Marianne Magg mit einem persönlichen Rückblick auf 15 Jahre „Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern im Raum Regensburg“.
Am 21.11.2025 war es so weit: der Staffelstab für die Leitung der Selbsthilfegruppe Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern im Raum Regensburg wurde nach 15 Jahren erneut weitergereicht. Zu diesem Anlass fand das Netzwerktreffen im historischen Schreiberhaus in Regensburg statt: perfekte Räumlichkeiten für Gespräche in größeren und kleineren Runden, Platz für Spiel- und Bastelmöglichkeiten, ein leckeres Fingerfood-Buffet – von allen zusammen liebevoll arrangiert und mit Kohlenhydratangaben versehen. Zahlreiche kleine & große NetzwerkerInnen und eine feine Abordnung der Klinik St. Hedwig in Regensburg fanden sich zum regen Austausch und zum Abschied feiern ein.
15 Jahre Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern – das waren rund 150 Gruppentreffen mit wechselnder Gruppengröße und Zusammensetzung. Jedes Treffen für sich bemerkenswert, unterhaltsam und erfahrungsreich, mal sportlich, mal kurios. Bei allen Aktivitäten war es mir immer ein großes Anliegen, dass kleine und große Kinder und Jugendliche mit Diabetes gerne kommen, Kontakte knüpfen, Gemeinschaft erleben und ganz selbstverständlich überall mitmachen: Indoor- und Abenteuerspielplätze, Klettern in der Halle in Lappersdorf, Wandern zur Tropfsteinhöhle Velburg und auf dem alpinen Steig Schönhofen, ein Zoo-Besuch in Straubing mit Führung hinter den Kulissen – wer hat sich schon mal eine Riesenschlange um den Hals gelegt? -, Minigolf spielen, Schwimmen im Regen am Badeplatz Ramspau, Rodeln in Grün, Verstecken im Maisfeldlabyrinth, ein Besuch der Sternwarte in Regensburg, Kinderwagen-Tragen auf dem Ameisenweg in Beratzhausen, Bowling-spielen, …
Bei all der Bewegung durfte natürlich die Verpflegung nicht fehlen! Egal ob mitgebrachte Brotzeit aus dem Rucksack, bei der Einkehr in Lokale aller Art – wer erinnert sich noch ans Kuhstallcafé? –, oder im ehemaligen Stammlokal Gasthof Stocker in Obertraubling: gemeinsames Essen, BE schätzen, Kohlenhydratmengen bestimmen, Insulinabgaben planen, Hypos ausgleichen – so viele praktische Tipps von Selbsthilfeaktiven finden sich in keiner Diabetes-Schulung!
Bis zur Corona-Pandemie wurden regelmäßig auch Gruppentreffen mit Vorträgen organisiert. Externe Referenten informierten zu Wunschthemen aus der Gruppe: u. a. Diabetes & Alkohol, neue Therapien und Diabetes-Technik – wer kann sich noch einen Diabetes-Alltag ohne Glukosesensor vorstellen? -, Geschwisterkinder, Paarbeziehung trotz und mit chronischer Erkrankung beim Kind, Schule/Kita, Inklusion, …
Häufig waren die gesetzten Themen der Aufhänger für intensive Diskussionen mit sachlichem Gedankenaustausch. Andere Themen bargen emotionale Herausforderungen. Und genau hier zeigt sich der Wert einer Selbsthilfegruppe: sich nicht erklären müssen, aufgefangen zu werden mit Zweifeln an einer kindgerechten Zukunft angesichts der Diabetes-Diagnose, Zeit und Raum zu erleben für Themen, die im Familienalltag und bei ambulanten Kontrollterminen meist untergehen.
Und ganz nebenbei gab’s bei jedem Treffen reichlich Gelegenheit zum Kennenlernen gleichbetroffener Familien, zum Erfahrungen austauschen aus dem Alltag mit Kindern mit Diabetes, zum gemeinsam Aushalten, was nicht zu ändern ist.
An dieser Stelle danke ich ganz besonders dem Diabetes-Team der Klinik St. Hedwig in Regensburg, den niedergelassenen Diabetologen in Lappersdorf, der Vorstandschaft unseres Dachverbands Diabetikerbund Bayern e. V. sowie allen Unterstützern, Möglichmachern, Förderern, Kümmerer und Sponsoren, die uns all die Jahre mit Rat und Tat, mit Raum und Vortrag, mit Verpflegung, mit Euros, etc. so großzügig unterstützt haben.
15 Jahre Gruppenleitung bedeuten viel Planung und Organisation: ein abwechslungsreicher Terminplan sollte es jedes Jahr sein, individuelle Vorbereitung der einzelnen Treffen, regelmäßige Rundmails verfassen, unzählige E-Mails und Telefonate, ein wenig Bürokratie rund um Datenschutz und Finanzen. Und es bedeutet auch, Familie und Hobbies mitunter zurückzustellen.
Ehrlich gesagt: es gab in all den Jahren auch Momente, in denen ich gedacht habe: „Puh, das wird jetzt ganz schön viel.“ Und dann kam ein Anruf, ein Gespräch, ein Lächeln, eine Rückmeldung wie: „Gut, dass es diese Gruppe gibt.“
Diese Wertschätzung hat mich immer wieder bestärkt und motiviert. Dafür danke ich Euch – allen kleinen und großen NetzwerkerInnen – von Herzen! Danke für Euer Engagement, Euer Kommen zu den Gruppentreffen, die Bereicherung durch Euren Mut, Erfahrungen zu teilen, Perspektiven zu wechseln, Aha-Momente zu erleben, für Eure Geduld, für Eure Spontanität, wenn Improvisation erforderlich war, für Euer positives Feedback, das mich so lange Jahre getragen hat.
Aus der Gruppe Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern bin ich seit längerem herausgewachsen: unser „Kind“ mit Diabetes ist längst volljährig und hat eigene vier Wände bezogen. Damit wurde es Zeit, die Gruppenleitung in jüngere Hände zu legen.
Ich freue mich riesig über ein engagiertes Team an Netzwerkaktiven rund um Anja Scheiner, Oliver Kus und Ivonne Paulik, die den Staffelstab für Organisation und Leitung der Selbsthilfegruppe gemeinsam übernommen haben.
Aus eigener Erfahrung bin ich der festen Überzeugung, dass Selbsthilfe und das Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern einen unverzichtbaren Beitrag leisten, die unfreiwillige Diagnose Diabetes Typ 1 zu akzeptieren und individuell passend in den Familienalltag zu integrieren. Frei nach dem Selbsthilfemotto: Nur Du allein schaffst es! Aber Du schaffst es nicht allein!
Für die Zukunft wünsche ich mir und Euch, dass die Gruppe weiterhin wächst und gedeiht, dass neue Familien hier ihren Platz finden, dass Vertrauen, Respekt und echte Gemeinschaft gepflegt werden.
In diesem Sinne wünsche ich allen lebendige lösungsorientierte Selbsthilfetreffen, inspirierende Gespräche, bemerkenswerte Begegnungen und einen gelingenden Weg mit Diabetes durch’s Leben.
Auf die nächsten Jahre – mit Herzblut, Wertschätzung und ganz viel Zusammenhalt. (Marianne Magg)


