Berichte

Bayern feierte 60 Jahre Selbsthilfe

Am 19. September 2015 hatten Bernd Franz, Vorstandsvorsitzender des Diabetikerbund Bayern e.V. und seine Vorstandskollegen in die Lederer Kulturbrauerei nach Nürnberg eingeladen, um gemeinsam mit 140 geladenen Gästen sechs Jahrzehnte aktive Selbsthilfe von und für Diabetiker in Bayern zu feiern. Eingeladen waren neben Ehrengästen und Mitgliedsjubilaren alle Selbsthilfegruppenleiter, der komplette Beirat, Landes- und Bundespolitiker aus dem Gesundheitsbereich und weitere Personen, die sich in der Diabetes-Selbsthilfe verdient gemacht haben. Allen, die dieser Einladung nicht gefolgt sind, sei gesagt: Sie haben etwas verpasst!


Die Ehrengäste des Abends waren Barbara Stamm, Bayerische Landtagspräsidentin und Prof. Dr. Hellmut Mehnert. Viele Grußworte wurden überbracht, darunter von Ruth Nowak vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in Vertretung von Schirmherrin Melanie Huml, Landrat Armin Kroder, Werner Gsaenger in Vertretung des Oberbürgermeisters der Stadt Nürnberg, Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes, und Margit Berndl vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern.


Alle lobten die beständige ehrenamtliche Arbeit und wünschten dem Verband, dass sich aktuell und in Zukunft immer genügend ehrenamtlich Aktive finden mögen, um diese gewachsene und gut vernetzte Organisation weiter zu führen.


Barbara Stamm „Danke und Vergelt’s Gott“


Barbara Stamm zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement des Diabetikerbund Bayern und dessen guter Vernetzung zu anderen Organisationen. Wenn es den Selbsthilfebereich nicht gäbe, so Frau Stamm, müsse man ihn erfinden. Sie selbst habe die Wichtigkeit schon lange erkannt und persönlich sehr profitiert. „Danken möchte ich allen,, die 60 Jahre Diabetes-Selbsthilfe in Bayern möglich gemacht haben, die da ihr Herzblut hineingesteckt, die alle Höhen und Tiefen des Verbandslebens durchgemacht haben und trotzdem immer für andere da waren. Davor habe ich wirklich großen Respekt. Sie sagte dem Diabetikerbund Bayern für die Zukunft ihre volle Unterstützung zu.


Dieter Möhler – Forderungen an die Politik


Dieter Möhler, Bundesvorsitzender des Deutschen Diabetiker Bundes, war es eine besondere Ehre, letzter Grußwort-Überbringer zu sein und dadurch die Chance zu haben, auf die Worte seiner Vorredner einzugehen. Und das tat er: Er mahnte in der Politik an, dass soziale Teilhabe für alle Diabetiker und ganz besonders unsere betroffenen Kinder eine Selbstverständlichkeit sein muss. Die Politik hat die Aufgabe, Nachteile zu beseitigen. Es läge auch nicht im Interesse der Allgemeinheit, dass Diabetikern heute neue Therapie- und Hilfsmittel, die ihre Stoffwechsellage verbessern, aus wirtschaftlichen Gründen vorenthalten werden – die Kosten, die spätere Folgeerkrankungen verursachen, werden ein Vielfaches betragen. Ein wesentliches Problem im Typ 2-Diabetes-Bereich ist auch die Stigmatisierung. Nur der ungesunde Lebensstil ist nicht für eine Diabetes-Erkrankung verantwortlich - auch dem Typ 2-Diabetes liegt eine genetische Disposition zugrunde. Wir alle sind aufgefordert, alle Menschen dort abzuholen, wo sie sich befinden. Nur dies kann Veränderungen bewirken.


Prof. Mehnert – grandiose Festrede!


