Berichte

Leo-Malcherczyk-Medaillen 2020 - Gold: Bernd Franz - Silber: Elisabeth Preisinger-Franz

Bernd Franz (re.) mit Medaille und Urkunde, im Hintergrund Laudator Klaus Hohlweg © Marion Köstlmeier

Elisabeth Preisinger-Franz (li.) mit Laudatorin Ingeborg Schumann © Marion Köstlmeier

© Wolfgang Popp

Seit 2014 zeichnen wir, der Diabetikerbund Bayern, im Gedenken an unser Ehrenmitglied und ersten Landesvorsitzenden Leo Malcherczyk (* 1923, † 2008), jährlich Persönlichkeiten mit der Leo-Malcherczyk-Medaille in Gold und Silber aus, die sich in der Selbsthilfe für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Diabetes besonders verdient gemacht haben. So auch 2020 - den würdigen Rahmen bot heuer der Festabend anlässlich des Jubiläums zu „65 Jahre Diabetes-Selbsthilfe in Bayern“.
 

Leo-Malcherczyk-Medaille in Gold: Bernd Franz

Laudator: Klaus Hohlweg

Liebe Gäste, liebe Mitglieder,
heute ehren wir eine Person, die sich bereits in frühen Jahren sozial stark engagiert hat. Er ist am 16. Juli 1944 in Hambach geboren, war bereits in der Katholischen Jugend als Pfarrjugendführer in Hambach und Jugendleiter in Nürnberg St. Johannes sehr aktiv.

Er erlernte zunächst den Beruf des Werkzeugmachers, holte die Mittlere Reife nach, kam anschließend mit der Ausbildung als Krankenpfleger über die Malteser in den sozialen Bereich, Studium bei der Krankenpflegehochschule in Remscheid mit Abschluss als Pflegedirektor und Fachlehrer für Krankenpflege. Er zeigte bei den Maltesern ein sehr starkes Engagement, war bei Gründungen einiger Ortsverbände auch in Baden-Württemberg tätig sowie Ausbilder bei Hilfsdiensten verschiedener Ortsverbände, Aufbau von Sanitätszügen im Katastrophenfall usw. Hierfür erhielt er die Verdienstmedaille des Malteser Hilfsdienstes.

Er war Mitbegründer des Arbeitskreises Hygiene Franken e.V. und Organisator verschiedener Bayerischer Hygienesymposien, u.a. unter der Schirmherrschaft von Horst Seehofer und Barbara Stamm. Zuletzt war er als Pflegedirektor des ambulanten Pflegedienstes Febsan in Haßfurt-Sylbach tätig. Soweit sein soziales Wirken und Engagement in der Zeit vor und zu Beginn des Eintritts in den Diabetikerbund Bayern.

Seit 1. Juni 2002 ist Bernd Franz Mitglied im Diabetikerbund Bayern. Er trieb die Gründung des Regionalverbands Main-Rhön voran und wurde am 27.07.2002 zu dessen Regionalvorsitzenden gewählt.
Seine Kenntnisse und bereits gesammelten Erfahrungen auf dem Gebiet der Pflege, der entsprechenden Organisation und auch sein Durchsetzungsvermögen bescherten ihm einen schnellen Aufstieg beim Diabetikerbund Bayern. So wurde er 2002 als Beisitzer und 2004 als stellvertretender Vorsitzender in den Vorstand gewählt. Von 2007 bis Ende 2008 war er zusammen mit Sigrid Scholz und Hans Kahle kommissarisch für den Verein verantwortlich. Seit 2009 ist er Vorstandsvorsitzender des Diabetikerbundes Bayern.

Im Laufe seiner aktiven Zeit als Vorstandsvorsitzender konnte er sein ganzes gesammeltes Wissen, Erfahrung und Organisationstalent im Verein umsetzen. Hier einige seiner Highlights:

  • Seit 2001 Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender der Gambia Friends Bayern e.V.
  • Schaffung des Rechtsberatungsnetzes in Bayern
  • Versicherungsmöglichkeiten bei Diabetes
  • DiaFoPaed (Diabetes-Fortbildung für Pädagogen)
  • Diabetes Camps: Organisator und Betreuer von mindestens 20 Camps
  • 2014 Silberne Ehrennadel Luise Kiesselbach-Preis des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bayern
  • Einführung der Leo Malcherczyk-Medaille 2014 in Gold und Silber
  • Diabetes Road: seit 2017 Aufklärungsaktion zu Diabetes und Möglichkeiten der Selbsthilfe mit vielen Einsätzen in verschiedenen Städten Bayerns.
  • Veranstalter und Organisator mehrerer Bayerischer Diabetikertage und Mitorganisator der Deutschen Diabetikertage in Bayern 2011 und 2015
  • Vorstand Gesundheitspolitischer Ausschuss (vor Ort)
  • Vorstandsmitglied in der Diabetikerstiftung Mittelpunkt Mensch
  • Mitglied im bayerischen Behindertenrat
  • Koordinator und Mitwirkender bei der Gründung der Diabetiker Allianz auf Bundesebene


Man darf bei alledem, was Bernd Franz hier geleistet hat, nicht vergessen, dass eine derartige Bewältigung solch vieler Aufgaben auch eine starke Seite benötigt, die er bei seiner Ehefrau Elisabeth gefunden hat. Ohne diesen Rückhalt wäre dieses Pensum nicht zu schaffen gewesen. Beide haben viel ihrer Freizeit für den Verein geopfert.

