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Selbsthilfe wirkt!

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Selbsthilfe finden fast alle gut. Dass sie wirklich helfen kann, glaubt man. Wieso, das weiß man nicht wirklich …

Genau dieser Frage ist die SHILD-Studie – eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte multizentrische Studie zum Stand der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe in Deutschland - auf den Grund gegangen.

Das UK Hamburg-Eppendorf, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universität zu Köln haben dafür 1.192 Selbsthilfegruppensprecherinnen und -sprecher, 243 Selbsthilfeorganisationen (Dachverbände, Bundesorganisationen, Landesvertretungen), 133 Selbsthilfeunterstützungseinrichtungen, 75 Stakeholder und 3.163 Betroffene von chronischen Erkrankungen mittels strukturierter Fragebögen zu ihren Erfahrungen mit Selbsthilfe befragt.

Die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) in Regensburg hat die Studienergebnisse zu den TOP 10 der positiven Veränderung durch Selbsthilfe zusammengefasst:

Platz 10: Gesundheitsverhalten
Menschen in Selbsthilfegruppen leben gesünder als vorher – Bewegung, Ernährung, positive Einstellung, etc. Oft organisieren Selbsthilfegruppen Aktivitäten, um den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und damit das Verhalten der Selbsthilfeaktiven neu auszurichten.

Platz 9: Arzt-Patienten-Kommunikation
Durch die gegenseitige Unterstützung und den „gestärkten Rücken“ aus der Selbsthilfegruppe gelingt es Selbsthilfeaktiven besser, Gesundheitsprofis selbstbewusster und auf Augenhöhe zu begegnen.

Platz 8: Selbstfürsorge
Mehr als 70 Prozent der Aktiven in der Selbsthilfe sagen, dass sie nun mehr Dinge tun, die ihnen wirklich wichtig sind.

Platz 7: Selbstsicherheit
Selbsthilfeaktive sind sicherer im Umgang mit ihrer Erkrankung und haben weniger Scheu, darüber zu reden.
Ein sehr wichtiger gesellschaftlicher Effekt: Wenn wir uns nicht (mehr) für unsere Einschränkungen verstecken oder sogar schämen, dann kann daraus eine echte Ressource für ein einfühlsames und sorgsames Miteinander erwachsen. Der Mut, sich zu zeigen, ist Türöffner auch für andere Menschen, ihre Schwächen und Schatten nicht zu unterdrücken.

Platz 6: Urteilsfähigkeit
Drei von vier Selbsthilfeaktiven beschreiben, dass sie Gesundheitsinformationen besser beurteilen, einordnen, einschätzen und für sich selbst nutzen können.

Platz 5: Information
Mehr als bei allen anderen Informationsquellen werden die authentischen Infos von anderen Betroffenen in der face-to-face-Selbsthilfegruppe als die bedeutsamsten eingeschätzt. Aus der Flut der Möglichkeiten im unpersönlichen www helfen die Menschen in der Gruppe zu filtern, zu reduzieren und sie bieten den eigenen life-check an: Was sich beim einen Menschen bewährt, kann auch für mich hilfreich sein.

Platz 4: Zuversicht
Spannend! Denn hier geht‘s um Themen, die richtungsweisend für das eigene Leben in der Zukunft sind. Mehr als 80 % der in der Selbsthilfe aktiven Menschen blicken zuversichtlicher in die Zukunft als vorher.

Platz 3: Verantwortung
Wer zuversichtlicher ist sowie mehr Mut und Wissen hat, der übernimmt auch gerne mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit.

Platz 2: Motivation
Wer kennt das nicht? Wenn‘s flutscht, dann kommt richtig Fahrtwind auf. Kein Wunder, dass aus all den positiven Effekten die Motivation steigt, sich gut um sich selbst zu kümmern und für das eigene Wohlbefinden zu sorgen.

Platz 1: Neue Wege und Wahlmöglichkeiten bei der Krankheitsbewältigung
Menschen in der Selbsthilfe wissen mehr, fragen mehr beim Arzt nach, weil sie sich mehr zu fragen wagen und auch mehr Fragen haben, informieren sich ein zweites Mal, hören über die Erfahrungen Anderer und kennen realistische Einschätzungen von Chancen und Risiken einzelner Behandlungsmethoden. Daraus entsteht in Summe, dass man mehr Möglichkeiten kennt und auch sicherer seinen individuell passenden Weg im Behandlungsdschungel findet.

Fazit
Selbsthilfe ist mehr als Gruppe! Aber: ohne Gruppe ist die Selbsthilfe nichts! Selbsthilfe wirkt bei den einzelnen Menschen, aber sie wirkt nur im und durch das Miteinander.

Weckt dieser Artikel Lust auf mehr Selbsthilfe? Möchten Sie von den Vorzügen der aktiven Selbsthilfe profitieren und an den Treffen der regionalen Selbsthilfegruppen im Diabetikerbund Bayern e.V. teilnehmen? Dann wenden Sie sich für den nächsten Termin an die unter "Gruppen/Termine" genannten Ansprechpartner der lokalen Gruppen oder nehmen Sie Kontakt mit der Geschäftsstelle in Nürnberg auf! Dort wird Ihnen gerne geholfen, eine passende Gruppe zu finden – oder eine Gruppe zu gründen.

An dieser Stelle sei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) in Regensburg ein ganz herzliches Dankeschön gezollt für die verständliche und einprägsame Darstellung der Studienergebnisse sowie für die ganzheitliche Unterstützung und Betreuung der regionalen Selbsthilfegruppen. (Marianne Magg, Netzwerk für Diabetes-Familien Obertraubling)