PM Helmholtz Zentrum München: Pre-POINT war eine Doppelblind-Studie, in der getestet wurde, ob eine Art „Impfung“ die Entwicklung von Diabetes-Autoantikörpern bei Kindern mit sehr hohem Diabetes-Risiko verhindern kann.
Während der Studie wurde Risikokindern Insulinpulver täglich über den Mund verabreicht. Insulin führt über diesen Weg nicht zur Blutzuckersenkung. Ziel war die Beeinflussung des Immunsystems. Neben der Frage, ob diese „orale Impfung“ die Entwicklung von Typ 1-Diabetes verhindern oder hinauszögern kann, stellte sich die Frage, welche Dosis notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen.
Im April veröffentlichten die beteiligten Wissenschaftler des DFG Center for Regenerative Therapies Dresden, TU Dresden sowie des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München zusammen mit Forschern aus Wien, Bristol und Denver (USA) im renommierten wissenschaftlichen Magazin JAMA die Auswertungen.
„In der Pre-POINT Studie wurden Kinder mit einem hohen Erkrankungsrisiko für Typ 1-Diabetes in Deutschland, Österreich, den Vereinigten Staaten und Großbritannien über durchschnittlich ein halbes Jahr einmal täglich mit oralem Insulin behandelt. Die Kontrollgruppe erhielt nur ein wirkungsloses Placebo. Die Gruppe mit dem Wirkstoff nahm das Insulin in unterschiedlicher, im Laufe der Monate ansteigender Dosis, als Pulver zusammen mit der Nahrung ein. In der höchsten Dosis (67,5 mg) rief das Insulinpulver schließlich die gewünschte Immunantwort hervor. „Ein wichtiger Befund war zu sehen, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen gab“, kommentiert Studienleiter Prof. Ezio Bonifacio vom Center for Regenerative Therapies das Ergebnis. „Das zeigt, dass wir die regulären Vorgänge im Körper eines gesunden Kindes, die eine Typ 1-Diabetes-Erkrankung verhindern, erfolgreich nachgeahmt haben.“ Da das Insulin in dieser Verabreichungsform im Magen aufgespalten wird, hatte es keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. „Wir vermuten, dass der Hauptanteil der Immunantwort auf das Insulin bereits im Mund abläuft“, ergänzt Bonifacio.
Einzigartig ist bei dieser Doppel-Blind-Studie nach Ansicht von Prof. Anette-Gabriele Ziegler vom ebenfalls beteiligten Institut für Diabetesforschung, dass das Insulin prophylaktisch als Impfstoff zu einem Zeitpunkt verabreicht wurde, an dem die Kinder noch keine Autoantikörper entwickelt hatten. „Dies ist eine Revolution bei der Behandlung von Typ 1-Diabetes“, so Ziegler. „Aber die Vorgehensweise ist nur folgerichtig: Wenn das Immunsystem die schützende Immunantwort nicht von selbst lernt, muss die Medizin eben ein bisschen Nachhilfe geben.“
In nachfolgenden Studien soll nun eine größere Anzahl von Babys, die Typ 1-Diabetes-Risikogene und erkrankte Verwandte und somit ein hohes Erkrankungsrisiko haben, mit Insulin behandelt werden. Sollte der Impfstoff die Autoimmunerkrankung dauerhaft verhindern, wäre der Weg frei für eine flächendeckende Vorsorgeimpfung.
Mehr finden Sie bei <link http: www.diabetes-point.org>www.diabetes-point.org
Infos zu weiteren Studien erhalten Sie bei:
Institut für Diabetesforschung
Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1, 85764 München
Forschergruppe Diabetes
Klinikum rechts der Isar
Lehrstuhl für Diabetes und Gestationsdiabetes der TU München
Frau Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1, 80804 München
Tel.: 0800 - 828 48 68 (kostenfrei)
E-Mail: <link>prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de
Was ist eine Doppelblind-Studie?
In einer solchen klinischen Studie werden die Studienteilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhält das zu testende Medikament, die andere ein Placebo (wirkungsloses Scheinmedikament). Die Zuordnung erfolgt nach dem Zufallsprinzip von übergeordneter Stelle. Weder Arzt noch Studienteilnehmer wissen, wer das Medikament und wer das Placebo erhält. Nach Studienende werden die Ergebnisse der beiden Gruppen miteinander verglichen. Man sieht dann, ob die Testsubstanz Wirkung zeigt.
Wichtig zu wissen für Studienteilnehmer: Sie haben die 50%-ige Chance, das zu testende Medikament zu erhalten.

