Berichte Kinder & Jugend Stories

Diabetes-Camp 2022 – vielfältige Erfahrungen für alle Sinne!

Das Finale © Christian Amthor

© Marianne Magg

Kulissen planen, zeichnen, sägen, schneiden, kleben ... © Marianne Magg

... und bemalen © Marianne Magg

Wanderung zum Aussichtspunkt © Marianne Magg

Nachtwanderung und Lagerfeuer © Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

© Christian Amthor

Unsere kleine Camp-Stadt mit großem Zirkuszelt und unseren Unterkünften © Marianne Magg

Unser engagiertes Betreuerteam © Marianne Magg

© Co-Design - stock.adobe.com

Was waren das für vielfältige Eindrücke und Erfahrungen, die 50 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren beim diesjährigen Sommercamp des Diabetikerbund Bayern e.V. in Happurg erleben durften!

Die seit vielen Jahren beliebte Schulungsfreizeit für Diabetes-Kids wurde zum ersten Mal gemeinsam mit dem Circus Courage unter der Leitung von René Zander durchgeführt.

Neben einer großen Portion Vorfreude auf’s Wiedersehen mit Camp-TeilnehmerInnen der Vorjahre, auf Zirkus-Leben vor- und hinter den Kulissen oder einfach eine erlebnisreiche Ferienwoche brachten alle Kinder und Jugendlichen neben Bergen von Gepäck auch die chronischen Erkrankungen Diabetes Typ 1 oder Zöliakie – und manchmal auch beides - mit.

Um das große Ziel der Circus-Camp-Woche – eine stimmungsvolle Zirkusaufführung aller teilnehmenden Kinder und Jugendlichen für Eltern und Geschwister – zu erreichen, stand ein buntes Team von rund 25 Personen mit großem Engagement bereit. Zirkuspädagogen, Medizinis (das medizinische Team bestehend aus Diabetologe, Kinderkrankenschwester, Diabetes-Beraterinnen und Psychologin), Küchenteam sowie Diabetes-erfahrene BetreuerInnen waren eine Woche lang nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Sehr bemerkenswert war, wie es das große Team innerhalb kürzester Zeit schaffte, unterschiedliche Erfahrungen, Vorstellungen und Vorgehensweisen abzustimmen und gemeinsam passende Lösungen für alle auch spontanen Herausforderungen zu entwickeln, um den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen eine unbeschwerte Ferienwoche zu bereiten.

Für TeilnehmerInnen, die aufgrund ihrer Zöliakie auf glutenfreie Ernährung achten müssen, war die Erfahrung, an den leckeren Frühstücksbuffets, beim Mittag- und Abendessen einfach aus dem gesamten Angebot wählen und nach Herzenslust zugreifen zu dürfen, schon etwas Besonderes. Kein extra Brotkorb, kein separates Buffet-Tischchen, etc. - nein! Das Camp war komplett glutenfrei! Und so konnten es sich alle gemeinsam schmecken lassen – was nach anfänglichen Gewürzattacken des Caterers – auch meist gelang.

An dieser Stelle gebührt dem gesamten Küchenteam ein riesiges Lob und dickes Dankeschön für das appetitliche Anrichten der gelieferten Speisen, fürs Brot backen, Frühstücksbuffets mit frischem Obst und Gemüse-Sticks herrichten, der Zubereitung von Sonderwünschen – Kaiserschmarrn für alle (!), das Beiseite-Stellen von Extra-Portionen, wenn der aktuelle Blutzucker so gar nicht zur Essenszeit passte oder spätabendliche Hungeranfälle gestillt werden mussten.

Und wie erfolgte die Berechnung der Kohlenhydratmenge, KE’s und BE’s für all‘ diejenigen, die auf abgestimmte Insulindosierungen angewiesen sind? Die bereit liegenden Waagen wurden tatsächlich kaum benutzt. Meist wurde ein sogenannter „Referenzteller“ mit exakt bestimmtem Kohlenhydratanteil auf dem Buffet platziert. Mit dessen Hilfe, der Unterstützung von Diabetes-erfahrenen BetreuerInnen sowie den sachkundigen Kommentaren anderer TeilnehmerInnen wurde das Schätzen geübt.

Denn genau das ist ein wichtiges Ziel der Diabetes-Schulungsfreizeit: die einfache und praktikable Anwendung von Diabetes-Regeln in alltäglichen Situationen zu üben und Sicherheit zu erlangen. Und eben auch gemeinsam die Erfahrung machen, dass KH-Schätzen mitunter auch schwankendere Blutzuckerverläufe nach sich zieht. So konnte ganz unbewusst die nächste „Schulungseinheit“ starten: Was mache ich, wenn mein Blutzucker sich anders entwickelt wie geplant? Gemeinsam mit erfahrenen BetreuerInnen und Diabetes-BeraterInnen wurde dann reflektiert, was in den letzten Stunden passiert war: zu viel gegessen, mehr Bewegung als gedacht, die Insulingabe vergessen, vielleicht ist der Katheter verstopft, oder …?