Ehrengast Prof. Mehnert hatte Bernd Franz sofort zugesagt, die Festrede des Abends zu halten. Viele Diabetiker kennen Prof. Mehnert aus seiner aktiven Zeit im Städt. Krankenhaus München-Schwabing, als Buchautor, „Geburtshelfer“ einiger Selbsthilfegruppen in den 80iger Jahren und Referent bei Diabetestagen und –kongressen. Selbst heute im hohen Alter ist er noch sehr aktiv – besonders lesenswert sind seine regelmäßigen Kolumnen in der Ärztezeitung. An diesem Abend blickte er zurück an den Beginn seines Berufslebens: Damals behandelte er 50% Typ 1- und 50% Typ 2-Diabetiker. Heute sind Typ 1-Diabetiker mit nur 10 % die Minderheit in der Gesamtheit aller Diabetiker. Beide Diabetesformen steigen an – beim Typ 1-Diabetes ist das derzeit nicht wirklich erklärbar. Am sprunghaften Anstieg der Typ 2-Diagnosen sind laut Prof. Mehnert auch die verschärften Normwerte beteiligt, die aber Sinn ergeben, denn man habe gelernt, dass oberhalb dieser Werte das Risiko von Folgeerkrankungen ansteige. Prävention und Früherkennung muss unser aller Ziel sein. Er berichtete von einer Früherkennungsaktion, die er mit anderen vor vielen Jahren initiiert hatte: Damals wurden an Münchner Bürger Fragebögen mit vier einfachen Fragen (ein Vorläufer des heutigen Diabetes-Risiko-Tests) inkl. frankierten Rückumschlägen verschickt – 70 % kamen zurück, eine phantastische Quote. Mit dieser Aktion wurden 7.000 Diabetiker neu diagnostiziert und rechtzeitig behandelt. Anekdote hierzu: Kosten spielten auch damals schon eine Rolle und so war die Frage: Wie kann man das Porto für die Rücksendung möglichst niedrig halten? Die Lösung: Die Fragen wurden durch Umknicken oder Nichtumknicken der Ecken des Papierbogens beantwortet – damit waren die Voraussetzungen für die günstigere Drucksache erfüllt! Drei Dinge sollten Diabetiker täglich tun, so Prof. Mehnert in seiner Rede: Füße inspizieren, Wiegen und Blutzucker messen! Neue Messmethoden wie CGM bzw. der Freestyle Libre® und neue Medikamente können die Lebensqualität sichern und verbessern – hier verwies er auf die Forderungen von Dieter Möhler an die Politik. Er beschloss seinen Vortrag mit einigen gekonnt vorgetragenen Anekdoten – sie und einige mehr sind nachzulesen in seinem Buch „Ein Kalif in München“.


Nach der <link>Siegerehrung zum Wettbewerb „Bilder erzählen meine Krankheit“, die Barbara Stamm, Schirmherrin, sehr gerne persönlich übernommen hat , hatten sich alle eine kleine Pause verdient. Am reichhaltigen Buffet warteten regionale Spezialitäten und noch weitere Köstlichkeiten!


Nach der Stärkung folgte die Verleihung der Leo-Malcherczyk-Medaille in Gold und Silber, vorgenommen durch den geschäftsführenden Vorstand - den Bericht hierzu finden Sie <link http: www.diabetikerbund-bayern.de neuigkeiten article leo-malcherczyk-medaillen-2015-dr-blechschmidt-gold-und-dr-seithe-silber>hier.


Ehrung der Mitgliedsjubilare


Eingeladen waren auch alle Mitgliedsjubilare mit 40-, 50- und 60-jähriger Vereinszugehörigkeit der Jahre 2014 und 2015 und unsere beiden langjährigsten Mitglieder. Sie standen nun im Mittelpunkt. Mit der Überreichung einer Urkunde, der Ehrennadel und einem kleinen Präsident dankte der Vorstand für ihre langjährige Treue und wünschte für die Zukunft viele weitere gesunde Jahre. Sie alle sind uns und vielen anderen Diabetikern ein gutes Beispiel, dass ein langes, gesundes Leben mit Diabetes gelingen kann. Was uns Mitgliedsjubilare immer wieder bestätigen: Mitglieder und Verband profitieren voneinander, denn: Nur ein mitgliedsstarker Verband verfügt über die Möglichkeiten, sich für die Belange Betroffener einzusetzen und etwas zu bewirken. Unsere Mitglieder profitieren vom Erreichten und durch individuelle Unterstützung. Gemeinsam ging man jetzt zum gemütlichen Teil des Abends über.