Alle, die mich näher kennen, wissen: Ich bin ein Garten- und Naturfreak. Sobald sich die Gelegenheit bietet, bin ich draußen. Ausnahme: Richtig nass und stürmisch, dann ziehe auch ich das warme, trockene Nest vor.
Draußen gibt es so vieles zu entdecken – das meiste kehrt zwar jedes Jahr wieder, aber der Augenblick ist immer einzigartig und nicht wiederholbar.
So erinnere ich mich an einen Mai-Nachmittag: Viel Zeit ist nicht, ich arbeite an der neuen kontakt-Ausgabe. Kurze Kaffeepause! Es regnet mal nicht, die Temperatur stimmt, also raus in den Hof. Ich sitze neben einem Meer von blühenden Maiglöckchen und der Duft ist einfach unbeschreiblich! Ach, würde ich diesen Moment gerne endlos ausdehnen oder gar konservieren! Gleiches gilt für die Woge an Fliederduft aus Nachbars Garten eine Woche zuvor!
Riechen, hören, schmecken
Aber das geht nicht. Zu vieles wartet im Alltag. Damit stehe ich sicher nicht alleine. Dennoch: Ich versuche immer wieder, mir kleine und große Inseln draußen zu schaffen, in denen ich einfach nur im Augenblick lebe und rieche, höre und schmecke.
Auch schon mal probiert? Neues entdeckt? Bestimmt! Es war einfach da, im normalen Alltagstempo hätten wir es glatt übersehen bzw. überhört.
„Das ist ja wie im Wald!“ sagte vor kurzem ein Gast über das vielstimmige Vogelgezwitscher. Ja, das stimmt! Und es klingt toll. Anfang Mai hatte der LBV zur „Stunde der Gartenvögel“ aufgerufen. Bürger sollten eine Stunde lang alle Vögel zählen und melden. An diesem Samstag habe ich in Sichtweite des Vogelhauses Kompost umgesetzt: Ich wusste, welche Arten immer wieder vorbei schauen, war aber baff erstaunt, wie viele Vögel es tatsächlich waren! Kein Wunder, kam ich mit dem Futter kaum nach! Ja, ich füttere lange in den Sommer hinein – ich weiß, das ist umstritten, aber es gibt schlüssige Argumente dafür und ebensolche dagegen.
Mit der richtigen Sortenwahl an Blumen wird ein Garten nicht nur bunt - Nebeneffekt sind viele Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Es summt und brummt, ist schön anzuschauen und Grundlage für eine reichliche Ernte.
Vom Frühling bis in den Herbst und teils in den Winter hinein gibt es viel zu schmecken: es wachsen Kräuter (so manches „Unkraut“ ist auch „Heilkraut“), essbare Blüten, z.B. Gänseblümchen (nussig) oder Kapuzinerkresse (Achtung: scharf!) – viel altes Wissen wartet darauf, wieder entdeckt zu werden!
Und was hat das jetzt alles mit Diabetes zu tun? Grundsätzlich erst einmal nichts, aber: Genießen und Verweilen im Augenblick lässt uns ruhiger werden, fährt die Stresshormone herunter. Und: Draußen sein bedeutet meistens auch Bewegung. Beides wirkt sich günstig auf Blutzucker und andere Risikofaktoren aus!
„An Gartentagen stimmt mein Blutzucker“ stellte eine schon verstorbene Gartennachbarin, viele Jahre Typ-2-Diabetikerin, immer wieder fest. Und deshalb pflegten ihr Mann und sie nahezu jeden Nachmittag ihr kleines Freiluftreich.
Nachmachen lohnt sich – wenn nicht im eigenen Garten, dann eben z.B. beim Spazieren-gehen in der freien Natur!
Ich wünsche uns allen einen schönen Sommer mit vielen unvergesslichen Sinneserfahrungen.
Ihre Marion Köstlmeier
- Erste-Hilfe-Training in der Diabetes-SHG Nördlingen
- 19. Altdorfer Informationsveranstaltung für Diabetiker, Angehörige, Pflegekräfte und Interessierte
Kolumne

