Berichte

Selbsthilfe in Zeiten der Corona-Pandemie Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern

© Kzenon - AdobeStock

Im Februar dieses Jahrs fand das jährliche Erstlingstreffen statt. Die Resonanz war groß: 18 Familien trafen sich zum Kennenlernen, Wiedersehen und Erfahrungen rund um Diabetes bei kleinen und größeren Kindern auszutauschen. Alle waren sich einig, wie wichtig und wertvoll der persönliche Austausch ist. Frisch motiviert und mit großer Vorfreude auf die regelmäßigen Treffen ging die Runde auseinander.

Umso größer die Enttäuschung, als Mitte März die Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie auch unsere Gruppe zwang, die persönlichen Treffen bis auf weiteres abzusagen. Schweren Herzens, aber immer mit der Maßgabe, den jeweils geltenden Regelungen gerecht zu werden, fielen Monat um Monat Vortragsabende und Ausflüge dem Rotstift zum Opfer.

Von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe in Regensburg wurden wir zeitnah mit allen relevanten Informationen während des Ausnahmezustands auf dem Laufenden gehalten. Und dies nicht nur in Bezug auf direkte Selbsthilfeaktivitäten, sondern auch mit Ideen und Ansprechpartnern für ein gelingendes Familienleben in dieser nie dagewesenen Situation. Wurden diese Hilfsangebote benötigt und nachgefragt? Spannende Frage! Denn sicherlich ist in Familien - auch ganz ohne Diabetes, dafür nun mit Home-Schooling, Notbetreuung, Home-Office, etc. - das gewohnte Familiensystem mitunter an seine Grenzen gekommen. Dabei war doch von „Home-Koller“ nie die Rede, oder?

Inwieweit das Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern hilfreich war? Mindestens mit der Sicherheit und Gewissheit, jederzeit kompetente und erfahrene Diabetes-Mamas und -Papas erreichen zu können, die mit Rat und Tat bzw. einem offenen Ohr für Entlastung sorgen. Und dass das Netzwerk auch ohne offizielle persönliche Treffen lebt, wurde eindrucksvoll bewiesen: Der Hilferuf am Feiertag nach kurzfristigem Ersatz eines defekten Scanners zur Gewebezuckermessung setzte spontan eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang. Eine Flut von E-Mails, Anrufen und Kurznachrichten mit Tipps und Ideen, wie Abhilfe geschaffen werden könnte, überschwemmte die Gruppe. Und so war in kürzester Zeit ein Ersatzgerät gefunden und der Austausch organisiert. Eine überwältigende Erfahrung! An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Netzwerkfamilien für Ihre Unterstützung, Treue und ihren Beitrag zum Gelingen unserer Selbsthilfegruppe.

Doch wann würden nun echte Treffen wieder stattfinden können? Während die Lockdown-Maßnahmen einfach waren – salopp gesagt: nix geht mehr! – so waren die Lockerungen nicht ganz so einheitlich. Abstimmungen zwischen den zuständigen Behörden, Interpretationsspielräume, Gruppentreffen mit Gesundheitsbezug (z.B. Diabetes) noch verboten, für Gruppen ohne Gesundheitsbezug mit den bekannten Hygiene-Maßnahmen zulässig. Die Übersicht über die Lockerungen zu wahren, abzuwägen, welche Folgen ein Treffen mit sich bringen könnte, für sich selbst einzuschätzen, welche und wie eng Kontakte eingegangen werden können, … Nach einigem Hin- und Her fiel dann der offizielle Startschuss und es konnten wieder Treffen mit überschaubaren, geschlossenen Gruppen incl. Hygiene-Konzept geplant und organisiert werden.

Wie groß war die Freude des Wiedersehens! Und wieder ein Stück „neue“ Normalität: ein Netzwerktreffen in kleiner, aber feiner Runde mit intensivem Erfahrungsaustausch und herzhaftem Lachen. War das Erleben dieser Selbsthilferunde so berührend, weil wir knapp fünf Monate Zwangspause einlegen mussten? Oder weil so greifbar war, wie der persönliche Austausch auf Augenhöhe direkt entlastend wirkt auf Familien, die mit ihrer Diabetes-Therapie hadern und dann erfahren, welche alternativen Möglichkeiten bestehen und welche Bewältigungsstrategien sich in anderen Familien bewährt haben? Bessere Überzeugungsarbeit für Nutzen und Wirken der Selbsthilfe kann kaum geleistet werden!

Darum: Drückt die Daumen und helft alle mit den einschlägigen AHA-Maßnahmen (Abstand / Hygiene / Alltagsmasken) mit, dass die Pandemie-Bekämpfung ohne einschneidende Rückschläge erfolgreich fortgesetzt werden kann und die Aktivitäten von Selbsthilfegruppen im gewohnten Umfang weitergeführt werden können.

In diesem Sinne,
bis bald beim nächsten Treffen,
Marianne Magg,
Netzwerk für Familien mit Diabetes-Kindern