Berichte

„Leben ohne“

Frische Luft tanken in der Natur © Verena Hädrich

Herausforderung glitschiger, teils vereister Weg © Verena Hädrich

Für viele von uns ist das Tragen eines Sensors und/oder einer Insulinpumpe mittlerweile „normal“ – ein Zurück auf „nur noch“ punktuell Blutzuckermessen oder Pen/Spritze kaum vorstellbar. Und doch kann es uns schnell mal passieren.

In so einer Situation fällt erst auf, was man an einem kontinuierlichen System bzw. an einer Insulinpumpe hat, wie positiv das ist, wie sehr und wie schnell wir uns darauf verlassen und auch verlassen können – in der Regel.

Doch aufgepasst (!!) - es heißt nicht umsonst „Ausnahmen bestätigen die Regel!!“

Gleich zweimal in kurzem Abstand Ausfall des CGM-Systems:

  • einmal nur ein paar Stunden wegen Handy-Akku-Tausch – ok, geht.
  • Aber dann: Transmitter-Defekt mit mehrtägigem Warten auf Ersatz!

Stunden oder Tage ohne Sensor, nachdem Jahre mit – das ist ungewohnt. Klar, kann man nach wie vor „ohne“ leben, haben wir ja lange gemacht, aber: man muss verzichten!

Zum Beispiel: Im Lockdown gehst Du raus an die frische Luft zum Wandern: da merkt man erst, wie positiv CGM/FGM ist. Winterausflug in eine Schlucht: Es ist glatt und kalt. Schnee, Matsch, kalte Hände – eigentlich hätte man gerne mal Blutzuckerwert gewusst – aber packt man jetzt wirklich Messgerät und Streifen aus und fummelt mit kalten Händen herum?! (Rucksack abstellen, Handschuhe aus und nach „Mess-Zeug“ suchen - ist sicher ganz unten in der Tasche … ??) Mist, da schau ich jetzt nicht nach. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Weil Hypo nicht gleich bemerkt, zu spät reagiert – ganzer nächster Tag durch hohe Werte versaut!

Ihr merkt: man gewöhnt sich sehr an diese Technik, genießt den Luxus, ohne diesen wirklich zu schätzen - solange alles funktioniert. Erst beim Ausfall wird deutlich, was sie uns zusätzlich liefert, außer dem aktuellen Wert und Bequemlichkeit: Unendlich hilfreiche Trendpfeile und Alarme bei nicht passenden Werten. Sie machen frühzeitige Reaktion möglich.

Oder – Ausfall Insulinpumpe:

Heiligabend beim Abendessen: Insulinpumpenalarm Batterie leer (ohne Vorwarnung) – merkwürdig, aber ok: Batterie getauscht. Ein paar Stunden später – Elektronikstörung?!? Hm – Batterie überprüft, war aus vergessenem Paket, zu wenig Spannung. Kann passieren – neue Batterie aus nagelneuer Packung eingesetzt – Pumpe läuft wieder, abgehakt. Dann mitten in der Nacht – Pumpenkomplettausfall, nur durch Sensoralarm CGM Überschreiten oberer Grenze so schnell bemerkt. Pumpe war „tot“- wie lange wohl schon??? Nichts ging mehr, nichts brachte sie wieder „zum Leben“. (Pumpe ca. 18 Monate alt)

Zum Glück Altpumpe mit passendem Katheter zur Hand, weil gleiches Modell - ausgetauscht, zurück ins warme Bett. Anruf bei Hotline früh am Morgen des 1. Feiertags mit Abklärung möglicher Fehlerquellen. Zum Glück Erkenntnis auch auf Gegenseite – das Ding und nicht der User hat einen Fehler! Und dann kann ich nur sagen: Danke und WOW! Etwa zwei Stunden später klingelte es an der Tür - die Austauschpumpe wurde übergeben – und das am 1. Weihnachtsfeiertag im Lockdown!!!

Technik ist super, sie hilft uns unendlich viel. ABER: sie kann auch mal ausfallen! Seid immer bereit, auf Alternativen umsteigen zu können. Besprecht das mit Eurem Diabetesteam und rüstet Euch unbedingt mit den erforderlichen Materialien aus: Blutzuckerteststreifen (Haltbarkeit regelmäßig überprüfen), passendes Blutzuckermessgerät inkl. ebensolcher Batterien, Stechhilfe inkl. der Nadeln, Insulinspritzen bzw. Pens, die erforderlichen Insuline – auch ein Langzeitinsulin! (Verena Hädrich, Marion Köstlmeier)