther Filbinger (Freie Wähler). Ebenso mit dabei war der Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt München, Oswald Utz. Ihm geht die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention viel zu langsam – oft werde Etikettenschwindel betrieben: Integration wird als Inklusion verkauft.

Man war sich einig, dass wir uns zu einer inklusiven Gesellschaft entwickeln müssen. Dabei möchte man bei den Kleinsten anfangen, damit Inklusion durch die Gemeinsamkeit von Anfang an zur Normalität wird. Es gibt viel zu tun, der Weg zum Erfolg ist weit, viele Mauern in den Köpfen müssen eingerissen werden. Es gilt Strukturen zu verändern – das Geld zur Umsetzung wird dadurch frei und kann effizienter eingesetzt werden, andere Länder machen es uns vor.

Der Aktionsplan ist bisher nur ein Entwurf, der weiterentwickelt werden muss – auch hier herrscht Einigkeit: Ab sofort werden die Behindertenverbände mit eingebunden – die Betroffenen sollen und müssen ihre Kompetenz mit einbringen. Ebenso sprechen sich die Politiker dafür aus, das Amt der Landesbehindertenbeauftragten aufzuwerten und zu professionalisieren, um Frau Badura in ihrer Arbeit zu unterstützen. Einige Bundesländer haben diesen Schritt schon getan und sind deshalb erfolgreicher in der Umsetzung.

Inklusion ist für uns alle wichtig, denn: Die wenigsten Menschen werden behindert oder chronisch krank geboren – es kann jedem passieren! So viele behinderte Menschen mit Rollstuhl oder anderen Handicaps sind selten in der Innenstadt oder im öffentlichen Leben zu sehen, das ist sehr schade, denn nur durch das Miteinander kann auch Verständnis füreinander entstehen. (mk)