Aus der Erfahrung zu lernen, ohne zu pauken, ist die Devise! Faszinierend zu beobachten, wie gut Kinder und Jugendliche die Regeln ihrer Diabetes-Therapie meist kennen. Und mit ein wenig Unterstützung diese auch anwenden! Tipps und Tricks unter Gleichbetroffenen austauschen, abschauen, wie die Insulinpumpe am besten verstaut wird, wie der Katheter ohne hilfreiche Hände von Mama oder Papa auch alleine gesetzt werden kann – die Schulungscamps leisten einen nicht zu ersetzenden Beitrag für Kinder und Jugendliche, die Diagnose Diabetes Typ 1 anzunehmen und den Weg in die eigenständige Diabetes-Behandlung selbstbewusst und motiviert zu bestreiten.

Für diesen Erfolg geben die Diabetes-erfahrenen Betreuerinnen und Betreuer alles! Als selbst ehemalige Camp-TeilnehmerInnen vermitteln sie nun wertvolle Erfahrungen, Wissen und Leichtigkeit an die Jüngeren – bessere Vorbilder könnte es kaum geben! Kompliment und ein Mega-Dankeschön an Euch, dass Ihr Eure Freizeit und Eure Nerven „opfert“.

Was mit und trotz chronischen Erkrankungen alles möglich ist, beweist die Circus-Camp-Woche ganz eindrücklich! Innerhalb von wenigen Tagen wurden aus mitunter schüchternen Mädels und Jungs graziöse Artisten, geheimnisvolle Zauberer, geschickte Jongleure, überzeugende Schauspieler und einiges mehr. Unter Anleitung von professionellen Circus-Pädagogen konnten alle TeilnehmerInnen und BetreuerInnen alle Disziplinen ausprobieren. Die Entscheidung für „nur“ zwei Nummern fiel nicht leicht und so manche/r freundete sich erst zögerlich mit ihren/seinen Rollen an. Jeden Tag stand nun diszipliniertes Üben auf dem Programm: die Artisten am Luftring und Trapez, die alleine und zu zweit schwindelerregende Übungen ausprobierten, Balancieren auf dem Seil, Kunststückchen auf Rollen mit und ohne Brett, Jonglieren mit Pois, Bällen, Diabolos und Sticks, Hula Hupp-Akrobatik, Feuerspeier, Fakire auf dem Nagelbett, etc. – Fertigkeiten und Begeisterung wuchsen von Tag zu Tag. Und damit auch eine gewisse Nervosität vor der kommenden Aufführung.

Doch hier hatten die Circus-Profis um Chef-Dompteur René Zander das passende Mittel: Circus verkehrt! Was sollte das wohl sein? Für die Diabetes-BetreuerInnen war nur bekannt, dass sie an einem Abend die Stars in der Manege werden sollten. Und so wuchs die Sorge, was wohl erwartet würde und ob man/frau sich hoffentlich nicht blamieren würde! Doch was für ein gelungener Abend für alle Beteiligten! Launige Ansagen des Circus-Chefs kündigten die Vorführungen der BetreuerInnen an, die zur großen Freude und unter tosendem Applaus der begeisterten TeilnehmerInnen ihre Übungen in Zweier-Teams absolvierten. Mit Hilfe der Circus-AnleiterInnen konnte keine/r seine Darbietung richtig vermasseln und mit Humor wurde die eine oder andere Ungeschicktheit bestens gemeistert. Auch hier zeigte sich pädagogisches Einfühlungsvermögen und Erfahrung der Circus-Profis: Die Kids konnten lernen, dass keine Darbietung perfekt sein muss, um Spaß und Begeisterung nicht nur bei den Zuschauern auszulösen!

Und so wuchsen Vorfreude und Spannung im Laufe der Woche bei allen! Der ambitionierte Plan der Circus-Crew war, die einzelnen Vorführungen passend im Verlauf der Geschichte in das Programm einzubauen. Doch welche Geschichte sollte erzählt werden? Auf keinen Fall eine fertig bereitliegende! Eine eigene, nur für diese Vorführung einmalige Story sollte es werden! Und so war es die erste große Herausforderung für die jungen SchauspielerInnen, eine Handlung zu erfinden, passende Rollen und Charaktere zu entwickeln, Dialoge zu spinnen, kreative Bühnenbilder zu ersinnen, etc. – Mit welcher Geduld und Ausdauer die Theatergruppe unter kompetenter theater-pädagogischer Anleitung ans Werk ging, war sehr beeindruckend! (Marianne Magg)

Wir danken allen finanziellen Förderern des Camps: ARGE der gesetzlichen Krankenkassen in Bayern, Bezirk Mittelfranken, Kirchheim Verlag, MSD und Abbott.

Ganz besonders danken wir allen, die an der Planung und Verwirklichung dieses Camps beteiligt war, insbesondere René Zander mit seinem Zirkusteam, unserem auch in der Vorbereitung sehr engagierten Betreuerteam, dem medizinisch-psychologischem Team sowie dem Küchenteam.