Eine besondere Würdigung verdient er, dass er trotz dieses Alters - er feierte 2019 seinen 75. Geburtstag! - die Motivation aufgebracht hat, seine für heuer geplanten Projekte durchzuführen. Dazu gehören die eine oder andere Diabetes Road, die immer wieder besondere kräftezehrende Leistungen von ihm erfordert. Hier hat sich im Laufe der Zeit ein Team zusammengefunden, dass ihn hier in den meisten Fällen unterstützt.

Im August dieses Jahres war er noch einmal mit an Diabetes erkrankten Kindern und Jugendlichen im Diabetes Camp Wagrain, wo die Kinder nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht betreut werden mussten. Heuer fiel den Kindern der Abschied von Bernd und Elisabeth besonders schwer, da es das letzte Camp mit ihnen war.
Er hat angekündigt, bei der nächsten Wahl des Vorstands nicht mehr zu kandidieren – zum Ende des Jahres (2020) will er sich in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschieden.

Bevor ich zur eigentlichen Preisverleihung komme, hier eine Bitte an die Politik: Es wäre angebracht, Herrn Bernd Franz eine höher positionierte Auszeichnung zu verleihen. Durch sein umfangreiches, außergewöhnliches und persönliches Engagement hat er sie sicherlich verdient. Sie würde seine Verdienste für die Selbsthilfe würdigen und diese stärken.

Lieber Bernd,
es war ein kameradschaftliches, vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit Dir und ich hoffe, dass wir noch länger in Kontakt bleiben. Zum Schluss sage ich Dir herzlichen Dank, auch im Namen des Vorstandes, aller Selbsthilfegruppenleiter und Mitglieder für Dein beispielhaftes Engagement, Deine beachtenswerte Tatkraft, den Gemeinsinn für das Wohl im Verein und ganz besonders den Einsatz für die Diabetiker in der Öffentlichkeit.
Für Deine besonderen Verdienste darf ich Dir die Leo-Malcherczyk-Medaille des Diabetikerbundes Bayern in Gold aushändigen.
 

Leo-Malcherczyk-Medaille in Silber: Elisabeth Preisinger-Franz

Für ihre fast zwei Jahrzehnte währenden Verdienste in der Diabetes-Selbsthilfe erhielt Elisabeth Preisinger-Franz die Leo-Malcherczyk-Medaille in Silber.

Laudatorin Ingeborg Schumann, Diabetesberaterin, selbst Trägerin der Leo-Malcherczyk-Medaille in Silber (2018), erinnerte an ihre vielen schönen Momente miteinander und überreichte zu jeder persönlichen Anekdote ein kleines Präsent.

Wer meint, Elisabeth Preisinger-Franz sei „nur“ die Frau vom Vorstandsvorsitzenden, der irrt gewaltig. Sie war es, die als Leiterin der Selbsthilfegruppe Haßberge zuerst im Diabetikerbund Bayern aktiv war und letztendlich gab sie den Anstoß für alles, was folgen sollte – und das kam so: Es begab sich auf der Landesdelegiertenversammlung 2002 in Hersbruck. Damals standen Nachwahlen zum Landesvorstand an, es waren einige Positionen vakant. Es wurden Kandidaten für die offenen Positionen gesucht. Elisabeth Preisinger-Franz schubste ihren Mann an: „Hilf ihnen halt!“ Und so erklärte er seine Bereitschaft zur Kandidatur zum Beisitzer und wurde gewählt – alles weitere finden Sie in der Laudatio für ihn.

Zurück zu Elisabeth: Mit „schuld“ an allem, was seitdem und bis heute auf ihren Mann zukam, unterstützte Elisabeth Preisinger-Franz ihn, wo sie nur konnte. Natürlich zuhause durchs „Rücken frei halten“ - sobald es familiäre und berufliche Verpflichtungen zu ließen, begleitete sie ihn und half überall tatkräftig mit, z.B. an Info-Ständen usw.

Von Anfang an unterstützte sie bei allen DiabetesCamps. Warmherzig fing sie Sorgen und Nöte der Kinder auf, wirkte als Diabetesassistentin beim Blutzuckermanagement mit und sprach auch mal, wo angebracht, ein strenges Wort. Bei den Selbstversorger-Camps führte sie das Küchenteam an: eine Herkules-aufgabe, über 80 hungrige Teilnehmer und Teammitglieder rund um die Uhr satt zu bekommen! Viele erinnern sich heute noch an die leckeren Köstlichkeiten, die in rauen Mengen produziert und vollständig verputzt wurden!

Ein weiteres großes Steckenpferd war für sie in den vergangenen Jahren die Diabetes Road. Als Diabetesassistentin übernahm sie HbA1c-, Blutzucker- und Blutdruckmessungen und hat unzählige Menschen beraten - rund um Diabetes, die richtige Ernährung, Prävention usw. Unendlich traurig war sie, als sie einige Stationen aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme verpasste!

Ihre warmherzige, herzliche Art half ihr stets, Türen zu öffnen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und hier und da Wogen zu glätten.

Herzlichen Glückwunsch!