Das heißt nun aber nicht, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen in Watte packen und verwöhnen sollen, nein, wir müssen ihnen helfen, selbstbewusste, lebenstüchtige, positive und umsichtige Erwachsene zu werden. Und gerade hier brauchen unsere Kinder und Jugendlichen mit Diabetes unser aller Unterstützung, denn sie stoßen oft auf Unverständnis und werden ausgegrenzt, meist aus Unsicherheit und Unwissenheit.
Die Kinder und Jugendlichen mit Diabetes müssen den „Rucksack Diabetes“ ein Leben lang mit sich herumtragen. Dafür fehlt oft das Verständnis aus der Umwelt, wie sich auch dieses Mal auf dem Jugendleitertreffen zeigte. Hier möchte ich ein großes Dankeschön an diejenigen Lehrer und Erzieher richten, die sich in Zusammenarbeit mit den Eltern oder in Eigenregie informieren und engagieren und unsere Kinder und Jugendlichen integrieren – es lohnt sich für alle. Mit dem gerade ins Leben gerufenen Arbeitskreis „Aufklärung Lehrer und Erzieher“ wollen wir Wege finden, breit über Diabetes im Kindes- und Jugendalter und die wenigen Besonderheiten, die es für die Betreuungspersonen zu beachten gilt, zu informieren und dadurch Ängste nehmen, damit Kinder, Jugendliche und deren Eltern selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft sein können.
Unsere Kinder und Jugendlichen sind „bedingt gesund“ und voll leistungsfähig, wenn man sie und die Eltern gut schult und bestimmte Dinge beachtet. Es gibt Typ-1-Diabetiker, die Olympia-Sieger wurden, Top-Manager mit Typ-1-Diabetes, ebenso Stars – endlich outen sich einige und machen so anderen Mut, ebenso für Ihre Träume und Ziele zu kämpfen, auch wenn man dabei mehr Widerstände überwinden muss als Gesunde.
Neben dem stetigen Anstieg des Typ-1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter, steigen sprunghaft auch die Zahlen der Minderjährigen mit Typ-2-Diabetes – für mich noch erschreckender. Hier können und müssen wir handeln und für Freiräume für Kinder kämpfen. Kinder müssen an die frische Luft und toben, den Körper erfahren und Natur erleben, auch wenn es bedeutet, dass so mancher Anwohner unter „Kinderlärm“ leiden mag – aber ehrlich: Haben wir immer leise gespielt? Ich nicht, da gab auch damals manchmal Ärger, dann haben wir eben die Örtlichkeit gewechselt. Heute ist es sehr schwierig, Bolzplätze oder ähnliches in Wohnungsnähe einzurichten, es kommt meist umgehend Protest von Nachbarn, dem leider allzu oft stattgegeben wird – wo bleibt der Platz für unsere Kinder? Früher haben sie draußen beim Toben ihre Koordination spielerisch ständig verbessert, (neudeutsch Bewegungserfahrungen gemacht), sie waren körperlich fitter – die Kinderärzte klagen hier über gravierende Defizite bei Vorsorgeuntersuchungen im Vorschulalter, zusätzlich sind viele Kinder auch schon in diesem Alter zu schwer. Der Fernseher, Computer oder Spielekonsolen zum Ruhigstellen sind der falsche Weg!
Wussten Sie, dass der Mensch ein „Lauftier“ und für mindestens 10 km tägliche Gehstrecke ausgelegt ist? Dann stimmt auch der Stoffwechsel, belegen Studien immer wieder. Und dies gilt für uns alle, ob klein oder groß, jung oder alt.
Was immer wir heute tun, dies sollten wir stets dabei bedenken:
„Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.“
Indianisches Sprichwort
Ihre Marion Köstlmeier

