Kolumne Berichte

Mittendrin

Im März und April luden viele Diabetikertage ein. Ich mache gerne Standdienst, denn so bin ich nah am Menschen und höre in der Masse, wo der Schuh derzeit am meisten drückt. Und das ist nicht immer das, was ich vermute. Mit kleinen Tipps kann man oft viel helfen. Zu denken geben mir die oft großen Wissenslücken, die viel kleiner wären, würden diese Menschen das Diabetes Journal, bei uns im Beitrag als ständige „Weiterbildung“ inbegriffen, auch nur teilweise lesen.

Schon im Vorfeld einer Veranstaltung überlegen wir, was wir neben den Standards auslegen könnten - aus der Erfahrung anderer Veranstaltungen und aus der Aktualität heraus. Was ist im Moment in aller Munde? Darauf sollte man vorbereitet sein. Eine Besonderheit der Diabetikertage ist der Kontakt zu Menschen, die uns noch gar nicht kennen. Hier ist die Chance, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu erklären, warum es uns gibt und geben muss, gerade in der heutigen Zeit, wo die Sparpolitik gerne auf Diabetiker zielt. Natürlich ist ein nächster Schritt der Hinweis auf die Wichtigkeit einer Mitgliedschaft, denn nur ein auch zahlenmäßig starker Patientenverband kann den Betroffenen zu einer dauerhaften guten Versorgungsqualität verhelfen. Die Vorlage gibt oft das beliebte Vortragsthema „Neue Medikamente in der Behandlung des Diabetes“. Wahre Innovationen sind dabei mit wenig Unterzuckerungsgefahr. ABER: Im G-BA fallen diese neuen Medikamente wegen des angeblich fehlenden Zusatznutzens in der frühen Nutzenbewertung meist durch! Das heißt: Es gibt sie nicht auf Kassenrezept. Ihnen als Mitglieder ist das aufgrund ständiger Berichterstattung schon ein Begriff – die breite Öffentlichkeit ist völlig ahnungslos - und nach Aufklärung aufgebracht. Leider führt unsere Erklärung dennoch nicht zu einer Flut neuer Aufnahmeanträge, das ist sehr schade. Und trotzdem bringt unser Einsatz für die Zukunft etwas, davon bin ich überzeugt: Wir waren da und haben uns bekannt gemacht und evtl. wird es ja später was mit der Mitgliedschaft, hoffentlich, bevor es noch enger für Diabetiker wird.

Was ich gar nicht mag: Ich ärgere mich über Vorwürfe und Forderungen von Nichtmitgliedern in Richtung: „Ja - warum tut ihr denn dann nichts?“, Warum gibt es nicht mehr Diabetikertage?“, Warum gibt es bei mir in unmittelbarer Nähe keine Selbsthilfegruppe?“ Ich erkläre, dass unsere Arbeit ehrenamtlich geleistet wird und lade zur aktiven Mitarbeit ein z.B. bei der Frage nach einem neuen Selbsthilfegruppenstandort biete ich meine Unterstützung bei der Gruppengründung an, wenn diese Person aktiv werden möchte. Bei Forderungen von Nichtmitgliedern weise ich – und liebe Gruppenleiter, tun Sie es bitte auch – immer darauf hin, dass der Diabetikerbund Bayern die Gemeinschaft der Mitglieder ist und je mehr wir sind, desto mehr werden wir gehört und desto mehr können wir erreichen. Also: Nicht fordern, sondern mitmachen – mal mindestens durch Mitgliedschaft, gerne auch durch aktive ehrenamtliche Mitarbeit. Dann darf ich auch meckern, aber nur dann!

Ein Highlight im Rahmen von Veranstaltungen ist natürlich das Wiedersehen vieler bekannter Gesichter, die zu meinen Anfangszeiten aktiv waren und für mich Vorbild sind – hier sieht man sich wieder und hier fällt auch besonders auf, wenn man von lieben, engagierten Menschen endgültig Abschied nehmen musste.

Aktiv sein ist spannend und macht Spaß. Jeder Anfang ist schwer und keiner von uns ist als Meister vom Himmel gefallen – da spreche ich sicher für alle Aktiven auf Landes-, Regionalverbands- und Selbsthilfegruppen-Ebene. Wir alle mussten erst in unsere Aufgabe hinein wachsen und lernen. Ich möchte damit Ihnen allen sagen: Auch Sie können das! Nur Mut!

Ihre
Marion Köstlmeier