Am 25. April 2009 fand in der Steinachtalhalle in Stadtsteinach das 8. Stanicher Pumpentreffen des Diabetikerbundes Bayern Regionalverband Oberfranken Ost statt.
Wie immer war es auch dieses Mal sehr gut besucht. Publikumsmagnet war wieder die Industrieausstellung, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich ist. Die Veranstalter zählten ca. 100 Teilnehmer, nicht nur vom Regionalverband Oberfranken Ost, der ca. 300 Mitglieder vorzuweisen hat. Diese Teilnehmerzahl ist beeindruckend, wenn man bedenkt, dass ca. 5% der Bevölkerung an Diabetes erkrankt sind, davon ca. 5% an Typ 1 Diabetes, ca. 5 – 10 % hieraus tragen eine Insulinpumpe.
Die Grußworte übermittelten der Regionalvorsitzende des Regionalverbandes Oberfranken Ost Klaus Hohlweg der Landesvorsitzende des Diabetikerbundes Bayern Bernd Franz sowie der Bürgermeister der Stadt Stadtsteinach, Herr Wolfrum. Anschließend übernahm Michael Lorenz die Moderation und stellte den ersten Referenten, Dr. Andreas Liebl von der Fachklinik Bad Heilbrunn, vor mit seinem Thema: „Unterzuckerungen – mehr als eine Unpässlichkeit?“
Dr. Liebl ging auf die einzelnen Problematiken der Unterzuckerungen ein. Definiert ist eine Unterzuckerung (Hypo) mit einem Blutzuckerwert von weniger als 50 mg/dl, auch ohne Symptome, mit Symptomen schon bei Werten von weniger als 60 mg/dl. Bei einer schweren Hypo liegt Bewusstseinstrübung vor und es ist fremde Hilfe erforderlich. Dieses Problem kommt hauptsächlich bei Typ-1 Diabetikern vor, weniger bei Typ-2 Diabetikern. Die Häufigkeit liegt im Durchschnitt bei 19 Ereignissen pro 100 Patientenjahren. Todesfälle sind bei 2 – 4 % aller Hypos bekannt, die hauptsächlich nachts vorkommen („Dead-in-bed-Syndrom“). Die Hauptursache liegt hier im übermäßigen Alkoholgenuss, da die Gegenregulation ausbleibt.
Niedrige HbA1c-Werte sind nicht verbunden mit gehäuften Hypos, sondern eher mit einer rückläufigen Anzahl. Größter Risikofaktor für eine Hypo ist eine vorausgegangene Hypo aufgrund einer verringerten Wahrnehmung nach einer Hypo.
Risikofaktoren für Hypos sind Insulin-Anpassungsfehler, wie z.B. wechselnde Kohlenhydratmengen zu den Mahlzeiten, körperliche Aktivität, Erkrankungen, falsche Korrekturregeln, erhöhte Bioverfügbarkeit durch gesteigerte subkutane Insulinabsorption (Bewegung, Temperatur usw.), erhöhte Insulinempfindlichkeit, inadäquate Kohlenhydrat-Aufnahme /-resorption, wie z.B. überlanger Spritz-Ess-Abstand, Gastroparese, Darmerkrankung oder chronische Pankreatitis, Stillen oder sonstige Faktoren, wie z.B. Sport, Alkohol, Beta-Blocker (Blutdruck-Medikament), Schlaf (50% aller schweren Hypos) sowie lange Diabetesdauer und hohes Alter.
Zur Behandlung der Hypo sind 1 – 2 KE schnelllösliche Kohlenhydrate (Traubenzucker, Saft, Cola - bei der Medikation mit Acarbose nur mit Traubenzucker!), danach gegebenenfalls „langsame“ Kohlenhydrate in Form von Brot, Nudeln, Reis usw. notwendig. Bei Bewusstseinstrübung hilft nur Glucagon.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Hypos ein häufiges Problem darstellen, die jedoch das Gehirn nicht schädigen. Sie werden oft schwer wahrgenommen. Deshalb muss man nach den Ursachen forschen und hier Abhilfe schaffen. Vorsicht vor Übertherapie!
Michael Lorenz bedankte sich bei Dr. Andreas Liebl und überreichte ihm ein Präsent.
Nach der Pause stellte er den nächsten Referenten, Herrn Dr. Martin Schönauer von der Uni Leipzig mit dem Thema: „Die Insulinpumpentherapie (CSII) – eine probate Methode zur Vermeidung von Unterzuckerungen“, vor.
Die Angst vor schweren Hypos verhindert offensichtlich eine bessere glykämische Einstellung. Dr. Schönauer stellte fest, dass unter der Insulinpumpentherapie eine Abnahme der Hypos zu verzeichnen ist. Die Patienten mit hohen Blutzuckerwerten profitieren von der Insulinpumpentherapie, ebenso die Patienten mit guten Blutzuckerwerten und vielen Hypos.
Des Weiteren ging Dr. Schönauer auf die Vorteile der kontinuierlichen Glucose-Messung ein. Hierbei werden die unphysiologischen postprandialen Systemschwingungen, wie z.B. falsche Spritz-Ess-Abstände, aufgedeckt.
Jede Insulingabe basiert auf der Abstimmung zwischen Insulin und Kohlenhydraten. Greift die Leber ein - Gegenregulation bei Hypo - versagt jedes Diabetesmanagement.
Nutzen der kontinuierlichen Glukosemessung ist die Verbesserung der glykämischen Einstellung (Blutzucker- und HbA1c-Werte). Die Verbesserung ist nicht abhängig vom Alter, sondern von der Sensortragedauer, z.B. mit der Anwendung der Paradigm Real-Time von Minimed.
Michael Lorenz bedankte sich beim Referenten Dr. Martin Schönauer mit einem Präsent.
Anschließend war noch Gelegenheit zum reichlichen Erfahrungsaustausch mit den Referenten, den Industrieausstellern und untereinander.
Klaus Hohlweg, RV Oberfranken-Ost


