Am 7. Mai 2011 waren alle Pumpenträger zum 10. Stanicher Pumpentreffen in die Steinachtalhalle eingeladen. Der Regionalverband Oberfranken Ost im Diabetikerbund Bayern freute sich, dass auch heuer wieder ca. 140 Besucher aus Nah und Fern gekommen sind. Neben den interessanten Vorträgen war auch dieses Mal die Industrieausstellung der Publikumsmagnet, ohne sie ist eine solche Veranstaltung nicht möglich. Höhepunkt dieser Jubiläumsveranstaltung war eine Verlosung. Am Stand des Diabetikerbundes Bayern war ein Glas mit Traubenzucker aufgestellt, deren Anzahl geschätzt werden sollte. Drei wertvolle Preise winkten den besten Schätzern am Ende der Veranstaltung.
Traubenzucker-Schätzen
Die Grußworte übermittelten Klaus Hohlweg, Regionalvorsitzender des Regionalverbandes Oberfranken Ost, Bernd Franz, Landesvorsitzender des Diabetikerbundes Bayern, Roland Wolfrum, Bürgermeister von Stadtsteinach und Klaus Zarner, Mitglied des Kreisrates vom Landkreis Kulmbach. Die Moderation übernahm der Organisator dieser Jubiläumsveranstaltung Michael Lorenz höchstpersönlich. Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Kulmbacher Stollmusikanten.
Michael Lorenz begrüßte den ersten Referenten, Dr. med. Gerhard-W. Schmeisl, Deegenbergklinik Bad Kissingen, der zum Thema „Macht eine optimale Blutzuckereinstellung mit Insulinpumpe Sinn? Lohnt sich der Aufwand?“ referierte.
Entwicklung der Insulinpumpen
Er stellte in einer kurzen Historie den Weg von der ersten Insulinpumpe in der Größe eines Rucksacks bis zur heutigen kleinen Pumpe vor. Er verglich hierbei die Ausstattungsmöglichkeiten der neuen Pumpen mit seinem Hobby Autos – früher und heute, nach dem Motto: Muss ich all die Optionen haben? Heute sind fünf Insulinpumpenmodelle mit unterschiedlicher Ausstattung auf dem Markt. Die technischen Möglichkeiten der Insulinpumpen gehen von der Basis über das Bolusmanagement bis zur Sensor-gestützten Insulinpumpentherapie. Wie werden die technischen Möglichkeiten genutzt? Es gibt u.a. den verlängerten Bolus und den Boluskalkulator.
Therapie-Regeln einhalten
Die nächste Frage: Bringt die Pumpe etwas? Die Beschränkung nur auf die technische Bedienung ist völlig unzureichend. Bei der basalen Insulinversorgung ist die Pumpe der Spritzentherapie überlegen. Wenn die erlernten Therapie-Regeln nicht angewandt werden, bringt auch die Pumpe nichts. Der Insulinpumpenträger muss in der Lage sein, selbständig auf Blutzuckerschwankungen zu reagieren. Die Insulinpumpe benötigt einen engagierten, sorgfältigen Menschen, der die Behandlung steuert. Blutzuckermessungen und Insulinanpassungen müssen vom Pumpenträger selbst vorgenommen werden. Eine Insulinpumpe übernimmt nicht die Behandlung, sie kann sie aber erleichtern. Die Insulinpumpentherapie kann der ICT überlegen sein, z.B. bei Diabetikern mit Dawn-Phänomen, schwankendem Tagesverlauf, nächtlichen Hypos, vor, während und nach Schwangerschaften, Diabetikern mit extrem niedrigem oder hohem Insulinbedarf, sportlich sehr aktiven Menschen und stark schwankenden Blutzuckerwerten. Mögliche Nachteile sind vorhanden. Finanziert wird die Pumpe bei Dawn-Phänomen, unbemerkten Hypos, Kindern mit geringem Insulinbedarf und Schichtarbeit.
Indikationen Insulinpumpentherapie
Wofür all der Aufwand? Es geht um die Verringerung der Folgeschäden, jährlich derzeit ca.: 44.000 Schlaganfälle, 28.000 Amputationen, 27.000 Herzinfarkte, 800 neue Dialyse-Patienten und 600 Erblindungen. Die Komplikationsrate der verschiedenen mikrovaskulären Erkrankungen steht in Abhängigkeit vom HbA1c, Ziel ist ein Wert unter 7 %; je weiter der HbA1c über 7 % liegt, desto höher die Gefahr der Folgeschäden. Die abschließende Frage: Lohnt sich der Aufwand wirklich? Ja, aber: Die Lebensqualität steigt erheblich - man muss die technischen Möglichkeiten aber nutzen!
Michael Lorenz bedankte sich bei Dr. Schmeisl mit einem Präsent. In der Pause, die zum Erfahrungsaustausch und Besuch der Industrieausstellung genutzt werden konnte, spielten die Kulmbacher Stollmusikanten.
