Berichte

Diabetes von Kopf bis Fuß

Breit war das Spektrum der Themen auf dem heuer 19. Weidener Diabetikertag am 9. April im Klinikum Weiden, zu dem die Medizinische Klinik I der Kliniken Nordoberpfalz unter der Leitung von Prof. Kullmann und die Mitorganisatoren Dr. Susanne-Friedrich Kraus, Dr. Georg Aderbauer, örtliche Diabetologen, und Karl-Heinz Stupka, Diabetikerbund Bayern, ins Klinikum Weiden eingeladen hatten.

Dass sie mit dem Programm ins Schwarze getroffen hatten, zeigte sich an der Besucherzahl: Der Vortragssaal war voll, das Interesse wie in den Vorjahren groß. Nach der Begrüßung durch Prof. Kullmann und Karl-Heinz Stupka startete das Vortragsprogramm, in dem heuer drei Themen ausführlich und für Betroffene verständlich und nachvollziehbar dargestellt wurden.

Die Stoffwechselerkrankung Diabetes kann Auswirkungen nahezu im gesamten Körper haben. Dr. Hahn, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie im Klinikum Weiden, berichtete zu möglichen Auswirkungen des Diabetes auf das Gehirn. „Wenn sich viele kleine Blutgefäße im Gehirn verschließen, kommt es schleichend zu Symptomen wie mangelnder Flexibilität des Denkens oder sinkender Abstraktionsfähigkeit und Gedächtnisleistung." Vom Gehirn werden viele Vorgänge im Körper gesteuert, z.B. die Koordination oder die Steuerung der Blase – als Spätfolge des Diabetes können auch hier Störungen auftreten.

Auch Diabetes und Fettleibigkeit hängen oft zusammen – wie, das erklärte Dr. Hahn ausführlich. „Das Gehirn lebt vom Zucker und kann zum Täter werden, wenn die Regulation zwischen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produziert, und den beteiligten Schaltkreisen im Gehirn aus dem Takt geraten.“ Dies hat Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten der Betroffenen. Die Forschung zu neuen Medikamenten, die hier positiv eingreifen könnten, läuft auf Hochtouren. Daher hilft derzeit nur: „Lernen Sie, Ihr Zwischenhirn mit richtigem Essverhalten auszustechen.“ so Dr. Hahn. „Achten Sie täglich auf Ihre Füße, denn Nervenschädigungen können Kraft und Sensibilität herabsetzen“ war ein weiterer Tipp des erfahrenen Arztes.

Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer, Chefarzt für Urologie und Andrologie am Klinikum Weiden zeigte in seinem Vortrag, wie auch sein Fachgebiet für Diabetiker wichtig werden kann. Ganz besonders ging er auf die unter Diabetikern gar nicht seltene Erektile Dysfunktion ein - häufig ein Thema, das beim Arzt nicht angesprochen wird. Einen extrem positiven Effekt hätten Diät und Sport. Medikamente wie Vigra® und Cialis® wirken nur, wenn die Nerven intakt seien. Prof. Bschleipfer stellte andere Methoden vor, die helfen können, z.B. Vakuumerektionshilfen und Penisprothesen. Blasenfunktionsstörungen in Zusammenhang mit Diabetes betreffen Männer und Frauen. Durch Diabetes geschädigte Blutgefäße und Nerven können zu „Harnverhaltung“ oder „überaktiver Blase", dem genauen Gegenteil, führen. Auch hier klärte er ganz intensiv über vielfältige Möglichkeiten der Behandlung auf.

Nach Schwerpunkt Kopf und Körpermitte referierte Orthopädieschuhmachermeister Jörg Rothballer zum Thema „Schuhversorgung für Diabetiker“. Neben der Spezialschuhanfertigung stellen seine Kollegen und er Einlagen her oder arbeiten Normalschuhe um, immer speziell auf die Bedarfe der Einzelperson angepasst. Herr Rothballer appellierte: „80 % der Fußverletzungen, die zu Amputationen führen, werden durch Normalschuhe verursacht. Deshalb: Tragen Sie Ihre Maßschuhe auch zuhause!“ Und: „Tragen Sie keine offenen Schuhe, wenn Sie Empfindungsstörungen an den Füßen haben.“

Viele individuelle Fragen wurden im Anschluss an die jeweiligen Vorträge beantwortet. Weitere Fragen konnten in der angeschlossenen Ausstellung geklärt werden. Gemeinsames Fazit von Besuchern wie Veranstalter: Dies war erneut ein informativer und erfolgreicher Tag!