Berichte

Neues aus der Diabetesforschung

Diabetes beginnt im Mutterleib

Für die Entstehung von Diabetes werden neben Erbanlagen auch Umweltfaktoren verantwortlich gemacht. Nach neuesten Erkenntnissen entsteht Typ-2-Diabetes bereits im Mutterleib: Fehlernährung, Rauchen, Stress und ein niedriger beruflicher Status der Mutter während der Schwangerschaft können das Risiko beim Ungeborenen erhöhen. Dies legte Dr. Teresa Tamayo vom Kompetenznetz Diabetes mellitus dar. Vorgeburtliche Stressfaktoren bedingten häufig ein niedriges Geburtsgewicht. „Diese Kinder haben ein doppelt so hohes Risiko an Diabetes zu erkranken wie normalgewichtige Neugeborene. In ihrer Bauchspeicheldrüse lässt sich bereits eine verringerte Betazellmasse nachweisen.“ Bei Typ-2-Diabetes entsteht im Verlauf der Erkrankung eine verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) – die Betazellleistung lässt nach. Das Insulin kann nicht mehr ordnungsgemäß im Zielorgan wirken. Aus diesem Grund ist Übergewicht im späteren Kinder- oder Erwachsenenalter für Personen mit niedrigem Geburtsgewicht besonders schädlich.

 

Teststart für Medikament gegen Typ 1

Noch liegt die Heilung von Typ-1-Diabetes in ferner Zukunft. Einen kleinen Hoffnungsschimmer vermittelte Prof. Dr. Eckhard Lammert, Kompetenznetz Diabetes mellitus. An Mäusen konnte er einen Zusammenhang von neurogenerativen Erkrankungen (Parkinson) und Diabetes nachweisen. „Betazellen ähneln den Zellen des Zentralen Nervensystems. Beide reagieren empfindlich auf oxidativen Stress und erholen sich nur schwer.“ Mäuse, denen das bei der Zellantwort gegen oxidativen Stress (z. B. durch freie Radikale) benötigte Protein DJ1 fehlt, wiesen eine geringere Betazellmasse auf als diejenigen Mäuse ohne diesen Gendefekt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes – besonders Diabetiker über 70 Jahre – wurde bereits nachgewiesen, dass sie über weniger DJ1 als Gesunde verfügen. Der Nachweis für Typ 1 steht noch aus. DJ1 spielt auch bei der Entstehung der Parkinson-Erkrankung eine Rolle. Momentan wird ein für Parkinson zugelassenen Medikament an Mäusen als mögliches Heilmittel gegen Typ-1-Diabetes getestet.

 

Feinstaub und Infektionen als Auslöser

Dr. Wolfgang Rathmann, Kompetenznetz Diabetes mellitus, stellte eigene Daten und Ergebnisse internationaler Studien vor, die ein erhöhtes Typ-2-Risiko in Gegenden mit hoher Konzentration an Feinstaub und Stickstoffoxiden nachweisen. Gleiches gilt bei einer Wohnentfernung von <50 m zu einer dicht befahrenen Straße. Als mögliche Ursache nannte er Entzündungsprozesse im Körper, die bei der Entwicklung der Insulinresistenz eine Rolle spielen.

Umweltfaktoren spielen auch bei der Entstehung von Typ1 eine Rolle. Dr. Mikael Knip, Universität Helsinki erwähnte die Beteiligung von Infektionen mit Enteroviren an der Entwicklung der Autoantikörper, die die Entstehung des Typ 1 einleiten. Zu den Enteroviren zählen verschiedene Polio- und Coxsackieviren, die vielfältige Symptome verursachen, u.a. „Sommergrippe“ und Brechdurchfälle.

Detaillierte Informationen: <link http: www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net>Kompetenznetz Diabetes mellitus