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Kindergeburtstag mit Diabetes

© Claudia Paulussen - AdobeStock

Meine Sorge, unser fünfjähriger Korbinian, der mit 15 Monaten Typ-1-Diabetes manifestierte, würde deutlich seltener als seine drei Geschwister zu Kindergeburtstagen eingeladen, erweist sich glücklicherweise als völlig unbegründet. Warum jede Geburtstagseinladung dennoch nicht nur Glücksgefühle auslöst (und selbstverständlich ist dies ein Jammern auf hohem Niveau…), sei im Folgenden dargestellt.

„Lieber Korbinian, lieber Vinzenz, ich lade Euch herzlich zu meinem Geburtstag am 6.2.2020 von 15 bis 18 Uhr bei mir zu Hause ein…“ lese ich unseren Jungs auf dem Weg vom Kindergarten die neueste Geburtstagseinladung eines Zwillingspärchens aus der Kindergartengruppe vor. Während andere Eltern an solchen Geburtstagstagen je nach Kinderanzahl komplett kinderfreie Stunden genießen oder sich immerhin ausgiebiger dem jeweiligen Geschwisterkind widmen können, bedeutet für mich jeder Geburtstag, zu dem Korbi eingeladen ist, drei Stunden Dauerlärm, Streitschlichten, Spielen - aber natürlich auch viel Spaß: ein wenig so, wie wenn ich selbst alle paar Wochen zum Kindergeburtstag bei uns laden würde…

Da Korbis Blutzuckerwerte momentan immer wieder extrem schwanken und ich gerade bei einer Kindergeburtstagsfeier keinem der Gastgeber noch zusätzlichen Stress in Form häufiger Blutzuckerkontrollen, Abwiegen, Berechnen des Kuchens und diversere Süßigkeiten, die es nach jedem gewonnenen Spiel gibt, zumuten will, begleite ich Korbi stets auf die Feiern. Ich halte mich natürlich so weit im Hintergrund, dass es ihn nicht stört. War es mir auf den ersten Feiern unangenehm, mich quasi als „Störenfried“ zur Geburtstagsrunde zu gesellen, bin ich mittlerweile ein gerne gesehener Gast: Ich kümmere mich nicht nur um das Blutzuckermanagement, sondern ich helfe auch tatkräftig bei allen anstehenden Geburtstagsaktivitäten mit.

Und so ließ ich mich an diesem Nachmittag, an dem ich eigentlich mit der Familie meinen eigenen Namenstag feiern wollte, bereitwillig mit Geschenkpapier bewerfen, ermahnte die Geburtstagsgäste, wenn die Lärmgrenze doch mehr als deutlich überschritten war, half beim Kleben und Schneiden der Geburtstagsbastelarbeiten… Nebenbei versorgte ich Korbi diabetesmäßig und schaffte es trotz häufiger Naschereien, den Blutzucker wieder sanft in den grünen Bereich zu bringen – ausgerechnet heute war er aufgrund eines abgelösten Katheters und somit einiger Stunden unbemerkt fehlender Insulinzufuhr etwas aus dem Ruder gelaufen. Dazwischen genoss ich immerhin auch Kaffee und Kuchen.

Ich muss bei jeder Feier immer noch recht amüsiert an die Geburtstagseinladung unserer Zwillinge bei einem befreundeten Kindergartenkind aus einer etwas bildungsferneren Familie denken, an der mich die Mutter des Geburtstagskindes mit den Worten verabschiedete: „Ich hätte nicht gedacht, dass Geburtstagsfeiern so entspannt geht.“ „Ja“, dachte ich „das ist gut möglich: In der Zeit, in der ihr vor der Tür ausgiebig geratscht und geraucht habt, habe ich unzählige Mal mit den Kindern „Reise nach Jerusalem“ gespielt…“

Auch wenn somit jede Geburtstagseinladung, die Korbi erhält, nicht wirklich erholsame Stunden für mich verheißen, bin ich doch sehr dankbar, dass unser Sohn trotz Diabetes überall dabei sein und das Leben genießen kann. (Dorothea Fading)