Kolumne

Langes Ringen um eine nationale Diabetesstrategie

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Eine nationale Diabetes-Strategie fordern wir, zusammen mit allen anderen großen Diabetes-Verbänden, schon lange. Sie ist nötig, um den ständig wachsenden Erkrankungszahlen, besonders den Typ-2-Diabetes betreffend, endlich mit wirkungsvollen Maßnahmen zu begegnen. Und diese Maßnahmen werden sich lohnen, denn sie fördern die allgemeine Gesundheit und haben damit mit Sicherheit auch positive Einflüsse auf Blutdruck, Fettstoffwechsel, Herz, Knochen, Gelenke, Psyche usw. Da fragt sich, warum wir eine solche nationale Diabetes-Strategie immer noch nicht haben!?!

Nach der langen Regierungsbildung auf Bundesebene haben wir uns sehr gefreut, als die Nationale Diabetesstrategie zum ersten Mal in einen Koalitionsvertrag (16. März 2018) Einzug fand: „Wir wollen gezielt Volkskrankheiten wie Krebs, Demenz oder psychische Störungen bekämpfen. Dabei betonen wir die nationale Diabetesstrategie. …“ YES – endlich ein Hoffnungsschimmer. Jetzt musste es doch vorangehen!

Wir haben jetzt Anfang 2020, die Halbzeit dieser Legislatur-Periode ist also schon überschritten – und noch immer ist keine Nationale Diabetes-Strategie verabschiedet.

Stattdessen wird seit Mitte 2019 gestritten um die Inhalte zum Thema Ernährung. Die CDU/CSU will nicht zu weit gehen und für die SPD kommt eine Nationale Diabetesstrategie ohne wesentliche Regelungen u.a. zur Zuckerreduktion mind. in Kinderlebensmitteln nicht in Frage.

Mensch – hört doch mal Euer Volk an! Die Bürger finden sich im Dschungel der bisherigen Nährwertkennzeichnung nicht zurecht! Sie wollen aber informiert sein, sie möchten gesunde Lebensmittel und sie haben sich deshalb eindeutig für den Nutriscore® entschieden, eh eine Kennzeichnung „light“ – lesen Sie hierzu auch die kritischen Anmerkungen im kontakt 01/2020.

Aber: der Nutriscore® ist FREIWILLIG! Auf „grüne“ Lebensmittel wird er sicher gerne aufgedruckt werden, aber auf rote? Eher nein – also keine rote Ampel, die warnt.

Was soll das? Es muss eine verständliche Kennzeichnung für alle Fertiglebensmittel her – sofort! Das hat dann evtl. eine Wirkung wie in den Nachbarländern die Zuckersteuer: nach ihrer Einführung sank der Zuckeranteil z.B. in Limonaden rasant. Geht doch! Nur um Missverständnisse zu vermeiden – nein, ich persönlich fordere keine Zuckersteuer aber das Ende des „in den A… der Industrie kriechens“, damit sie minimalistisch, freiwillig in viel zu langem Zeitfenster Salz, Zucker und Fett in den von ihnen erdachten Lebensmitteln reduziert. (Ich entschuldige mich in aller Form für diese Ausdrucksweise, aber: ist doch wahr!)

Keine Nationale Diabetesstrategie oder eine ohne Inhalte zur Ernährung? KEINE geht gar nicht, eine ohne Ernährung aber auch nicht!

Mensch, bitte findet einen vernünftigen Konsens – für Euer Volk!

Wir brauchen die Diabetes-Strategie für die rund 10 % der Betroffenen in der Bevölkerung und all die, die gefährdet sind, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Und das sind viele! diabetesDE hatte 2019 eine Befragung von 1500 Typ-2-Diabetikern durchgeführt: 86 % fühlen sich nicht angemessen von der Politik vertreten! 44 % haben nach der Diabetes-Diagnose keine Schulung erhalten – Katastrophe! Das darin vermittelte Wissen ist Grundvoraussetzung für den richtigen Umgang mit der Erkrankung im Alltag, für eine langfristig gute Stoffwechseleinstellung und für die Prävention von teuren, viel persönliches Leid bringenden Folgeerkrankungen. Wir brauchen gute Versorgungsstrukturen – überall im Land, und niederschwelligen Zugang zu Schulungen, ärztlicher Versorgung usw. Nicht jeder Betroffene und Gefährdete ist in der Lage, sich alle Möglichkeiten, Informationen und Anlaufstellen selbst zusammen zu suchen, trotz Internet. Man bedenke auch: die Typ-2-Diabetes-Zahlen sind gerade in bildungsfernen Bevölkerungsschichten besonders hoch!
Wir müssen die gesamte Bevölkerung da abholen, wo jeder einzelne steht! Ernähren muss und tut sich jeder. Damit ist die Ernährung einer der wesentlichsten Grundpfeiler unserer Gesundheit. Deshalb muss die Verfügbarkeit „guter“ Lebensmittel eine ganz hohe Priorität genießen.

In der Hoffnung auf baldige gute Nachrichten wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Frühling!

Ihre
Marion Köstlmeier