Diabetesmuseum München, Teil 3
Nach einem Vortrag anlässlich „25 Jahre Kinder- und Jugend-Diabetesschulung Kinderhaus Krankenhaus Harlaching“
Blutzucker
Der erste große Schritt in das Zeitalter der täglichen Blutzuckermessung war der Reflectance Meter der amerikanischen Firma Ames im Jahre 1969. Dieses Gerät benötigte einen Teststreifen zum Anzeigen des Resultates in einem Messbereich von 10–1000 mg/dl in einem analogen Sichtfenster. Es kostete 495 US $.
Boehringer Mannheim bot zu diesem Zeitpunkt Teststreifen namens Haemo-Glukotest an, die visuell abzulesen waren. Die Farbskala verfügte über einen Anzeigebereich von 60–240 mg/dl.
Bei beiden Möglichkeiten betrug die Blutmenge 20 Mikroliter – damals ein unglaublicher Fortschritt, wenn man bedenkt, dass um 1900 noch ein viertel Liter Blut benötigt wurde. Selbst bei der kolorimetrischen Messung der Blutglukose Ende der 20er bis weit in die 70er Jahre lag die geforderte Blutmenge immerhin noch bei 200 Mikroliter. Zudem setzten diese Verfahren chemische Grundkenntnisse voraus. Der Aufwand war enorm - Chemikalien mussten gemischt, filtriert und Ergebnisse zu jeder Tages- und Nachtzeit verglichen und ausgelesen werden. Über die Ergebnisse möchte ich mir kein Urteil erlauben, kann mir allerdings gewisse Toleranzen gut vorstellen. Es gab meines Erachtens eine Vielzahl von Fehlmessungen aufgrund des komplizierten Verfahrens.
Ab 1982 standen digitale Messsysteme zur Verfügung. Das Gewicht änderte sich zum wirklichen Mitnahmeartikel, ab Mitte der 80er Jahre wurden die Geräte kleiner. Die Preise schwankten in dieser Zeit je nach Ausstattung zwischen 350 und 500 DM.
Bei den heutigen Geräten benötigen manche nur noch 0,3 Mikroliter Blut pro Messung. Einige kommunizieren mit der Insulinpumpe, andere sind an Organizer anschließbar. Fast alle Geräte sind mit Hilfe von EDV und/oder Software auslesbar. Sie verfügen zum Teil über enorme Speicherkapazitäten. Manche Geräte können zusätzlich Cholesterin oder Ketone bestimmen.
Nun bleibt noch eine Frage zu klären: Wann müssen sich Diabetiker zur Blutzuckerbestimmung nicht mehr stechen?
Harnzucker
Um 1900 wurde zur Harnzuckerbestimmung täglich bis zu 10l Urin gesammelt.
In den 30er bzw. 40er Jahren konnte man den Zucker im Harn mittels einer einzigen Reagenz, der so genannten Nylander–Reagenz, bestimmen. Die fertige Mischung setzte sich aus Wismut, Seignettesalz und 8%iger Natronlauge zusammen. Die Höhe des Harnzuckers konnte man durch Vermengen dieser Lösung mit Harn nach der anschließenden Erhitzung erkennen. Es erfolgte ein Farbumschlag nach schwarz. Je intensiver die Schwarzfärbung, desto höher der Zuckergehalt. Bei negativem Ergebnis blieb die Lösung klar.
Ab 1950 bis in die 70er Jahre konnte mit dem Clinitest der amerikanischen Firma Ames die Zuckermenge ermittelt werden. Die Nylander–Reagenz wurde durch Tabletten ersetzt. Anhand der Verfärbung von dunkelblau über grün bis orange war der Harnzuckergehalt bestimmbar.
1974 führte Boehringer Mannheim den Glukotest ein. Eine Papierstreifenrolle setzte in der Harnzuckermessung neue Maßstäbe durch sofortige Ablesemöglichkeit. Trotz des Wechsels zu Einmalstreifen verlor das Verfahren ab 1982 mit der Einführung von Blutzuckermessgeräten bei Ärzten und Patienten zunehmend an Bedeutung.
Heute überprüft man im Urin die Höhe der Ketone (Aceton), um die bevorstehende Stoffwechselentgleisung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Ernährung
In den 60er und 70er Jahren gab es ein vielfältiges Angebot an Nahrungsmitteln, die extra für die an Diabetes erkrankten Menschen produziert wurden.
Für den Typ 1 Diabetiker wurde Anfang bis Mitte der 90er Jahre der Gebrauch des normalen Haushaltszuckers weitgehend freigegeben, sofern innerhalb der Austauschtabelle die vorgegebenen Broteinheiten (BE) oder Kohlenhydrateinheiten (KE) nicht überschritten werden. Erst der tägliche Gebrauch des sogenannten Altinsulins (Normalinsulin) ermöglichte diesen Wandel. Man setzte nun wieder auf die Anfänge der Insulinverabreichung von Dr. Banting. Damals schon hatte er empfohlen, Insulin zu den Mahlzeiten zu injizieren. Durch die Einführung der Depotinsuline Mitte bis Ende der 30er Jahre hatte man diese Ratschläge allerdings ad absurdum geführt.
Auf Internetseite www.diabetesmuseum.de finden Sie noch viel mehr Informationen zur Geschichte und Therapie der Zuckerkrankheit!
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Anja und Werner Neumann
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