Nach der Pause stellte Michael Lorenz den nächsten Referenten vor: Andreas May, Diabetiker und Extremsportler aus Hamburg. Sein Thema: „Was darf`s denn sein? 100 km Trail-Rrunning oder Challenge Roth? – Sportanpassung (nicht nur) bei extremen Belastungen.“
Extremsport nach Diabetes-Diagnose
Andreas May beschreibt in seinem Vortrag seinen Weg, wie er nach der niederschmetternden Diagnose Diabetes und 17 Jahren Sportpause sich wieder motiviert hat, Sport zu treiben, wie lange vorher. Er stellte fest, dass die Vorteile Sport zu treiben, unbestritten sind. Die kardiovaskulären Risikofaktoren, wie z.B. Übergewicht, Bluthochdruck, Cholesterin und Diabetes erreichen durch Sport wieder normale Werte. Die Hypoglykämien stellen bei regelmäßiger sportlicher Betätigung keine Gefahr dar. Es kommt dadurch zu keiner Zunahme schwerer und auch keiner erhöhten Gefahr nächtlicher Hypoglykämien. Sport erzeugt erst Unruhe im Blutzucker(BZ)-Verlauf und ermöglicht anschließend normoglykämische Werte. Sein Motto: Sport mit Diabetes geht – man muss es nur tun! Er beschreibt seinen sportlichen Lebenslauf vor und nach seiner Diagnose Diabetes - und er steigerte seine sportlichen Aktivitäten bis zum Extremsport: Zehn Marathons, vier Triathlons und sechs Ultramarathons. Anschließend führte er seine Vorteile auf: Gewichtsreduzierung, gesündere Ernährung, kaum Alkohol, selbstbewusster Umgang mit seinem Diabetes, Aneignung von (Fach-)Wissen, genaue Kenntnisse des eigenen Stoffwechsels und bessere HbA1c-Werte.
Im Anschluss zeigte er in einem Bildervortrag den 100-km-Trail durch die Tundra in der Mongolei, stellte das Höhenprofil der Strecke mit zwei Pässen jeweils über 2000 m Höhe dar. Danach erklärte er seine Therapie, zeigte die BZ-Kurve mit den jeweiligen Maßnahmen und Korrekturen und beschrieb hier aufgetretene Korrekturfehler mit ihren Auswirkungen.
Legen Sie los - aber langsam!
Andreas May machte jedem Mut, Sport zu treiben. Folgende Bedingungen müssen jedoch eingehalten werden: medizinisch keine Einwände, regelmäßiges Training (mindestens 3 x pro Woche), allmähliche Steigerung des Trainingsumfangs um 10 % pro Woche und Abwechslung statt monotonen Trabens. Des Weiteren stellte er die fünf Schritte der Anpassung seiner Diabetestherapie beim Sport dar. Sein wichtigstes Hilfsmittel war das CGMS (Continuierliches Glucose-Monitoring-System). Dieses sensationelle Hilfsmittel kann, minütliche BZ-Messungen durchführen, Trendpfeile signalisieren die Tendenz des BZ-Verlaufs, Alarme warnen vor hohem und niedrigem BZ - die Befestigung des Senders ist am Oberarm oder Bauch möglich. Man kann die Alarme einstellen (Sportprofil) und Sport treiben wie ein Gesunder - ohne Angst vor einer Hypo und ohne Unterbrechung des Trainings aufgrund eines niedrigen BZ-Wertes. Er stellte aber auch fest, dass nicht alles geht, wie z.B. Challenge Roth, bestehend aus 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen. Trotz vieler BEs stieg der BZ beim Schwimmen (Frühstücksbolus wirkte stark nach) nicht wie geplant an und BE-Fehler führten später zum katastrophalen Anstieg (kleiner, letztlich aber zu großer Korrekturbolus mit enormer Auswirkung über viele, viele Stunden). Sein Fazit: Es müssen ja nicht gleich 100 km sein, aber ein bisschen Sport geht immer!
Michael Lorenz bedankte sich auch bei Andreas May mit einem Präsent. Anschließend war noch genügend Zeit zum reichlichen Erfahrungsaustausch mit den Referenten, Industrieausstellern und der Zuhörer untereinander.
Die Preisträger
Zum Schluss der Veranstaltung wurden die drei Gewinner ermittelt:
1. Preis: Ein Wochenende nach Berlin:
Anni Reichert
2. Preis: Ein Tagesausflug mit dem Busunternehmer Greiner:
Werner Schmidt
3. Preis: Ein Wanderrucksack:
Manfred Summerer
Mit der Preisverleihung endete die erfolgreiche Jubiläumsveranstaltung. Herzlichen Dank an alle, die in der Organisation und während der Veranstaltung mitgewirkt haben.
Klaus Hohlweg, Regionalvorsitzender RV Oberfranken Ost


